Neue Reserven Chevron meldet Fund von gewaltigen Ölvorkommen

Es könnte einer der bedeutendsten Ölfunde in den USA sein. Der Konzern Chevron meldete heute nach Bohrungen im Golf von Mexiko: "Öl fließt" - das wirkte sich prompt an der Börse aus.


Washington - Nach einer erfolgreichen Probebohrung achteinhalb Kilometer unter dem Meeresspiegel erklärten die Energiekonzerne Chevron, Devon und Statoil heute, in einem 770 Quadratkilometer großen Gebiet vor der US-Golfküste könnten zwischen 3 Milliarden und 15 Milliarden Barrel Öl und Erdgas in flüssiger Form liegen. Bislang wurden die Ölvorkommen der USA mit knapp 30 Milliarden Barrel angegeben.

Die meisten US-Ölfelder sind mittlerweile ausgebeutet. In den USA wächst deshalb die Sorge um die immer knapper werdenden Rohstoffvorräte im eigenen Land - umso größter ist seit heute die Hoffnung auf die neuen Reserven.

"Das sind sehr aufregende Neuigkeiten. Bislang wusste niemand, ob das Öl hier wirklich fließen würde", sagte Zoe Sutherland, Analystin für Wood Mackenzie, dem US-Sender CNN. "Es ist gleichgültig wie groß die Ölvorkommen sind, die entdeckt werden, solange man das Öl nicht nach oben befördern kann."

Wieviel Rohöl aus der Tiefe gefördert werden kann, war zunächst noch unklar. Während einer Probebohrung sei eine Menge von mehr als 6000 Barrel Rohöl täglich aus dem Vorkommen gesprudelt, teilte das Unternehmen mit. Dies entspräche etwa der Menge, die in einigen anderen neu entdeckten Ölfeldern, etwa in Angola, gefördert werden.

Chevron hatte im September 2004 erstmals von der Entdeckung der Vorkommen berichtet. Das Ölfeld liegt rund 434 Kilometer südwestlich von New Orleans und etwa 280 Kilometer vor der Küste. Sollten sich frühere Schätzungen von Chevron zu den Ölvorkommen in sehr großen Tiefen der Meere bestätigen, könnten diese die derzeitigen US-Ölreserven um 50 Prozent erhöhen. Die USA importieren derzeit mehr als die Hälfte ihres Erdölbedarfs.

"Kein Tropfen Öl innerhalb der nächsten fünf Jahre"

Experten warnen allerdings vor allzu großer Euphorie. Denn die Ausbeutung der neuen Ölreserven dürfte sich viele Jahre hinziehen. Außerdem koste der Bau von Ölplattformen und Pipelines etliche Milliarden Dollar. "Es hört sich schrecklich an, aber dieser Fund bedeutet nichts für die nähere Zukunft", sagte der Analyst Tom Kloza in einem Bericht des US-Senders CNN auf seiner Internetseite. "Wir werden innerhalb der nächsten fünf, vielleicht sieben Jahre, keinen Tropfen Öl zu sehen bekommen", sagte Oppenheimer-Analyst Fadel Gheit, und gab diesen Zeitraum bereits als optimistische Schätzung aus. Dass die drei Konzerne die aufwändigen und kostenintensiven Probebohrungen in der Rekordtiefe überhaupt unternommen hatten, schiebt Gheit den derzeitigen hohen Ölpreisen zu: ""Wenn wir nicht so hohe Ölpreise hätten, hätten sie sich niemals getraut so viel Kapital hier zu investieren."

Die Nachricht von dem sensationellen Ölfund wirkte sich prompt auf die Börse aus, sie führte am Dienstag zu Kursaufschlägen bei den Aktien der betroffenen Unternehmen: Chevron-Titel legten um gut drei Prozent zu auf 66,96 Dollar. Die Aktien von Devon gewannen sogar um gut neun Prozent auf 69,95 Dollar. In Oslo legten die Aktien von Statoil um 0,86 Prozent zu. Analysten sagten, der kleinere Partner von Devon werde vergleichsweise mehr von den neuen Vorräten profitieren als der Ölriese Chevron. Chevron hält 50 Prozent an dem Projekt, die norwegische Statoil ASA und Devon Energy je 25 Prozent.

fok/Reuters/AP/CNN



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