Neue Strategie Google baut Lobby-Armada in Europa auf

Lange galt Google als unkonventionell. Doch nun haben die Kalifornier auch das klassische Unternehmens-Einmaleins gelernt: Einem Pressebericht zufolge baut die Firma ein europaweites Netzwerk an Lobbyisten auf, um rechtzeitig politischen Widerstand zu bekämpfen.


London/Brüssel - Nach Informationen der "Financial Times" hat Google im März Stellen für mindestens zehn europäische Hauptstädte ausgeschrieben. Gesucht werden Mitarbeiter, die sich mit Leidenschaft für die "Expansion eines freien und offenen Internets" einsetzen. Im Klartext: Der Softwaregigant will Lobbyisten.

Google-Logo: Für die "Expansion eines freien und offenen Internets"
AFP

Google-Logo: Für die "Expansion eines freien und offenen Internets"

Das neue Lobbynetzwerk soll sich mit Internet-Themen wie "Privatsphäre, freier Meinungsäußerung, Urheberrecht, Wettbewerb sowie der Regulierung von Online-Inhalten, Werbung und Technologien" auseinander setzen, zitiert das Blatt die Stellenangebote. Die europaweite Lobby-Strategie soll auch die Zusammenarbeit mit Nichtregierungs-Organisationen einschließen. Vor zwei Jahren hatte die Firma so eine Ausweitung des Patentschutzes für Software in Europa verhindert.

Google dürfte seinen Einfluss vor allem in Brüssel ausbauen, um dort Anhänger für seine Sicht des Urheberrechts zu finden. Das Unternehmen ist wegen der Einstellung von fremdem Material in seine Videoplattform YouTube und wegen der Digitalisierung von Millionen von Büchern umstritten. Zu den Kritikern gehört unter anderem Microsoft. Der Google-Konkurrent beschäftigt in Brüssel selbst zahlreiche Lobbyisten und Anwälte, die das Unternehmen im EU-Kartellrechts-Verfahren unterstützen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Google in den USA bekannte Lobby-Firmen wie Podesta Mattoon angeheuert, um mehr Einfluss in Washington zu erhalten. Zuvor hatte sich das Unternehmen jahrelang diesen Geschäftsmethoden widersetzt. In den USA streiten große Softwareunternehmen wie Google seit längerem mit den Telefongesellschaften über Aufpreise für hohen Datenverkehr im Breitbandbereich. Auch der scharfe Protest von Kongressabgeordneten gegen die China-Geschäfte des Unternehmens hatte Google zum Gang nach Washington bewogen.

joh



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.