Neuer Bericht Verfassungsschutz wirft China und Russland Wirtschaftsspionage vor

Deutsche Firmen geraten ins Visier von ausländischen Geheimdiensten. Die Verfassungsschützer warnen in ihrem neuen Bericht vor Spähaktionen in der Bundesrepublik - vor allem China und Russland interessieren sich für erneuerbare Energien, Maschinenbau und andere Industrien.

Hamburg - Die deutsche Wirtschaft ist immer stärker unter Beobachtung von Spionen. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht warnt das Innenministerium: "Für einige Nachrichtendienste nehmen Aufklärungsziele im Bereich von Wirtschaft, Wissenschaft und Technik einen zunehmend breiteren Raum ein." Unter anderem seien Branchen wie erneuerbare Energien, Autobau, Chemie, Kommunikation, Rüstung, Maschinenbau und Materialforschung Ziele der Agenten.

Arbeiter an Solaranlage: Interesse der Spione an erneuerbaren Energien

Arbeiter an Solaranlage: Interesse der Spione an erneuerbaren Energien

Foto: Getty Images

Die Bundesrepublik sei als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie mit Weltmarktführung für fremde Nachrichtendienste sehr attraktiv, heißt es in dem Bericht. Als Hauptauftraggeber für Wirtschaftsspionage nennt der Verfassungsschutz Russland und China.

Von chinesischer Seite sind demnach vor allem das Ministerium für Staatssicherheit und der Militärische Nachrichtendienst in Deutschland aktiv. Bei den Spähaktivitäten liege der Schwerpunkt auf Informationen, "die der Förderung der eigenen Unternehmen dienen".

Da das Wissen über neue Produktionsverfahren die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen verbesserten, "bietet der Einsatz der Nachrichtendienste eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit zum Erwerb von Know-how", heißt es in dem Bericht.

Dabei profitierten die chinesischen Geheimdienste auch von den engen wirtschaftlichen Verbindungen zwischen der Volksrepublik und Deutschland, mutmaßt der Verfassungsschutz. Die Verantwortlichen verweisen auf die hohe Zahl von Gaststudenten an deutschen Unternehmen und auf chinesische Wissenschaftler in Firmen und Forschungsstellen. "Viele dieser sogenannten Non-Professionals stehen den chinesischen Behörden aus Patriotismus oder Dankbarkeit für die Möglichkeit, in Deutschland zu arbeiten, aufgeschlossen gegenüber", schreibt der Verfassungsschutz.

Russland soll im Bereich erneuerbare Energien spionieren

Auch die Aktivitäten der russischen Geheimdienste werden im Bericht skizziert. Russland legt laut Verfassungsschutz den Fokus auf alternative und regenerative Energien und auf das Thema Energieeffizienz. Von Aktivitäten bei "Informationen über Computer-, Telekommunikations- und Sicherheitstechnik sowie Produkten aus den Bereichen Messtechnik, Luft- und Raumfahrt" ist ebenfalls die Rede.

Zudem warnt der Verfassungsschutz vor Spähattacken aus dem Internet auf Unternehmen: "Angesichts der ausgewählten Ziele und der angewandten Methoden erscheint eine nachrichtendienstliche Steuerung oder zumindest Beteiligung in vielen Fällen als sehr wahrscheinlich."

Generell sehen die Experten die deutsche Wirtschaft von zwei Seiten unter Druck: "Technologisch weniger entwickelte Staaten spähen eher technisches Know-how aus, um Kosten für die eigene Forschung und Entwicklung sowie mögliche Lizenzgebühren zu vermeiden", schreiben sie. "Höher entwickelte Staaten interessieren sich dagegen für Produktideen, komplexe Fertigungstechniken sowie für Unternehmens- und Marktstrategien."

suc
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