Neuer Markt Kursrutsch bei den Wachstumswerten

Eine schwache Eröffnung der US-Technologiebörse Nasdaq hat den Neuen Markt erneut einbrechen lassen. Zu den größten Verlierern gehörte das Papier von Pixelpark.


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Frankfurt am Main - Der Nemax 50 weitete seine Verluste aus und lag am Nachmittag noch mit rund fünf Prozent im Minus. Zuvor hatte der Index zeitweise über sechs Prozent abgegeben, konnte sich aber nach Eröffnung der US-Technologiebörse wieder etwas fangen. Der Nasdaq lag kurz nach Handelbeginn mit einem guten Prozent im Minus.

"Die Zinsentscheidung der US-Notenbank hat uns am Morgen schon die Stimmung verhagelt", sagte ein Münchner Händler. Die Federal Reserve hatte die Leitzinsen unverändert gelassen. Nach Ansicht des Händlers wird die Gewinnwarnung des US-Halbleiterkonzerns Applied Materials die Nasdaq wieder nach unten reißen und damit auch die deutschen Wachstumswerte schwer belasten.

Die Gerüchte um mögliche Auflösungen von Neuer-Markt-Fonds bezeichnete der Händler als "unbegründet". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte in ihrer Donnerstagsausgabe berichtet, es kursierten entsprechende Spekulationen am Markt. "Es gibt Umschichtungen in Fonds, die dann wieder negativ in die bereits schwachen Märkte hinein wirken", sagte der Händler. Ein Ursache für die Talfahrt des Neuen Marktes sei dies aber nicht.

Der Händler Wolfgang Kuhl von der BfG-Bank vermutete, dass sowohl institutionelle als auch private Anleger der Neuer-Markt-Fonds ausstiegen. Namen von Fonds nannte er nicht. Hinzu komme, dass die Mittelzuflüsse von privaten Anlegern nach den deutlichen Kurskorrekturen zurückgegangen seien.

Schlusslicht Intertainment

Im Nemax 50 befanden sich am Nachmittag mit Infomatec, Teldafax und Telegate nur drei Werte im positiven Bereich. Dagegen mussten zahlreiche Titel zweistellige Kursverluste hinnehmen. Schlusslicht war das Papier der Filmgesellschaft Intertainment, das um rund 21 Prozent nachgab. Analysten hatten zuvor gemutmaßt, das Unternehmen werde bei der Vorlage der Neunmonatszahlen am Freitag seine Prognose für das Gesamtjahr revidieren.

Auch die Aktie von Pixelpark brach ein: Das Papier des Multimedia-Anbieters sackte um fast 18 Prozent ab. Zuvor waren Gerüchte kursiert, die Bertelsmann AG wolle sich von ihrem 57-Prozent Anteil an dem Berliner Unternehmen trennen und habe eine angelsächsische Bank mit der Käufersuche beauftragt. Bertelsmann nahm zu dem "Marktgerücht" jedoch keine Stellung. Händlern zufolge litten Pixelpark auch unter dem schlechten Gesamtmarktfeld für Webdienstleister.

Auch T-Online fanden sich mit einem Abschlag von knapp vier Prozent im Feld der Verlierer. Die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation hatte am Vortag entschieden, dass der Mutterkonzern Deutsche Telekom ab Februar nächsten Jahres auch Mitbewerbern eine Großhandels-Flatrate anbieten muss. Analyst Werner Stäblein von der BHF-Bank sagte, dadurch werde der Wettbewerb bei den Flatrate-Angeboten wieder deutlich zunehmen und T-Online unter Druck geraten.

An die Spitze des Gewinnerfeldes setzten sich e.multi Digitale Dienste mit einem Plus von fast 21 Prozent. Das Unternehmen hatte am Morgen gemeldet, gemeinsam mit der Börse Stuttgart AG, der Euwax Broker AG und weiteren Partnern eine gemeinsame Firma für Lernprogramme im Internet für private und professionelle Anleger gründen zu wollen.



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