Neuer Markt "Kursverfall wird noch andauern"

Der Neue Markt hat erneut kräftig verloren. Beobachter streiten sich über die Aussichten.


Analysten: "Irrwitzige Hausse"
DPA

Analysten: "Irrwitzige Hausse"

München - Der Nemax 50 rutschte am Mittwoch mit einem Minus von drei Prozent unter die 5000-Punkte-Marke. Der marktbreitere Nemax All Share verlor bis zum frühen Abend knapp drei Prozent. Schwergewichte wie Mobilcom und Intershop verloren über zehn Prozent. T-Online gaben fünf Prozent nach.

Ein Grund seien die schwachen Vorgaben der Nasdaq, die unter der Gewinnwarnung von Xerox litt, sagte ein Händler der DG-Bank. Der Trend werde auch noch anhalten, denn der Nasdaq-Future weise bereits erneut nach unten. "Auf die Nasdaq kann man sich zur Zeit nicht verlassen", sagte auch ein Händler der Bankgesellschaft Berlin. Seiner Meinung nach sei der Boden zwar langsam erreicht, die Stimmung wegen der Inflationsgefahr aber weiterhin schlecht. Rainer Gerdau, Analyst bei der Dresdner Bank, gibt sich langfristig optimistisch, derzeit sei der Neue Markt unterbewertet.

Als "nicht überraschend" bezeichnet hingegen Finanzmanager Jens Ehrhardt den Kursrutsch: "Die Technologie-Hausse bis zum März war irrwitzig. Es wird länger als ein Jahr brauchen, um das zu korrigieren." Noch immer seien viele Papiere zu hoch bewertet. Nach den Internetwerten seien die Biotech-Werte wahrscheinlich die nächsten, die in den Sturzflug übergingen. Auch sämtliche Telekomwerte würden weiterhin überschätzt.

Nach wie vor seien zu viele Anleger im Markt. Für eine nachhaltige Erholung müsste es erst zu Verkäufen im großen Stil kommen, sagt Ehrhardt. Die Gewinnwarnungen von US-Firmen wie Intel, Apple oder jetzt Xerox seien nicht schuld an der schlechten Stimmung. Sie seien aber "Zeichen für die Börsenverfassung": Sie machten deutlich, auf welch wackligen Beinen die Börse noch steht.



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