Neuer Ölriese Brasilien will Opec-Mitglied werden

Der eine will raus, der andere rein: Während Indonesien über einen Austritt aus der Opec nachdenkt, will Brasilien der Organisation Erdöl exportierender Staaten beitreten - und dafür kämpfen, dass der Rohstoff billiger wird. Das verriet Staatspräsident Lula da Silva dem SPIEGEL.


Hamburg - Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sagte, er wolle nach der Entdeckung immenser Ölreserven im Meeresboden vor Rio de Janeiro darauf hinarbeiten, dass Brasilien Mitglied der Opec wird. Auf diese Weise wolle sein Land sich dafür einsetzen, dass Erdöl billiger wird, sagte er im SPIEGEL-Gespräch.

Brasiliens Präsident Lula da Silva: Kritik an der Ersten Welt
AFP

Brasiliens Präsident Lula da Silva: Kritik an der Ersten Welt

Dies widerspricht dem Interesse der bisherigen Opec-Mitglieder an einem möglichst hohen Ölpreis.

Der Präsident verwies im Interview vor allem auf die wirtschaftliche Erfolgsbilanz seines Landes und betonte den umweltschonenden Einsatz von Biotreibstoff aus Zuckerrohr: "Die Herstellung ist konkurrenzlos billig."

Auf europäische Vorhaltungen, die Produktion von Biokraftstoffen gehe zu Lasten des Anbaus von Nahrungsmitteln, vor allem Getreide, reagierte Lula mit dem Appell, Europa solle die Produktion von Biokraftstoffen anderen überlassen: "Das können wir oder die Afrikaner viel besser." Schließlich seien es gerade Europäer und Amerikaner, die Nahrungsmittel wie Mais oder Zuckerrüben zur Herstellung von Biokraftstoffen verwenden. Er empfahl: "Die Erste Welt sollte lieber aufhören, die eigene Landwirtschaft zu subventionieren und hohe Schutzzölle für Einfuhren zu erheben."

Vor dem Staatsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 13. bis 15. Mai forderte Lula sie und ihre europäischen Kollegen auf, sich wieder mehr nach Südamerika zu orientieren und "keine Angst vor den Linken in Lateinamerika" zu haben.

Anfang dieser Woche erst hatte die Regierung von Indonesien, das einzige ostasiatische Mitgliedsland der Opec, Überlegungen geäußert, aus dem Erdölkartell auszutreten, weil die eigene Ölförderung immer weiter sinkt. Indonesien fördere mittlerweile weniger als eine Million Barrel pro Tag und importiere inzwischen Erdöl, sagte Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono. Indonesien müsse prüfen, ob es noch Sinn mache, Mitglied der Organisation der Erdöl exportierenden Staaten zu bleiben.

kaz

Das ausführliche Gespräch mit Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva lesen Sie im neuen SPIEGEL.



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