Neuer TV-Gigant CLT-UFA und Pearson-TV fusionieren

Das Gewitter am Fusionshimmel hat sich noch nicht ganz verzogen, da bahnt sich ein neuer Megadeal an. Die Bertelsmann-Tochter CLT-UFA und die Fernsehtochter des britische Medienkonzerns Pearson wollen zum größten TV-Anbieter Europas werden. Eine Pleite wie bei Deutscher und Dresdner Bank schloss Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff aus.


Diese Fusion soll auf sicheren Füßen stehen: Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und Kollegin Marjorie Scardino von Pearson
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Diese Fusion soll auf sicheren Füßen stehen: Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und Kollegin Marjorie Scardino von Pearson

London/Gütersloh - Middelhoff nimmt seine Zuversicht aus der langjährigen Zusammenarbeit zwischen CLT-UFA und Pearson. Beispielsweise sei Grundy, das die RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" produziert, ein Joint Venture der beiden Unternehmen. Auch an dem britischen Fernsehsender Channel 5 seien sie beteiligt. Pearson-Chefin Marjorie Scardino sagte: "Dies ist nicht eine Fusion, von der Sie morgen in der Zeitung lesen, dass sie nicht geklappt hat."

Die Medienkonzerne Bertelsmann und Pearson wollen durch die Zusammenlegung ihrer TV- und Radiogeschäfte Europas größte Fernsehstation schmieden. Das Unternehmen wird mit einem Jahresumsatz von etwa vier Milliarden Euro der größte Radio-, TV- und Filmproduzent Europas sein. Zu dem neuen Konzern würden unter anderem 22 Fernsehsender und 18 Radiostationen von CLT-UFA sowie etwa 160 Fernsehprogramme von Pearson-TV zählen.

Elf Prozent der neuen Gesellschaft sollen an die Börse gebracht werden. Es ist das erste Mal, dass ein Stammgeschäft und ein gesamter Unternehmensbereich der Bertelsmann AG an die Börse geht. Größter Einzelgesellschafter wird mit 37 Prozent die Bertelsmann/WAZ-TV-Holding, die auch die unternehmerische Führung bestimmt. Der zweite Großgesellschafter von CLT-UFA, die belgische Groupe Bruxelles Lambert (GBL), wird 30 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, die Muttergesellschaft Pearson Plc 22 Prozent.

"Wir haben Europas TV-Gesellschaft Nummer 1 geschaffen, die Nummer 1 auf allen Gebieten", jubelte der Bertelsmann-Chef. Es seien "neue Dimensionen", in die das Fernsehgeschäft von Bertelsmann nun vorstoße. Gemeinsam mit den Partnern sei ein "großartiger strategischer Schachzug gelungen", so Middelhoff. GBL-Chairman Albert Frère sprach von einem "Meilenstein" in der Partnerschaft seiner Gesellschaft mit Bertelsmann. Die Fusion von CLT-UFA und Pearson-TV eröffne weitere Wachstumschancen für beiden Firmen.

Das neue Unternehmen, dessen Name noch nicht feststeht, biete mit insgesamt 150 Millionen Zuschauern täglich die größte Werbeplattform Europas, hieß es. Allein CLT-UFA erreicht nach eigenen Angaben zurzeit täglich etwa 120 Millionen Fernsehzuschauer und 25 Millionen Radiohörer. Darüber hinaus besitzt die deutsch-luxemburgische Holding weitreichende Sport-Vermarktungsrechte vor allem an Fußballvereinen und -spielen. Die einzelnen Gesellschaften von Pearson-TV produzieren jährlich mehr als 10.000 Programmstunden. Dazu zählen ein umfangreiches Angebot an Gameshows, Dramaserien und sonstigen Unterhaltungsprogrammen. Die Firma hält außerdem Anteile an Rundfunksendern in Großbritannien, Spanien und Australien.

Vorstandsvorsitzender der neuen Gesellschaft soll Didier Bellens werden, derzeit in gleicher Funktion bei der CLT-UFA. Als Chefstratege ist Pearson-TV-Chef Richard Eyre vorgesehen, und Chief Operating Officer (COO) soll Ewald Walgenbach werden, ebenfalls bislang in gleicher Funktion bei der CLT-UFA. Dem neuen Aufsichtsrat wird neben Middelhoff und Scardino auch der Geschäftsführer der WAZ-Gruppe, Erich Schumann, angehören.



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