Neues Energiekartell Putin hält Gas-Opec mit Iran für "interessante Idee"

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich für die Bildung eines Gas-Kartells nach dem Vorbild der Opec ausgesprochen. Einen entsprechenden iranischen Vorschlag nannte er eine "interessante Idee".


Moskau - Russland führe dazu bereits Gespräche mit dem Iran und anderen Gas exportierenden Ländern, ergänzte Putin. Vorrangiges Ziel einer solchen Kooperation sei aber nicht die Kartell-Bildung, sondern die zuverlässige Versorgung der Verbraucher. Wörtlich sagte der russische Präsident auf der Jahrespressekonferenz im Kreml: "Eine Gas-Opec ist eine interessante Idee, über die wir nachdenken werden."

Wladimir Putin: Russland verfügt über 30 Prozent der weltweiten Gasvorkommen
AFP

Wladimir Putin: Russland verfügt über 30 Prozent der weltweiten Gasvorkommen

Der iranische Religionsführer Ali Chamenei hatte der russischen Führung vor wenigen Tagen vorgeschlagen, im Gassektor nach dem Vorbild der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zusammenzuarbeiten. Auf dem Ölmarkt kontrolliert die Opec einen Großteil der weltweiten Produktion. Durch Absprachen bei der Fördermenge können die Opec-Länder den Ölpreis zu ihren Gunsten beeinflussen.

Russland selbst ist nicht Mitglied der Öl-Opec. Bei Erdgas verfügt das Land über 30 Prozent der weltweit bekannten Vorkommen. Die russische Gasförderung macht 20 Prozent der Welt-Produktion aus. Iran hat die zweitgrößten Gasvorkommen der Welt.

Putin versprach gleichzeitig aber auch zuverlässige Energielieferungen an Europa und Asien. Dafür prüfe Russland alternative Transportwege für Gas und Öl. "Wir suchen natürlich nach direkten Lieferwegen", sagte der russische Präsident. "Russland hat seine Verpflichtungen stets erfüllt und will sie auch in Zukunft erfüllen." Dazu strebe es langfristige Verträge mit europäischen Energieunternehmen an, wie der russische Energieriese Gasprom sie bereits mit dem deutschen Chemiekonzern BASF und dem italienischen Unternehmen Eni geschlossen habe.

Russland hatte im Streit mit Weißrussland über höhere Energiepreise und Gebühren für den Transit nach Europa Anfang Januar die Pipeline "Druschba" geschlossen. In Deutschland und anderen europäischen Länder mussten deshalb Raffinerien ihre Produktion herunterfahren. Die Bundesregierung und die EU hatten sich in scharfen Worten bei der russischen Regierung beschwert, auch, weil sie von der Schließung der Pipeline vorab nicht informiert worden waren.

Um unabhängiger von Transitländern zu werden, werde der Export von Öl per Schiff über die Ostsee gesteigert, kündigte Putin an. Die Umschlagkapazität des nördlich von St. Petersburg am Finnischen Meerbusen gelegenen Hafens Primorsk solle um 50 Millionen jährlich ausgebaut werden - das wären dann früheren russischen Angaben zufolge rund 120 Millionen Tonnen Öl, die Russland von dort in den Westen absetzen will. Nach Angaben Putins sollen zudem die Arbeiten am Ölleitungsnetz von Sibirien zur Pazifikküste und nach China verstärkt und die Erweiterung einer Gas-Leitung durch das Schwarze Meer geprüft werden.

wal/AFP/dpa-AFX



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