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KAPITALANLAGE Neues Loch

Der Kölner Kapitalvermittler Amann ist in Schwierigkeiten: Er kann fällige Zahlungen an seine Anleger nicht aufbringen.
aus DER SPIEGEL 14/1981

Wo immer er vor seine Kunden tritt, ob in Stuttgart oder in Leverkusen, in München oder Mainz, überall bekommt Jürgen Amann, 40, neuerdings Ärger: Die Kunden wollen Geld sehen.

Das aber hat Amann, einer der erfolgreichsten Vermittler steuerbegünstigter Kapitalanlagen, zur Zeit nicht in hinreichender Menge. »Wenn Sie nicht mehr zahlen können«, rief ein erboster Anleger ihm in der vergangenen Woche in Mainz zu, »dann melden Sie doch gleich Konkurs an.«

So schlimm sei es doch gar nicht, beruhigte Amann, er habe »nur vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten«.

Doch die Anleger scheinen mit ihrer Geduld am Ende. Hunderte von Amann-Kunden warten schon seit Monaten auf die fälligen Quartalsmieten für die von ihnen finanzierten Immobilien. Manche haben seit über einem Jahr nicht mehr die garantierten Einnahmen erhalten.

Anwalt Werner Klumpe, der ein Dutzend Anleger vertritt, sieht bereits »eine Prozeßlawine auf Amann zurollen«. Der Augsburger Steuerberater Egenolff Suchland hat eine erste Amann-Schutzgemeinschaft organisiert, bei der sich schon über hundert gebeutelte Großanleger gemeldet haben.

Amann (Umsatzvolumen: 1,7 Milliarden Mark) sucht inzwischen seine Anleger hinzuhalten: Allein bei seiner Tochterfirma BVI Betreuungs- und Verwaltungsgesellschaft für Immobilieneigentum gehe die Miete so schleppend ein, daß er vor einem Loch von 2,5 Millionen Mark stehe. Seine Bauherren und Mietkäufer, so schlug der Kölner vor, sollten sich doch noch einmal sechs bis achtzehn Monate gedulden.

Mehr als um Geduld bitten will Amann nicht. Als ihn die verärgerten Bauherren des Wohnungsprojektes Mainz-Finthen am vergangenen Mittwoch aufforderten, die 2,5-Millionen-Lücke mit seinen »privaten Millionen-Provisionen« oder aber mit »einem persönlichen Darlehen« zu schließen, erwiderte der Firmenchef: »Ich will nicht ein neues Loch aufreißen, um ein anderes damit zu stopfen.«

Löcher sind in der Tat genug da. So hatte sich Amann verspekuliert, als er sich an dem maroden Konzern Beton- und Monierbau (BuM) beteiligte. Die Baupleite wurde Amann fast zum Verhängnis, weil er seine BuM-Anteile für insgesamt 35 Millionen Mark auf Pump gekauft hatte.

Um Amann über Wasser zu halten, erließen BuM-Hausbanken, die Westdeutsche Landesbank und die Deutsche Genossenschaftsbank, dem Kölner den Hauptteil seiner Kreditschulden. In einem vertraulichen Vergleichspapier zwangen sie ihn jedoch, »am 31. Januar jedes der Jahre 1980 bis 1984 einen Teilbetrag von 1 060 000 Mark zurückzuzahlen«.

Doch selbst diese Raten scheinen dem Großverdiener schwerzufallen: Die ersten zwei stehen noch immer aus.

Bislang war es Amann, dem »Berater für sichere Kapitalanlagen« (Eigenwerbung) noch immer gelungen, den Schaden zu kaschieren, wenn eine Anlage sich einmal als nicht so sicher herausgestellt hatte. In Israel bohrte Amann vergeblich nach Öl, an Spaniens Sonnenküste scheiterte er mit einem Hotel-Komplex -- seinen am stärksten geprellten Kunden bot er jedesmal großzügige Vergleichszahlungen an.

»Das Ausbügeln meiner Fehler«, so verriet Amann im Freundeskreis, »hat mich in all den Jahren rund 17 Millionen Mark gekostet.«

Und immer wieder wußte Amann seine Kunden durch publikumswirksame Aktionen zu gewinnen. So ließ er sich beispielsweise als Veranstalter international besetzter Hallentennis-Turniere feiern.

Verkaufsfördernd wirkte sich die Turniermasche des Kölners, der zweimal wöchentlich mit Jungstars und Profis trainiert, vor allem auf sein Mietkauf-Geschäft aus. Nach diesem Finanzierungsmodell konnten selbst kapitalschwache Lohnsteuerzahler bei Amann Wohnungen und Reihenhäuser auf fünf Jahre fest mieten, ehe sie selbst das Eigentum an der Immobilie erwarben: Die Mieten wurden angerechnet. Bis dahin gehörten die Objekte zuvor angeworbenen Bauherren, die mit hohen Steuervorteilen gelockt wurden.

Diese Bauherren sollten während der Bau- und Mietzeit alle Aufwendungen wie Zinsen, Architektenhonorare und Verwaltungskosten steuermindernd absetzen können. Amann brachte so in fünf Jahren Objekte für über eine Milliarde Mark an den Mann.

Doch inzwischen geht auch hier die Rechnung nicht mehr auf. Im Herbst 1979 beschlossen die Einkommensteuerreferenten aller Bundesländer in Absprache mit Bonn, das Mietkauf-Modell nicht mehr anzuerkennen.

Die Geldgeber, so monierten die Steuerexperten, seien gar keine richtigen Bauherren, weil sie vorwiegend an den Steuervorteilen und am späteren Veräußerungsgewinn interessiert seien. Werbungskosten, die den Anlegern die erstrebten steuermindernden Verlustzuweisungen bringen, dürften demnach nicht anerkannt werden.

Ohne Steuervorteile aber lohnt die Anlage nicht. »Damit wird jedes Haus ein wahnsinniges Verlustgeschäft«, klagt Amann-Kunde Wolfgang Weiss.

Für den Kölner Kapitalvermittler wird die Situation dadurch bedrohlich. Inzwischen muß er sich von den Anwälten verbitterter Kunden auch fragen lassen, warum er die steuerlichen Bedenken seiner Betriebsprüfer jahrelang verschwieg.

Für Anwalt Klumpe ist der Fall längst völlig klar: »Schon seit 1976«, formulierte er schön bildhaft, »machte Amann eine Gratwanderung auf dem Rücken der Anleger.«

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