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18. Februar 2009, 15:49 Uhr

Neues Rettungspaket

Obama will Hausbesitzern mit 75 Milliarden Dollar helfen

US-Präsident Obama stockt das geplante Hilfsprogramm für bedrohte Hausbesitzer auf. Mit einem 75-Milliarden-Dollar-Programm sollen sie vor Zwangsversteigerungen gerettet werden - Millionen Bürger hatten darauf gehofft.

Phoenix - 75 Milliarden Dollar schwer ist das Rettungspaket der US-Regierung gegen Zwangsversteigerungen. Das Paket, das Obama zufolge verhindern soll, dass Millionen Bürgern die Hypotheken gekündigt werden, ist damit ambitionierter als Experten bislang angenommen hatten.

Krisenmanager Obama: Ambitionierte Rettungsaktion für Hausbesitzer
DPA

Krisenmanager Obama: Ambitionierte Rettungsaktion für Hausbesitzer

In einer am Mittwoch veröffentlichten Zusammenfassung des Pakets ist von neun Millionen Familien die Rede, denen eine Zwangsversteigerung erspart werden solle. Bis zu fünf Millionen "verantwortungsbewusste Hausbesitzer" sollen bei einer Refinanzierung ihrer Hypotheken unterstützt werden. Weitere bis zu vier Millionen sollen Zuschüsse zu ihren monatlichen Zahlungen erhalten.

Zudem sollen die Hypotheken-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac gestärkt werden. Die staatlichen Finanzhilfen würden auf jeweils 200 Milliarden Dollar verdoppelt, teilte Finanzminister Tim Geithner mit. Die neuerliche Finanzspritze solle den Immobilienmarkt stärken, Kredite zugänglich machen und Zinsen niedrig halten, hieß es in einer Erklärung. Fannie Mae und Freddie Mac sind die beiden größten Baufinanzierer der USA. Im vergangenen September hatte die US-Regierung sie unter ihre Kontrolle gestellt, um einen Kollaps zu verhindern.

Details zur Rettungsaktion will Obama gegen 19.15 Uhr ( MEZ) in Phoenix, der Hauptstadt des Staates Arizona, der besonders stark betroffen ist, nennen. Es müsse alles getan werden, damit verantwortungsbewusste Hausbesitzer in ihren Häusern bleiben könnten, erklärte der US-Präsident schon am Dienstag. Das Rettungspaket muss vom Kongress verabschiedet werden.

Die Veröffentlichung des Entwurfs gab den Aktien in Europa und den USA Auftrieb. Der Dow Jones drehte in den ersten Handelsminuten ins Plus, auch der breiter gefasste S&P-500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq gewannen an Wert. Auch der Dax erholte sich und liegt am Nachmittag leicht im Plus. Am Dienstag hatten Ängste vor einer Verschärfung der Wirtschaftsprobleme die Indizes noch tief ins Minus gedrückt.

Nach einer Schätzung von Credit Suisse könnten 8,1 Millionen US-Haushalte bis 2012 vor der Zwangsvollstreckung stehen. Das wären 16 Prozent der Haushalte mit Hypotheken. Die Probleme auf dem US-Hypothekenmarkt waren einer der Auslöser für die weltweite Finanzkrise.

Die Krise am US-Immobilienmarkt hat sich zu Jahresbeginn sogar noch verschärft. Die Zahl der Wohnbaubeginne fiel im Januar auf ein Rekordtief, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Sie sank um 16,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf eine auf das Jahr hochgerechnete Rate von 466.000. Das war der niedrigste Wert seit Einführung der Statistik 1959. Im Vergleich zum Januar 2008 brachen die Baubeginne sogar um 56,2 Prozent ein. Analysten hatten mit 530.000 gerechnet. Im Dezember waren es noch 560.000 Wohnneubeginne.

Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht, denn die Zahl der Baugenehmigungen für Eigenheime fiel ebenfalls auf ein Rekordtief. Sie nahm um 4,8 Prozent auf 521.000 ab. "Das sind schreckliche Zahlen", sagte Analyst Matt Esteve von Tempus Consulting. "Ein Ende der Talsohle für die US-Wirtschaft ist derzeit nicht in Sicht."

ssu/AFP/AP/Reuters

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