Neues Stadtwerk Hamburg attackiert Vattenfall mit Öko-Strom

Neue Konkurrenz für Vattenfall: Nach sieben Jahren Abstinenz kehrt die Hansestadt Hamburg ins Stromgeschäft zurück - und versucht, dem Energieriesen mit klimafreundlicher Elektrizität Kunden abzutrotzen. Auch in anderen deutschen Städten steigen die Kommunen wieder ins Versorger-Geschäft ein.

Hamburg/Berlin - Sieben Jahre ist es her, dass die Stadt Hamburg ihren eigenen städtischen Stromversorger verkauft hat - jetzt macht sich die Stadt doch wieder unabhängig von privaten Versorgern: Mit einem neuen eigenen Stadtwerk will die Hansestadt in Konkurrenz zum Energieriesen Vattenfall treten.

Der Aufsichtsrat der Hamburger Wasserwerke beschloss am Montag offiziell die Gründung des Unternehmens Hamburg Energie. Das Stadtwerk soll die Hansestadt und die umliegenden Gemeinden ab Spätsommer oder Herbst mit klimafreundlicher Energie versorgen. "Mit Hamburg Energie schaffen wir die Voraussetzung für eine zukunftsfähige und nachhaltige Energieversorgung in der Hansestadt", erklärte Umweltsenatorin Anja Hajduk (Grüne).

Geplant ist den Angaben zufolge zunächst ein Stromangebot. Hamburg Energie will dafür "zügig in der Stadt und der Region" eigene umweltfreundliche Erzeugungsanlagen aufbauen. Der Strom des neuen Stadtwerks soll in Zukunft im Wesentlichen aus den vergleichsweise umweltfreundlichen Kraftwärmekopplungs-Anlagen in Hamburg und Umgebung und aus erneuerbaren Energien wie Windkraft stammen. Außerdem will Hamburg Energie Strom aus überregionalen umweltfreundlichen Quellen zukaufen - vorwiegend aus Wasserkraft und Gaskraftwerken.

Die Öko-Strom-Initiative von Hamburg Energie hat Energieexperten zufolge einen wettbewerbstechnischen Grund. Die Stadt Hamburg muss als Versorger künftig direkt mit einem großen Energiekonzern konkurrieren - und zu diesem eine echte Alternative bieten.

Hamburg hatte seine Hamburgischen Electricitäts-Werke 2002 verkauft. Den Stromversorger übernahm damals der Energieriese Vattenfall. Wie viele andere Kommunen bereute der Stadtstaat im Nachhinein diesen Schritt - und macht ihn nun rückgängig.

Renaissance der Stadtwerke

Die Rückkehr zum städtischen Stadtwerk hat nicht nur in Hamburg Hochkonjunktur. Auch in anderen deutschen Staädten steigen die Kommunen wieder in die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser ein - weil die Auslagerung an die großen Energiekonzerne weder den Gemeinden noch den Verbrauchern einen Vorteil gebracht hat.

So gründeten sieben Gemeinden am Bodensee den staatlichen Stromversorger Bodensee Regionalwerk. Auch Mülheim, Paderborn und viele andere Kommunen haben Stadtwerke gegründet oder planen dies. Der größte deutsche Energiekonzern E.on prüft derzeit den Verkauf seiner Tochter Thüga, die Beteiligungen an 120 kommunalen Versorgern hält. Interessiert ist eine Gruppe von Stadtwerken.

Nach der Liberalisierung des Strommarkts im Jahr 1998 waren hunderte Stadtwerke in Deutschland nach und nach an die großen Stromkonzerne gefallen - oft, weil die Kommunen Geld brauchten. "Da wurde in vielen Fällen in einer schwierigen Situation das Tafelsilber verscherbelt", sagt Energieexperte Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken.

Trend zur Rekommunalisierung

Die sogenannte Rekommunalisierung städtischer Kraftwerke ist allerdings keine einfache Rückkehr zu den Wurzeln. "Die Stadtwerke stehen heute viel mehr im Wettbewerb", sagt Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Der Trend geht daher zu größeren Kooperationen und Netzwerken.

Für den Verbraucher rentiert sich die Rekommunalisierung allerdings kaum. "Die Preise bei den Stadtwerken sind in etwa genauso hoch wie bei den großen Konzernen", sagt Leprich. Dies könne sich nur ändern, wenn es mehr Wettbewerb bei der Stromerzeugung gebe.

Eine weitere Erwartung wird zumindest manchmal erfüllt - dass sich Stadtwerke sich in der Region für umweltfreundlichen Strom einsetzen. Hier komme es auf das Management an, sagt Energieexperte Leprich. Oft geschehe in dieser Hinsicht nichts. Vorbildliche Stadtwerke wie jene Schwäbisch-Hall wiederum produzierten einen großen Teil ihres Stroms aus - oft erneuerbaren - Quellen der Region.

ssu/AFP
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