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17. August 2007, 15:54 Uhr

Neues Standbein

Voith an Airbus-Werken interessiert

Für die Beschäftigten der Airbus-Fabriken, die im Rahmen des Sanierungsprogramms "Power 8" zum Verkauf stehen, hat die Zeit der Unsicherheit womöglich bald ein Ende. Der schwäbische Maschinenbaukonzern Voith ist Branchenkreisen zufolge an der Übernahme dreier Werke interessiert.

Heidenheim - Im Fokus stehen die Standorte Varel, Nordenham (beide Niedersachsen) und Augsburg. Das Werk Laupheim in Baden-Württemberg soll dagegen nicht für eine Übernahme in Frage kommen, bestätigten die Kreise einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Airbus-Montagehalle in Hamburg: Interessentenliste für vier Werke wird länger
DPA

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Im Maschinen- und Anlagenbau sowie bei der Produktion großer Werkstücke habe der Hersteller von Papiermaschinen, Turbinen für Wasserkraftwerke und von Turboladern lange Erfahrung, hieß es. Dank einer soliden Finanzlage bringe Voith den nötigen langen Atem mit. Auch die "Financial Times" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise vom Interesse von Voith.

Airbus will sich im Zuge seines laufenden Sanierungsprogramms "Power8" von mehreren Werken trennen. Die Mutter EADS selbst hat eine Verbundlösung ins Gespräch gebracht, wonach Nordenham, Varel und Augsburg gemeinsam unter einer neuen Eigentümerstruktur arbeiten könnten. Damit ließe sich ein starker Flugzeugkomponentenhersteller schaffen, der sich um Airbus-Aufträge, beispielsweise für das neue Langstreckenflugzeug A350XWB, bewerben könnte.

Besonders die Verbundidee werde bei Voith mit Interesse beobachtet, hieß es aus den Kreisen. So könnte sich der Konzern neben seinen bisherigen vier Konzernbereichen mit dem Vorstoß in die Luftfahrtindustrie ein fünftes Standbein schaffen. "Voith kann großvolumige, komplexe High-Tech-Anlagen erstellen. Ein Flugzeug ist im Prinzip nichts anderes", sagte ein Branchenkenner. Interessant sei vor allem der Bereich leichter Kohlefaser-Verbundwerkstoffe, die zunehmend beim Bau von Flugzeugen zum Einsatz kommen.

Die Voith AG befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz. Das Unternehmen hat sich unter anderem auf Anlagen zur Papierherstellung, Busgetriebe, Antriebssysteme für Züge und Ausrüstungen für Wasserkraftwerke spezialisiert. Im vergangenen Geschäftsjahr 2005/06 hatte Voith bei Umsätzen in Höhe von 3,739 Milliarden Euro einen Überschuss von 246 Millionen Euro erwirtschaftet.

Ein EADS-Sprecher wollte die Meldungen nicht kommentieren. Er verwies aber auf frühere Äußerungen von Konzernchef Louis Gallois, wonach Airbus voraussichtlich bis Ende September eine Vorauswahl für einen engeren Bieterkreis treffen will. Eine Entscheidung darüber, wer den Zuschlag für die Werke erhält, dürfte bis Ende des Jahres fallen. Als Interessenten an den deutschen Werken werden unter anderem das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology und seine Augsburger Tochter MT Aerospace, das amerikanische Luftfahrtunternehmen Spirit Aerospace sowie der niederländische Flugzeugbauer Stork Fokker gehandelt.

mik/dpa-AFX/Reuters

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