Neues Standbein Voith an Airbus-Werken interessiert

Für die Beschäftigten der Airbus-Fabriken, die im Rahmen des Sanierungsprogramms "Power 8" zum Verkauf stehen, hat die Zeit der Unsicherheit womöglich bald ein Ende. Der schwäbische Maschinenbaukonzern Voith ist Branchenkreisen zufolge an der Übernahme dreier Werke interessiert.


Heidenheim - Im Fokus stehen die Standorte Varel, Nordenham (beide Niedersachsen) und Augsburg. Das Werk Laupheim in Baden-Württemberg soll dagegen nicht für eine Übernahme in Frage kommen, bestätigten die Kreise einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Airbus-Montagehalle in Hamburg: Interessentenliste für vier Werke wird länger
DPA

Airbus-Montagehalle in Hamburg: Interessentenliste für vier Werke wird länger

Im Maschinen- und Anlagenbau sowie bei der Produktion großer Werkstücke habe der Hersteller von Papiermaschinen, Turbinen für Wasserkraftwerke und von Turboladern lange Erfahrung, hieß es. Dank einer soliden Finanzlage bringe Voith den nötigen langen Atem mit. Auch die "Financial Times" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise vom Interesse von Voith.

Airbus will sich im Zuge seines laufenden Sanierungsprogramms "Power8" von mehreren Werken trennen. Die Mutter EADS selbst hat eine Verbundlösung ins Gespräch gebracht, wonach Nordenham, Varel und Augsburg gemeinsam unter einer neuen Eigentümerstruktur arbeiten könnten. Damit ließe sich ein starker Flugzeugkomponentenhersteller schaffen, der sich um Airbus-Aufträge, beispielsweise für das neue Langstreckenflugzeug A350XWB, bewerben könnte.

Besonders die Verbundidee werde bei Voith mit Interesse beobachtet, hieß es aus den Kreisen. So könnte sich der Konzern neben seinen bisherigen vier Konzernbereichen mit dem Vorstoß in die Luftfahrtindustrie ein fünftes Standbein schaffen. "Voith kann großvolumige, komplexe High-Tech-Anlagen erstellen. Ein Flugzeug ist im Prinzip nichts anderes", sagte ein Branchenkenner. Interessant sei vor allem der Bereich leichter Kohlefaser-Verbundwerkstoffe, die zunehmend beim Bau von Flugzeugen zum Einsatz kommen.

Die Voith AG befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz. Das Unternehmen hat sich unter anderem auf Anlagen zur Papierherstellung, Busgetriebe, Antriebssysteme für Züge und Ausrüstungen für Wasserkraftwerke spezialisiert. Im vergangenen Geschäftsjahr 2005/06 hatte Voith bei Umsätzen in Höhe von 3,739 Milliarden Euro einen Überschuss von 246 Millionen Euro erwirtschaftet.

Ein EADS-Sprecher wollte die Meldungen nicht kommentieren. Er verwies aber auf frühere Äußerungen von Konzernchef Louis Gallois, wonach Airbus voraussichtlich bis Ende September eine Vorauswahl für einen engeren Bieterkreis treffen will. Eine Entscheidung darüber, wer den Zuschlag für die Werke erhält, dürfte bis Ende des Jahres fallen. Als Interessenten an den deutschen Werken werden unter anderem das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology und seine Augsburger Tochter MT Aerospace, das amerikanische Luftfahrtunternehmen Spirit Aerospace sowie der niederländische Flugzeugbauer Stork Fokker gehandelt.

mik/dpa-AFX/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 772 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
5mark, 28.02.2007
1.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind.
jocurt, 28.02.2007
2. Es wohl ein ziemlicher Gipfel an Unverfrohrenheit...
---Zitat von 5mark--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind. ---Zitatende--- das ich dem Spiegel Post entnehmen darf, dass auch eine èbergabe an das Management anstehen kann: " Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken. Für den Standort Nordenham (ebenfalls Niedersachsen) sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften". Für diese Standorte gebe es bereits "unaufgefordert Angebote möglicher Investoren". " Das heisst ja, erst abzocken, Karre in den Dreck fahren und die Reste gewinnbringend als MBO übernehmen. Nimmt ein Mitarbeiter eine Schraube mit, wird er wegen Diebstahl entlassen. wie nennt man das aber jetzt?
Mathesar 28.02.2007
3.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Wie so häufig zeigt sich auch bei Airbus mal wieder: Wenn man etwas wirklich gegen die Wand fahren will, muß man nur die Politik mitspielen lassen. Airbus ist dafür ein profundes Beispiel.
medienquadrat, 28.02.2007
4. wie soll das denn funktionieren?
Vielleicht kann mir das endlich jemand erklären, wieso 10.000 entlassen werden sollen? Haben die ansonsten immer herumgesessen und blöd in die Gegend gestiert? Wer soll denn deren Arbeit machen? Oder haben die nichts mehr zu tun, keine Aufträge mehr, oder werden die Flugzeuge von selbst fertig, setzen sich selbsttätig zusammen? Ist das denn etwa demnächst so, dass die Flieger notdürftig zusammengekloppt ausgeliefert werden? Muss man sich Sorgen machen, um die Flugsicherheit?
AttilaR, 28.02.2007
5. Faire Verteilung
Das Management hat versagt; Verkabelungsprobleme. So hieß es. Die Auslieferungen klappten nicht . Krise. Die Folgen. Krise. Es werden ca. 10.000 oder doch nur "8.5oo" Arbeiter entlassen? Das Management wird aufgrund des beherzten Durchgreifens be- fördert und/oder bekommt Prämien. Vielleicht als Krönung eine MBO. Und die Politik? Die Politik labert von "gerechter Lastenverteilung!! Attila Keiner ist so schwer zu überzeugen, als einer, der dafür bezahhlt wird, die Sache nicht zu verstehen. (Nach einen amerikanischen Schriftsteller.)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.