Neues Übernahme-Modell Continental könnte bald Schaeffler führen

Der Zusammenschluss von Continental und Schaeffler findet womöglich unter völlig neuem Vorzeichen statt. Laut "FAZ" könnte Conti die operative Führung in der Allianz übernehmen - die bisherigen Pläne würden damit auf den Kopf gestellt. Banken und Politik stehen offenbar hinter dem Konzept.


Frankfurt am Main - Ein neuer, großer Autozulieferer - das war das Ziel, als das fränkische Familienunternehmen Schaeffler im vergangenen Sommer den Dax-Konzern Continental Chart zeigen übernahm. Damals schien klar, wer Koch und wer Kellner ist. Doch jetzt, mitten in der Wirtschaftskrise, sieht die Lage anders aus.

Schaeffler-Produkt (2001): Der Gesamtkonzern hätte mehr als 200.000 Beschäftigte
AP

Schaeffler-Produkt (2001): Der Gesamtkonzern hätte mehr als 200.000 Beschäftigte

Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" ("FAZ") wird intensiv darüber diskutiert, dass der Zusammenschluss der beiden Konzerne unter der operativen Führung von Continental stattfinden solle. Dies wäre das glatte Gegenteil der bisherigen Pläne.

Sowohl die Kredit gebenden Banken als auch die Politik favorisierten diese neue Lösung, berichtet die "FAZ". Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wollte sich am Rande der Hauptversammlung von Volkswagen Chart zeigen am Donnerstag nicht konkret zu den Gerüchten äußern. Er ließ aber durchblicken, dass die Variante "nachvollziehbar" sei.

Der Gesamtkonzern aus Conti und Schaeffler hätte gut 33 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 200.000 Beschäftigte. Dem Zeitungsbericht zufolge bliebe das Unternehmen börsennotiert. Auch Conti ist bisher an der Börse gelistet, Schaeffler hingegen nicht.

Die Familie Schaeffler, die sich bei der Conti-Übernahme finanziell übernommen hat, könnte als Ankeraktionär engagiert bleiben. Die Banken würden Kredite in eine direkte Beteiligung an dem Konzern umwandeln und könnten auf eine Wertsteigerung ihres Engagements in der Zukunft hoffen.

Ein Vorteil dieser Lösung wäre, dass von den Hilfen durch Banken, Bund und Land Niedersachsen nicht die Unternehmerfamilie Schaeffler, sondern ein neuer großer Gesamtkonzern Conti/Schaeffler profitieren würde. Beide Unternehmen sind zusammen mit mehr als 20 Milliarden Euro verschuldet.

Schaeffler dementiert, Conti schweigt

Schaeffler wies den Bericht zurück. Die Gerüchte sollten offensichtlich für Unfrieden zwischen Schaeffler und Conti sorgen, erklärte Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck. Continental wiederum schweigt zu dem Bericht. "Wir haben auf der Hauptversammlung angekündigt, binnen hundert Tagen ein Unternehmenskonzept vorzulegen", erklärte Conti-Sprecher Hannes Boekhoff lediglich.

Schon in einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" hatte es geheißen, die Kreditgeber hätten inzwischen eingesehen, dass eine Rettung von Schaeffler und Continental ohne Abschreibungen auf ihre Forderungen nicht funktioniere. Die Politik habe sich festgelegt, nur Bürgschaften zu gewähren und sich nicht direkt an den betroffenen Unternehmen zu beteiligen.

Conti-Chef Karl-Thomas Neumann sagte auf der Hauptversammlung seines Unternehmens am Donnerstag: "Leider ist auch heute noch nicht klar, in welcher Konstellation die Continental AG und die Schaeffler Gruppe künftig kooperieren werden." Es fehle ein Gesamtkonzept. Dieses wolle er innerhalb von maximal 100 Tagen vorlegen. Dann werde geklärt, ob Conti die Gummisparte abstoßen werde oder nicht.

Die Ankündigung kann man aber auch in Bezug auf die Fusionspläne mit Schaeffler verstehen. "Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ist machbar", sagte Neumann. Am Rande der Hauptversammlung kam es zu turbulenten Protesten von Conti-Mitarbeitern.

Conti und Schaeffler befinden sich damit in einer ähnlichen Situation wie Volkswagen und Porsche Chart zeigen. Auch hier hat das kleinere Unternehmen versucht, das größere zu übernehmen. Mittlerweile hat Porsche jedoch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Am Donnerstag kam daher die Frage auf, ob nun Volkswagen seinerseits bei Porsche einsteigt - und damit die Führung übernimmt.

wal/dpa-AFX



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