Nevada Entdecker-Industrie im Goldfieber

Eigentlich ist die Goldgräberregion in Nevada nicht mehr als eine Gott verlassene Gegend, mit Geisterstädten und sporadisch öffnenden Saloons. Jetzt treibt der hohe Goldpreis wieder Abenteurer wie Bob Bottom in die Gegend - sie kommen mit Geologen-Hightech und vielen Millionen Dollar.

Aus Manhattan, Nevada, berichtet


Ein Besuch in Manhattan im US-Bundesstaat Nevada ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Am Straßenrand stehen rostende Gerätschaften, die Goldgräber schon vor vielen Jahrzehnten zurückgelassen haben. Die Holzhütten sind verfallen. 3000 Menschen lebten einst in dem auf 2500 Meter Höhe gelegenen Ort, inmitten schneebedeckter Berge. Vor hundert Jahren, als Amerikas Westen seinen großen Goldboom erlebte, war keine Gegend zu unwirtlich, wenn sie schnellen Reichtum versprach.

Heute ist Manhattan so gut wie ausgestorben. In den Miners's Saloon verirrt sich kaum noch ein Mensch. Bob Bottom, 66, ist einer der letzten Bewohner des Örtchens im Bundesstaat Nevada. Grauer Bart, windzerfurchtes Gesicht und Holzfällerhemd: ein Mann aus einer anderen Zeit. Schon mit 18 hat er sich seine ersten Schürfrechte gesichert. Und noch heute geht er jeden Tag in seine Grube, die kaum größer ist als der Keller eines Einfamilienhauses, und gräbt nach Gold – wenn der Boden nicht gefroren ist.

Dann schaufelt er mit seinem kleinen Bagger täglich 60 bis 90 Tonnen Erdreich um, füllt den Dreck in eine waschmaschinenartige Trommel und schüttelt alles solange, bis unten kleine Goldkörner in eine Wanne fallen. Wenn er Glück hat. "Es gibt gute Tage und schlechte", sagt Bottom, manchmal findet er gar nichts, manchmal landet er einen großen Treffer und bringt über 400 Gramm nach Hause.

Es ist ein harter Job, großen Reichtum hat er offensichtlich schon lange nicht mehr gebracht, Garage und Arbeitszimmer der Ein-Mann-Firma "Bob Bottom, Inc." wirken wie eine Autowerkstatt der billigsten Sorte. Doch seit einiger Zeit sprechen Abgesandte von Weltkonzernen in Bottoms mit Landkarten und Aktenschränken vollgestopften Geisterstadt-Büro vor. Sie sind an den Schürfrechten des alten Goldgräbers interessiert.

Drei Plastikdosen mit Gold für 100.000 Dollar

Man muss Bottom nicht lange nach seinen Schätzen fragen, schon beugt er sich umständlich unter seinen Schreibtisch und öffnet den dort versteckten Safe und holt die Produktion des vergangenen Sommers hervor: drei kleine Plastikdosen voll glänzender Krümel und ein Haufen in winzige Formen gegossenes Gold.

Der Wert seines Safe-Inhalts steigt seit Monaten unaufhaltsam. "Das hier bringt jetzt schon 100.000 Dollar", sagt Bottom mit stolzem Lächeln auf dem Gesicht. Spätestens in diesem Sommer will er verkaufen, die Preise können schließlich nicht ewig steigen. "Langsam werde ich nervös", sagt Bottom.

Mit solcher Aufmerksamkeit hat der Goldgräber den Goldmarkt schon lange nicht mehr verfolgt. Erst Ende der neunziger Jahre hatten sie in Nevada etliche Minen stillgelegt, die New Economy boomte, Gold war ein langweiliges Metall, seine Förderung lohnte sich nicht mehr. Dann platzte die Dot.com-Blase, al-Qaida brachte die Zwillingstürme des World Trade Centers zu Fall - und Händler begannen, auf Gold zu setzen, den sicheren Hafen in der Not.

Das war der Beginn des neuen Goldrauschs von Nevada. Seither ziehen wieder Abenteurer durch den zweitgrößten Staat der USA, in dem einer der größte Goldreserven der Welt vermutet wird. Startpunkt für viele ist der Laden RollingRock im Wüstenort Elko. Hier gibt es die gleiche Grundausstattung, wie sie auch Goldgräber im 19. Jahrhundert benutzten, Spitzhacke, Hammer, Sieb und Pfanne zum Waschen des Gerölls.

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