New Yorks Skyline Finanzkrise stoppt die Himmelsstürmer

Manhattans Architekturboom geht zu Ende, die Wall-Street-Krise stoppt die ebenso üppigen wie kostenträchtigen Bauprojekte. Ob Daniel Libeskind, Norman Foster oder Frank Gehry: Die spektakulären Skyline-Träume der Stararchitekten drohen zu platzen.

Von , New York


New York - Von der Straße können Passanten kaum erkennen, dass hier einmal die wohl eindrucksvollste Erweiterung der New Yorker Skyline entstehen sollte. Bretterzäune versperren den Blick auf die Baustelle in Lower Manhattan. Dahinter: Ein paar halbfertige Etagen, überragt vom Rohbaugerüst eines Stahlturms, flankiert von schmalen Kränen.

Der Beekman Tower zwischen der City Hall und der Brooklyn Bridge ist das erste New Yorker Großprojekt des US-Stararchitekten Frank Gehry, das tatsächlich auch gebaut wird. Schon mehrfach war der Schöpfer des Guggenheim-Museums in Bilbao hier mit ambitionierten Plänen gescheitert. Dieser moderne Wohnturm ist die letzte Chance des 80-Jährigen, in Manhattan ein Zeichen zu setzen.

Und was für eines: 76 Etagen aus Glas, Stahl und Titan, die sich nicht schnurgerade in die Höhe recken, sondern - typisch Gehry - wie eine geknüllte, lange Tüte. Mit 270 Metern doppelt so hoch wie die meisten Gebäude an Manhattans Südspitze, sollte der Tower das erste Bauwahrzeichen werden seit den Terroranschlägen des 11. September 2001.

Leider kommt nun die Finanzkrise dazwischen. Nachdem der Rohbau kürzlich 38 Etagen erreicht hatte - also die Hälfte der geplanten Höhe - wuchs er auf einmal nicht mehr weiter.

Projekte für fünf Milliarden Dollar gestoppt

"Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage", sagt Joyce Baumgarten, die Sprecherin des federführenden Immobilienkonzerns Forest City Ratner, "überprüfen wir Möglichkeiten, bei dem Projekt zu sparen." Die Bauarbeiten gingen zwar weiter, doch auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nennt Baumgarten in diesem Zusammenhang ausdrücklich nur eine Schule und eine Klinik - beide firmieren in den bereits hochgezogenen Geschossen. Auch ein Mitglied des Planungsteams weicht der eigentlich banalen Frage nach der endgültigen Höhe des Turmes aus: "Dazu äußere ich mich nicht."

Gehrys - wahrscheinlich gestutzte - Vision ist nicht der einzige Architekturtraum, der wegen der Rezession und der Wall-Street-Krise platzt oder platzen könnte. In Midtown Manhattan zum Beispiel hatte der französische Architekt Jean Nouvel den Tower Verre geplant, ein 75-stöckiges, 351 Meter hohes Monstrum aus Stahl mit einem Hotel, Apartments und Galerien für das benachbarte Museum of Modern Art. Doch auch dieses Projekt ist nun "unbefristet verschoben".

Die Pläne vieler Himmelsstürmer für die bekannteste Skyline der Welt werden derzeit verringert, verzögert, verbilligt, vertagt - oder ganz gestrichen. Seit Ende 2008 fielen nach Berechnung der Baugewerkschaft BTEA mindestens 30 New Yorker Großbauvorhaben im Wert von fünf Milliarden Dollar der Finanzkrise zum Opfer.

"Die verschwundene Skyline"

Selbst Top-Namen der Architekturszene bleiben nicht verschont: Richard Meier, David Childs, Robert Stern, Norman Foster, das Architektenbüro KPF. Sie alle kämpfen mit den Folgen der Krise und müssen Opfer bringen.

Der New Yorker Immobilien-Blog "Curbed" führt eine Liste mit inzwischen einem Dutzend schlagzeilenträchtiger Vorhaben, die auf die lange Bank geschoben sind. Ominöser Titel: "Die verschwundene Skyline."

Die Vier-Milliarden-Dollar-Türme von Meiers, Childs und anderen am East River etwa sind zwar genehmigt, werden nun aber gestutzt. Sterns Four-Seasons-Hotel am Park Place ist offiziell im Bau. Aber ein Insider steckte der "New York Post", das Projekt sei "alles andere als sicher". "Tower Five" von KPF am Ground Zero kommt ebenfalls nicht voran. Das alte Deutsche-Bank-Haus dort ist immer noch nicht ganz abgerissen, und der Bauherr, die angeschlagene Bank JP Morgan Chase, will nun lieber nach Midtown ziehen - wo es für sie billiger ist.

Geldmangel ist meist der Hauptgrund für die Probleme. Die Fertigstellung des Beekman Towers soll 680 Millionen Dollar kosten. Sprecherin Baumgarten beharrt, die Finanzierung sei "sicher". Doch in seiner letzten Jahresbilanz vermeldet Forest City, man suche neue Investoren für das Projekt, um Anleihen über 440 Millionen Dollar zu decken. Im vorigen Jahr schrieb der Konzern mehr als 112 Millionen Dollar Verlust. Eine solide Finanzbasis sieht anders aus.



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