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Unternehmen Nicht rumquaken

Das Frankfurter Kosmetikunternehmen Mouson wird verkauft. Die 1798 gegründete Firma »Mit der Postkutsche« verpaßte am Schönheitsmarkt den Anschluß.
aus DER SPIEGEL 42/1972

Geduldiges Warten auf bessere Zeiten«, dozierte Dr. Walter Hain, 51, geschäftsführender Gesellschafter der Frankfurter Kosmetikfirma Mouson, »wäre der Anfang vom sicheren Ende der mittelständischen Industrie.« Hain handelte deshalb. »zutiefst überzeugt von der Existenzfähigkeit mittelständischer Unternehmen«, ohne Verzug: Er trug das traditionsreiche Familienunternehmen dem Quandt-Konzern an.

Indes, der Ausverkauf war bereits in vollem Gang. Von dem Mouson-Manager, der vor drei Jahren »neue Maßstäbe auf dem Kosmetikmarkt« verhieß, erwarb der bayrische Baulöwe Otto Schnitzenbaumer (Holiday Inn, Schwabylon) inzwischen »für mehr als 20 Millionen Mark« das Mouson-Grundstück in der Frankfurter City. Das Werksgelände war entbehrlich: Mouson produziert mit der Dreiturm-Seifenfabrik im hessischen Steinau künftig gemeinsam.

Mit »starker Hand«, so hatte Hain 1969 kundgetan, werde er Mousons »Postkutsche«, die sich nicht mehr vom Fleck rührte, über den Berg ziehen. Aber das angejahrte Vehikel geriet schneller in Fahrt, als dem neuen Fuhrmann lieb war -- talwärts.

Creme Mouson -- »der direkte Weg zur Schönheit« -- nächst Nivea immer noch die meistverriebene Hautcreme -- und Lavendelwasser waren Hain zu simpel. So entwickelte er eine Fülle neuer Produkte für zumeist längst besetzte Märkte, wie »Black Jack«, die zu spät kreierte Herrenserie« oder »Aqua Magica«, das zu teure Badeprogramm. Mit 33 Prozent trug Helene-Curtis-Haarkosmetik in US-Lizenz noch am meisten zum Umsatz bei; Mouson-Intimsprays hingegen, Hains heiße Hoffnung, nur wenig mehr als ein Prozent.

Der vierköpfige Mouson-Familienclan, mit neun Millionen Mark Geschäftseinlage dabei, harrte des von Hain verordneten »kräftigen Wachstums« derweil vergebens. Zügig waren die Mouson-Umsätze in nur zwei Jahren von 55 auf 43,3 Millionen Mark verkümmert, und weitere Erlöseinbußen von sieben Millionen Mark kamen Ende letzten Jahres in Sicht -- da sprangen die Mouson-Erben ab.

Hans A. Mouson, 27, letzter Namensträger des Clans, der in München dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und dem Maklergewerbe obliegt, spendierte den Verwandten eine zweistellige Millionen-Abfindung. Manager Hain wurde Mitgesellschafter. Seitdem sucht Walter Hain für sein Unternehmen (alter Werbeslogan: »Wer sich Mouson anvertraut, fühlt sich wohl in seiner- Haut") nach finanzkräftigen Partnern besonderer Art, denn -- so stellte sich Hain die Entwicklung vor: »Der unternehmenspolitische Kurs beruht auf dem festen Willen zur Selbständigkeit.«

Mouson benötige nur »eine international anerkannte Marke als Imagelokomotive« und zusätzliche zehn Millionen Mark Umsatz, um wieder in die Gewinnzone zu gelangen, machte Hain bekannt, und im gewohnten Bombast: »Mouson verfügt über ein Management, das befähigt ist, das Unternehmen nach modernen Führungsmethoden erfolgreich zu leiten.«

Damit hatte Hain wenig Fortüne. Die Farbwerke Uoechst, mit Schwarzkopf, Wolff ("Kaloderma"), Pino, Marbert und Curta ("Jade") einer der Branchen-Großen, winkte bei Hain-Avancen müde ab. Und potente Briten und Amerikaner (Hain: »Die sind ganz närrisch drauf") öffneten die Bücher und schlossen das Portemonnaie.

So mußte Hain ("Ich will Mouson nicht meistbietend versteigern") sein unternehmerisches Konzept ändern: Er veräußerte Grundstücke, verhandelte mit dem Discount-Lieferanten Dreiturm -- »überall halbbeschäftigte Fabriken« -- über eine Fusion, und schließlich ward ihm das Quandt-Haus im benachbarten Bad Homburg aufgetan.

Sein nun erheblich geschrumpftes Programm: »Der Name soll erhalten bleiben.« Quandt, über Varta und die Byk Gulden Lomberg GmbH in Konstanz im Besitz der Hamburger Chemischen Fabrik Promonta (Marken: Trilysin, Eukutol, Endocil, Longit, Sanostol) ist bei niedrigem Kurs kaufwillig und will darüber am heutigen Montag entscheiden -- im Aufsichtsrat der Batteriefabrik Varta.

Walter Hain braucht nur »in freundschaftlicher Verbindung« seinem Münchner Mitgesellschafter Hans Mouson Bescheid zu sagen und will den Betriebsrat erst dann informieren. wenn alles perfekt ist: »Das erleichtert die Verhandlungen sehr, daß da nicht alle rumquaken.«

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