Bei Borkum Niedersachsen ermöglicht Gasförderung am Wattenmeer

Eigentlich hatte sich der Landtag in Hannover bereits gegen eine Gasförderung im Wattenmeer ausgesprochen. Nun macht er den Weg dafür doch frei – für mehr Unabhängigkeit von Russlands Lieferungen.
Insel Borkum: In der Nähe soll künftig Gas gefördert werden

Insel Borkum: In der Nähe soll künftig Gas gefördert werden

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Vor dem Hintergrund des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine hat sich das Land Niedersachsen nun doch für eine Erdgasförderung am Rande des Wattenmeers im Grenzgebiet zu den Niederlanden ausgesprochen. Der Landtag in Hannover nahm am Donnerstag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen SPD und CDU sowie der FDP einen gegenteiligen Beschluss vom Herbst zurück. Die Grünen lehnten das ab.

Noch im Oktober 2021 hatte das Parlament die Förderung in der Nähe der Insel Borkum wegen Umweltbedenken verworfen. Die niederländische Firma One-Dyas will dort fördern, das Gasfeld erstreckt sich sowohl auf niederländische wie deutsche Hoheitsgewässer. Der Bund hat in diesem Fall keine Zuständigkeit, sie liegt beim Land.

Als möglich gilt nun eine Förderung ab dem Jahr 2024. Die Größe des Gasfeldes wird auf bis zu 60 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Der deutsche Jahresverbrauch liegt bei etwa 90 Milliarden Kubikmetern.

Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) verwies auf die geänderte Lage seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar: »Seit dem 24. Februar wissen wir, dass wir das Thema Energie-Versorgungssicherheit völlig neu denken und alte Ansichten revidieren müssen«, sagte er. One-Dyas könne zudem im niederländischen Teil ohnehin fördern, das Weltnaturerbe Wattenmeer bleibe unberührt. Das von deutschem Gebiet geförderte Gas werde auch dem deutschen Markt zugeführt.

Deutschland fördert noch etwa fünf Prozent seines Erdgasverbrauchs selbst. Rund 35 Prozent stammen aus Russland. Nach Angaben der Bundesregierung wird man noch bis 2024 auf russisches Gas angewiesen sein.

fdi/Reuters
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