Ersatz für bundesweite Lösung Niedersachsen erwägt Regional-Ticket für norddeutsche Länder

Bundesfinanzminister Christian Lindner sträubt sich dagegen, das beliebte 9-Euro-Ticket länger zu finanzieren. Nun könnte es zu Insellösungen der Bundesländer kommen.
Reisende zum Start des 9-Euro-Tickets Anfang Juni am Berliner Hauptbahnhof

Reisende zum Start des 9-Euro-Tickets Anfang Juni am Berliner Hauptbahnhof

Foto: Christoph Soeder / dpa

Weil der Bund das beliebte 9-Euro-Ticket wohl nicht verlängern will, machen sich einzelne Bundesländer nun auf eigene Wege: Das niedersächsische Verkehrsministerium kann sich als Nachfolger des 9-Euro-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr nun ein norddeutsches Modell vorstellen. Dies gelte für den Fall, dass der Bund kein deutschlandweites Folgeangebot für die Ende August auslaufende Aktion auf den Weg bringe. Der Bund sollte die Länder in die Lage versetzen, nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ein kostengünstiges, bundesweites Ticket anbieten zu können, so das niedersächsische Ministerium.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bekräftigte jedoch in der »Bild am Sonntag«, keinen Spielraum für ein solches Vorhaben zu sehen. »Tankrabatt und 9-Euro-Ticket laufen aus. Es wird keine Anschlussregelung geben können«, sagte er dem Blatt. Er sei allerdings dafür offen, die Entfernungspauschale für Beschäftigte zu erhöhen. »Davon profitieren alle, denn das gilt unabhängig von Auto, Bahn oder Fahrrad«, argumentierte Lindner. Zuvor hatte Lindner mit Verweis auf die Schuldenbremse eine Weiterführung dieses günstigen Tickets verneint.

Aus dem niedersächsischen Verkehrsministerium hieß es: »Sollte ein bundesweites Ticket nicht umsetzbar sein, könnten alternativ auch die fünf norddeutschen Bundesländer etwas auf die Beine stellen.« Konkreter wurde die Idee noch nicht dargelegt.

Länder fordern Bundeszuschüsse

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte, eine Anschlusslösung werde nur mit einer deutlichen Anhebung der Bundesgelder möglich sein. »Es kann ja nicht sein, dass der Bund das Ticket initiiert, die Umsetzung den Ländern überlässt, sich für den Erfolg feiern lässt und dann keine Verantwortung für eine Anschlusslösung übernehmen will.« Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte zuvor deutlich gemacht, dass er die Länder am Zug sieht.

Am Montag, 1. August, beginnt der letzte Monat des 9-Euro-Tickets. Von Juni bis August konnten und können Bus- und Bahnfahrer damit für 9 Euro pro Monat bundesweit den Nah- und Regionalverkehr nutzen.

Für den SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Detlef Müller, zeigt die aktuelle Debatte mit einer Vielzahl von Anregungen, dass Bund und Länder nun zeitnah an einen Tisch müssten. »Dazu sollte aus meiner Sicht noch im August eine Sonder-Verkehrsministerkonferenz stattfinden, bei der auch die Abfederung der gestiegenen Betriebskosten in den Blick zu nehmen ist.« Zu beraten sei über das weitere Verfahren und die Aufteilung der Finanzierung möglicher Nachfolgemodelle für das 9-Euro-Ticket, sagte Müller.

Zuvor hatten sich die Verkehrsbetriebe für eine Verlängerung des beliebten, günstigen und einfach handhabbaren Tickets ausgesprochen. Es könne zur Entlastung beitragen angesichts steigender Energiekosten. Fernbus-Unternehmen dagegen beklagten einen starken Fahrgastschwund durch das Ticket.

Mit Blick auf die Mobilitätswende macht sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für ein 365-Euro-Jahresticket stark. Die große Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket belege, dass die Menschen Bahnen und Busse verstärkt nutzten, vor allem wenn sie sich nicht durch einen Tarifdschungel kämpfen müssten und es günstig sei. »Mit einem direkten und für alle erschwinglichen Nachfolgeangebot kann die Mobilitätswende fortgesetzt werden. Hier braucht es eine schnelle und klare Entscheidung der Regierung ohne das übliche Ampel-Hick-Hack«, sagte BUND-Geschäftsführerin Antje von Broock.

kig/dpa-AFX
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