Nigeria Rebellenangriffe treiben Ölpreis in die Höhe

In Nigeria haben Aufständische erneut eine Ölförderanlage attackiert. Die Unruhen sind neben dem Atomstreit zwischen dem Westen und Iran ein Grund dafür, dass der Ölpreis sich neuen Rekordmarken nähert.


Yenagoa/Hamburg/New York - Erst vor wenigen Tagen hatten die Aufständischen, die derzeit auch vier Ölarbeiter als Geiseln festhalten, weitere Angriffe auf ausländische Förderanlagen im Niger-Delta angekündigt. Nun ließen sie ihren Worten Taten folgen.

Nigerianische Ölplattform: Milliardenschwere Ölindustrie, 20 Millionen Arme
DPA

Nigerianische Ölplattform: Milliardenschwere Ölindustrie, 20 Millionen Arme

"Heute morgen wurde eine Agip-Ölplattform von einigen Jugendlichen angegriffen", erklärte die Polizei. Der Übergriff sei jedoch von Sicherheitskräften abgewehrt worden, hieß es seitens Agip, einer Tochter des Ölkonzerns Eni. "Nichts wurde beschädigt und die Produktion wurde nicht beeinträchtigt", hieß es.

Dennoch zeigen die erneuten Angriffe, dass der Aufruhr gegen die großen Ölförderer offenbar gerade erst begonnen hat. Die Konzerne sehen sich zwar schon seit Jahren mit dem Widerstand militanter Gruppen in der Region konfrontiert. Im Niger Delta leben rund 20 Millionen Menschen in Armut - in unmittelbarer Nähe der milliardenschweren Ölindustrie. So kommt es häufig zu Entführungen, Ölraub oder Sabotage.

Seit rund einem Monat haben die Attacken in Nigeria jedoch stark zugenommen. Bei einem Angriff auf eine Station der nigerianischen Shell-Tochter SPDC in der vergangenen Woche war mindestens ein Mensch ums Leben gekommen, zehn weitere Personen wurden verletzt. Am 11. Januar haben die Rebellen außerdem vier Shell-Mitarbeiter von einem Ölfeld entführt. "Sie können sicher sein, dass die Geiseln nicht freigelassen werden", hieß es jetzt in einer E-Mail der Kidnapper an die Nachrichtenagentur Reuters. Eher wollten die Aufständischen noch weitere Geiseln nehmen, hieß es.

Gleichzeitig wiesen die Rebellen Berichte über einen angeblichen Vermittler zurück. Der Mann sei ein Kopfgeldjäger und habe nichts mit ihnen zu tun. Am Sonntag hatten die nigerianischen Behörden Hoffnung auf eine Freilassung keimen lassen, nachdem sie über einen Mittelsmann ein Foto der Entführten erhalten hatten. Die Person war als ein glaubwürdiger Vermittler eingeschätzt worden.

Ölpreis erneut auf Höhenflug

Die Unruhen in Nigeria sind ein Grund dafür, dass der Ölpreis zuletzt anstieg. Hinzu kommt die anhaltende Sorge über das Atomprogramm im Iran. Zu Wochenbeginn peilte der Ölpreis so erneut die 70-Dollar-Marke an: Im Computerhandel der New Yorker Rohstoffbörse stieg der Preis für ein Barrel zeitweise um 72 Cent auf 69,20 Dollar. Inzwischen ist der Aufwärtstrend wieder ein wenig abgeflaut. Am Vormittag kostete ein Barrel 68,72 Dollar. Die neue Aufwärtsspirale erfüllt Beobachter dennoch mit Sorge. Erst im August 2005 war der Preis nach den Wirbelstürmen in den USA auf den Rekordpreis von 70,85 Dollar geklettert.

Während die Iran- und die Nigeria-Krise für steigende Preise sorgen, geben die Marktdaten ein völlig anderes Signal ab: Weil der bisherige Winter im Nordosten der USA - dem größten Heizöl-Verbrauchsgebiet - bisher relativ mild gewesen ist, steigen die Ölbestände der USA. Normalerweise sorgt dies für sinkende Preise.

Der Konflikt in Nigeria und die Spannungen wegen der Atompolitik in Iran überlagern an den Ölmärkten diese Nachrichten jedoch vollkommen. Sollte der Iran-Konflikt nicht bald beigelegt werden, halten Analysten sogar einen Anstieg des Ölpreises auf 70 Dollar für möglich. Die nächste Stufe der Verschärfung droht am 2. Februar, wenn Mitglieder der Internationalen Atomenergiebehörde über eine Resolution gegen den Iran beraten. Die Nachricht von den erneuten Angriffen in Nigeria dürfte die angespannte Stimmung weiter verschärfen.



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