FDP gegen AfD Es kann nur eine geben

Heute will die FDP auf dem Dreikönigstreffen den Marsch zurück in die Parlamente beginnen. Schaffen kann sie es nur, wenn sie die AfD verdrängt - und klärt, ob in Deutschland eine Partei der kühlen Vernunft noch Platz hat.

FDP-Vorsitzender Christian Lindner: Dosierung erhöhen
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FDP-Vorsitzender Christian Lindner: Dosierung erhöhen

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Es heißt immer, die AfD sei vor allem das Problem von CDU und CSU, abgeschwächt auch das der Sozialdemokraten und im Osten natürlich das der Linkspartei. Das stimmt alles. Aber für die Freien Demokraten, die heute in Stuttgart ihr traditionsreiches Dreikönigstreffen abhalten, ist die AfD weit mehr als nur ein Problem. Nämlich die Frage von Exitus oder Auferstehung.

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Heft 2/2015
Warum wir träumen

Die erste Große Koalition unter Angela Merkel machte die FDP groß; sie profitierte von einer Art kopfgesteuertem Protest gegen die allzu konsensorientierte Übermacht von Union und SPD. Die zweite Große Koalition macht, so scheint es gerade, die AfD groß, aber es ist ein überwiegend bauchgesteuerter Protest. Darum gehört nicht viel zu der Prognose, dass es nur eine der beiden Parteien AfD und FDP 2017 in den Bundestag schaffen wird. Ihre Wählergruppen haben eine Schnittmenge im wirtschaftsorientierten, bürgerlichen Milieu. Diese Gruppe wird am Ende entweder den Liberalen oder den Euro- bzw. Zuwanderungsgegnern ins Parlament helfen, nicht aber beiden.

Stolzes Kontrastprogramm gesucht

Diesen Wettstreit kann die FDP nicht gewinnen, indem sie der AfD hinterherrudert oder ihr insgeheim ähnlicher zu werden sucht. Das verbieten der liberale Anstand und - zum Glück - der Mangel an einschlägigem Personal vom Typ eines Jürgen Möllemann. Nein, die AfD lässt sich nur verdrängen, wenn es ein stolzes Kontrastprogramm gibt. Wenn die Liberalen den Beweis antreten, dass man sich gegen einen gesellschaftlichen Mainstream stellen kann, ohne ihn verächtlich zu machen. Dass man die Große Koalition attackieren kann, ohne eine Verschwörungstheorie zu bemühen. Dass man individueller Leistung den Vorrang geben kann, aber die Schwächeren nicht vor den Kopf stößt. Dass sich auch frustrierte Bürger noch über den Verstand ansprechen lassen und nicht allein über das Ressentiment.

Liberale Dosierung erhöhen

Parteichef Christian Lindner hat im SPIEGEL-Interview gesagt, er wolle in der FDP die liberale Dosierung erhöhen, den Reinheitsgrad der freiheitlichen Idee. Letztlich versucht er also herauszufinden, ob es im ursprünglichen Milieu der FDP noch genügend Wähler gibt, die sich weder von Angela Merkel bemuttern lassen wollen, noch "Putin, hilf!" rufen. Von dieser Klärung hätte auch das ganze Land etwas, dessen politisches System in gleichem Maße ausfasert wie es inhaltlich zu verarmen droht. Und für die Liberalen ist es der richtige Weg, weil es der einzige ist.

insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
kirk,james-tiberius 06.01.2015
1. Die FDP wird auferstehen
Ich denke die FDP wirds schaffen. Die Wähler werden oder merken es bereits jetzt, dass von rechts eine große gefahr droht. Seit die CDU an der Macht ist regieren die anderen Parteieien im schatten vom Frau Merkel. Jedoch haben sie das anscheinend vergessen. Für die FDP war dies auch ein weiterer Grund was den untergang angeht. Ich frage mich z.B. ob die Ukraine Krise unter Westerwelle solche Ausmaße angenommen hätte. Die FDP war in Geopolitischen Fragen immer geschickt und handelte Klug (siehe Genscher) und ich zolle auch Herrn Westerwelle meinen Respekt. Er hatte sich sehr gut in seiner als Außenminister eingefunden und hatte, wie ich finde, das Ansehen deutschlands in der Welt deutlich verbessert. Ich drücke Herrn Lindner die Daumen.
Hank Hill 06.01.2015
2. Die FDP
ist nicht mehr gefragt. Sie hat einfach zu oft die Bürger belogen. Vielleicht macht das auch die AfD, aber sie ist neu, und da probieren die Wähler es einfach mal aus. In den Köpfen der Deutschen steht die FDP nur für aalglatt, karrieregeile Politiker und Schaumschläger. Und Lindner ist ihr typischer Vertreter. Die "alte FDP" mit Kalibern wie Baum, oder Hamm-Brücher gibt es nicht mehr. Die neuen FDP Köpfe sind nicht glaubwürdig genug liberale Werte wieder beleben zu können.
DocMoriarty 06.01.2015
3. Die FDP ist genau wie der Neo-Liberalismus ...
... überflüssig wie ein Kropf.
spam.unsinn 06.01.2015
4. Ach, jetzt auf einmal?
Jahrelang hat man, insbesondere auch beim Spiegel, nur Hass gegen die FDP verbreitet. Man erinnere sich nur an die unsägliche Kampagne gegen Rainer Brüderle. Jetzt aber, da die Bürgerlichen selbstbewusst ihre politisch nicht korrekte Meinung kundtun merkt man, dass die FDP ja eigentlich doch nicht so schlecht war und hätte sie gerne zurück, um sich weiterhin der offenen Debatte verweigern zu können. Da braucht man sich über den Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit nicht zu wundern.
Tolotos 06.01.2015
5. Kühle Vernunft?
Ist das die politisch korrekte Form von "Vernünftige Vertretung von Gier"?
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