Auszeichnung Wirtschaftsnobelpreis geht an Angus Deaton

Ungleichheit und Sozialpolitik sind seine Themen, er analysiert Armut, Konsum und deren Zusammenhang mit persönlichem Glück. Nun bekommt der 69-jährige Brite Angus Deaton den Nobelpreis für Wirtschaft 2015.
Auszeichnung: Wirtschaftsnobelpreis geht an Angus Deaton

Auszeichnung: Wirtschaftsnobelpreis geht an Angus Deaton

Foto: Larry Levanti/PRINCETON UNIVERSITY

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht in diesem Jahr an den britischen Ökonomen Angus Deaton. Das teilte die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Der 69-jährige Forscher beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Entwicklungs- und Gesundheitsökonomie. Deaton wurde im schottischen Edinburgh geboren und lehrt an der US-Eliteuniversität Princeton. Er besitzt sowohl die britische als auch die US-Staatsbürgerschaft.

Deaton bekommt den Preis "für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlfahrt", sagte Göran Hansson, Generalsekretär der Akademie. "Der diesjährige Preis handelt von Konsum im Großen und Kleinen." Um eine Wirtschaftspolitik zu gestalten, die Wohlstand mehre und Armut bekämpfe, müssen man individuelle Konsumentscheidungen verstehen.

"Angus Deaton hat dieses Verständnis mehr als jeder andere erweitert", heißt es in der Begründung der Akademie. Deaton nutzte für seine Ergebnisse die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Mit Hilfe von Daten zu den Konsumausgaben habe er Lebensstandard und Armut berechnet.

Die Arbeit des Preisträgers habe großen Einfluss auf politische Entscheidungen gehabt, teilte die Akademie mit. Durch sie sei es beispielsweise möglich gewesen zu ermitteln, welche sozialen Schichten am meisten von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel betroffen würden.

Ein weiteres Beispiel für die Forschung Deatons: Im Jahr 2010 legte er gemeinsam mit Daniel Kahnemann, dem Wirtschaftsnobelpreisträger von 2002, eine Studie über den Zusammenhang von Einkommen und persönlichem Lebensglück vor. Demnach macht Geld entgegen der Volksweisheit eben doch glücklich - allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze. Damals lag sie für die USA bei einem Jahresnettoeinkommen von 75.000 Dollar. Jede Einkommenssteigerung darüber hinaus führe nicht zu mehr Zufriedenheit mit dem eigenen Leben und emotionalem Wohlbefinden. Umgekehrt verschärfe ein geringes Einkommen die Gefühle, die man bei Unglücken wie Scheidung, Krankheit oder Einsamkeit empfinde.

Die Auszeichnung geht - im Unterschied zu den traditionellen Nobelpreisen - nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. Sie heißt deshalb auch nicht offiziell Nobelpreis, sondern "Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel".

Der Preis wurde von der Schwedischen Reichsbank 1968 gestiftet und ein Jahr später zum ersten Mal vergeben. Daher findet die Verkündung auch nicht in derselben Woche statt wie die der klassischen Nobelpreise. Dotiert ist der Preis allerdings mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) in gleicher Höhe, und er wird ebenso am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, in Schwedens Hauptstadt Stockholm verliehen.

2014 war der Franzose Jean Tirole für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung mit der Auszeichnung geehrt worden.

fdi/dpa/Reuters
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