Betreiber der sanktionierten Pipeline Nord Stream 2 ist offenbar insolvent

Sanktion mit schnellem Erfolg: Die Gesellschaft, die die Gaspipeline Nord Stream 2 betreiben sollte, hat ihren Sitz im Schweizer Kanton Zug – und ist nach Aussage der dortigen Regierungsrätin pleite.
Schnelle Investitionsruine: Nord-Stream-2-Baustelle in Lubmin 2019

Schnelle Investitionsruine: Nord-Stream-2-Baustelle in Lubmin 2019

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Die Betreibergesellschaft der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben aus der Schweiz zahlungsunfähig. Die Nord Stream 2 AG mit Sitz in Zug habe »die Bilanz deponieren«, also Konkurs anmelden müssen, sagte die Regierungsrätin des Kantons Zug, Silvia Thalmann-Gut, dem Sender SRF. Vor einer Woche hatten die USA wegen des Konfliktes mit Russland das Unternehmen mit Sanktionen belegt.

Das Unternehmen reagierte auf Anfragen nicht. Bereits früher am Tag hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf anonyme Quellen von einer bevorstehenden Insolvenz berichtet.

Konkurs noch nicht offiziell

»Nord Stream 2 hat massive Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der verhängten Sanktionen«, teilte das Departement später auf Anfrage mit. Aufgrund dessen sei eine Weiterbeschäftigung von 106 Entlassenen nicht möglich. »Offiziell wurde der Konkurs noch nicht angemeldet«, hieß es weiter.

In dem Fernsehinterview hatte Thalmann-Gut gesagt: »Es handelt sich aber nicht um eine Massenentlassung. Das ist es nur, wenn das Unternehmen weiter besteht«, sagt sie. »In diesem Fall handelt es sich allerdings um einen Konkurs.« Ein Konkursverfahren kann in der Schweiz von Gläubigern oder dem Unternehmen selbst eingeleitet werden, »wenn es sich als insolvent betrachten muss«, wie das Wirtschaftsministerium auf seiner Webseite schreibt. Die Volkswirtschaftsdirektion eines Kantons entspricht einem Wirtschaftsministerium in einem deutschen Bundesland.

Die kantonale Behörde will nach eigenen Angaben am Freitag berichten, wie der Kanton Zug reagieren werde. Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin hatte am Montagabend im Fernsehen zunächst von 140 Entlassungen gesprochen.

Nord Stream 2 ist eine Tochtergesellschaft des russischen Gaskonzerns Gazprom und hat ihren Hauptsitz in Zug, gut 30 Kilometer südlich von Zürich. Die durch die Ostsee verlegte und fertig gestellte Pipeline sollte russisches Gas nach Deutschland bringen. Die Bundesregierung hatte das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 angesichts der russischen Eskalation in der Ukraine vergangene Woche auf Eis gelegt. Die USA verhängten Sanktionen gegen die Nord Stream 2 AG und untersagten damit weitere Geschäfte mit dem Unternehmen.

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Das von Nord Stream 2 gegründete Schweriner Tochterunternehmen Gas for Europe hat seinen Betrieb zunächst eingestellt. »Aufgrund der Situation bei der Nord Stream 2 AG sind die Aktivitäten der Gas for Europe GmbH gestoppt«, sagte ein Sprecher. Das Tochterunternehmen war zuvor gegründet worden, um Vorgaben der Bundesnetzagentur zu erfüllen.

mamk/dpa/AP/Reuters