Nord Stream 2 Ostseepipeline soll im Dezember weitergebaut werden

Fast ein Jahr lang war der Bau der beiden hochumstrittenen Röhren unterbrochen. Kommenden Samstag sollen die Arbeiten wieder losgehen. Widerstand ist programmiert.
Rohre für die Ostseepipeline im Hafen Sassnitz-Mukran (September 2020). Am ersten Dezember-Samstag soll der unterbrochene Bau fortgesetzt werden

Rohre für die Ostseepipeline im Hafen Sassnitz-Mukran (September 2020). Am ersten Dezember-Samstag soll der unterbrochene Bau fortgesetzt werden

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Der Bau der deutsch-russischen Ostseepipeline Nord Stream 2 soll im Dezember nach etwa einjähriger Unterbrechung fortgeführt werden. Das bestätigte ein Sprecher des Konsortiums. Zuvor hatte der Radiosender NDR 1 Radio MV darüber berichtet.

Nach Informationen des Senders hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee in Stralsund für Schiffsführer angekündigt, dass es vom kommenden Samstag an Bauarbeiten südlich des Gebietes Adlergrund geben wird. Dort liegen die beiden Rohr-Enden, die von der Anlandestation Lubmin in Richtung Ostsee führen.

Widerstand aus Amerika und Europa

Die US-Regierung will Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung verhindern. Im Dezember 2019 waren die Bauarbeiten vor der dänischen Insel Bornholm abrupt gestoppt worden, weil die beiden Schweizer Verlegeschiffe unter dem Sanktionsdruck der USA ihre Arbeit eingestellt hatten.

Zuvor hatte der US-Kongress mit parteiübergreifender Unterstützung das »Gesetz zum Schutz von Europas Energiesicherheit« verabschiedet. US-Präsident Donald Trump, der nach seiner Wahlniederlage das Weiße Haus im kommenden Januar räumen muss, setzte das Gesetz trotz scharfer Kritik aus Deutschland und Russland in Kraft. Auch der künftige US-Präsident Joe Biden ist ein Gegner der Pipeline.

Die USA fürchten eine zu große Abhängigkeit ihrer europäischen Partner von Russland – und wollen Europa verstärkt mit Gas aus eigener Produktion beliefern, das zu einem großen Teil mithilfe der umstrittenen Fracking-Technologie gewonnen wird. Unterstützt wird Washington von osteuropäischen Staaten wie Polen und den baltischen Ländern.

Durch die zwei jeweils rund 1200 Kilometer langen Leitungen von Nord Stream 2 sollen künftig pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden. Die etwa 9,5 Milliarden Euro teure Pipeline ist zu 94 Prozent fertiggestellt.

clh/dpa-AFX