Putin über Nord Stream 2 »Die Gaslieferung kann am nächsten Tag beginnen«

In Europa ist das Gas knapp. Russlands Präsident Putin hat nun schnelle Lieferungen versprochen. Bedingung: die rasche Betriebsgenehmigung für die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2.
Russlands Präsident Putin verteidigt in Sotschi sein Pipeline-Projekt

Russlands Präsident Putin verteidigt in Sotschi sein Pipeline-Projekt

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Dmitry Feoktistov / imago images/ITAR-TASS

Russland steht nach Darstellung von Präsident Wladimir Putin bereit, die Lieferung von Erdgas nach Europa nach einer Zertifizierung der Pipeline Nord Stream 2 durch Deutschland zu erhöhen. Sie könne schon am nächsten Tag beginnen, sagte er am Donnerstag bei einem Diskussionsforum in der Stadt Sotschi am Schwarzen Meer. Die Befüllung des zweiten Stranges mit Gas werde Mitte bis Ende Dezember abgeschlossen. Die erste Röhre ist bereits mit Gas befüllt worden.

Für die Gaskrise und die hohen Preise sei die Energiepolitik der Europäischen Union verantwortlich, sagte Putin am Donnerstag. Auf dem europäischen Gasmarkt fehlten nun 70 Milliarden Kubikmeter Erdgas, obwohl Russland jüngst seinen Export erhöht habe.

Die Bundesnetzagentur hat bis Anfang Januar Zeit, über eine Betriebserlaubnis für die Röhren zu entscheiden, die jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland liefern sollen. Das sei kein Projekt des russischen Energieriesens Gazprom, fünf europäische Firmen seien daran beteiligt, sagte Putin.

Er hatte angesichts der Gaskrise in Europa zuletzt mehrfach dafür geworben, dass Nord Stream 2 schnell an den Start geht. Die Gaspreise haben in Europa Rekordwerte erreicht. Kritiker von Gazprom vermuten, dass der Konzern nicht auf die erhöhte europäische Nachfrage reagiere, um eine rasche Inbetriebnahme der Pipeline 2 zu erzwingen. Die russische Seite hatte solche Anschuldigungen zurückgewiesen.

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Ernst und Ramsauer: Baerbock soll sich sachkundig machen

Unterdessen kritisierten die Vorsitzenden der Bundestagsausschüsse für Wirtschaft und Energie und für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Klaus Ernst (Linke) und Peter Ramsauer (CSU), die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock für Äußerungen zur Erdgas-Pipeline.

Für deren »Unterstellung, Russland würde die Lieferung von Erdgas zur Erpressung von Europa missbrauchen und sei für die gestiegenen Energiepreise verantwortlich«, gebe es keinerlei Hinweise, schreiben beide in einer gemeinsamen Erklärung. Von einer »möglichen künftigen Außenministerin« dürfe man erwarten, dass sie sich sachkundig mache.

Der frühere Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) (Archivbild)

Der frühere Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) (Archivbild)

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Bernd von Jutrczenka/ dpa

Baerbock hatte in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe Russland mit Blick auf die hohen Energiepreise ein »Pokerspiel« und »gehörig nach unten« gefahrene Gaslieferungen vorgeworfen. »Wir dürfen uns nicht erpressen lassen«, sagte die Grünen-Vorsitzende und plädierte dafür, der Ostsee-Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 vorerst keine Betriebserlaubnis zu erteilen.

sol/dpa/Reuters
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