»Rapider Druckabfall« Sorge über Gasleck bei Nord Stream 2

Die Pipeline Nord Stream 2 wird nicht zum Gasimport genutzt, war aber trotzdem gut gefüllt. Nun wurde ein Leck in der Ostsee festgestellt, durch das offenbar unkontrolliert Gas austritt.
Nord-Stream-2-Baustelle in Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern (Archiv)

Nord-Stream-2-Baustelle in Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern (Archiv)

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Aus der fertiggestellten, aber nie in Betrieb genommenen deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 tritt in der Ostsee offenbar unkontrolliert Gas aus. In der Nacht zum Montag sei ein »rapider Druckabfall« in der Leitung festgestellt worden, erklärte die Betreiberfirma Nord Stream 2. Die dänischen Behörden sprachen von einem »gefährlichen« Gasleck und sperrten ein Gebiet südlich der Insel Bornholm im Umkreis von fünf Seemeilen für die Schifffahrt ab.

Die zuständigen Marinebehörden in Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Russland seien sofort informiert worden, die Untersuchung des Vorfalls dauere an. Normalerweise liege ein Druck von 105 bar an, derzeit seien es auf deutscher Seite nur noch 7 bar.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnte bereits vor erheblichen Klimaschäden. Der Druckabfall lasse befürchten, »dass es sich um eine größere Havarie handelt und bereits erhebliche Mengen des gefährlichen Treibhausgases Methan in die Ostsee gelangt sind«, erklärte DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Sobald das gasförmige Methan über die Meeresoberfläche in die Atmosphäre aufsteige, trage es massiv zum Treibhauseffekt bei.

Sanktionen erschweren Aufklärung

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, dass man noch keine Klarheit über die Ursachen und den genauen Sachverhalt habe. »Wir sind aktuell im Austausch mit den betroffenen Behörden, um den Sachverhalt aufzuklären«, sagte eine Sprecherin.

Laut Nord Stream 2 AG gestalte sich die Ursachenforschung auch aus politischen Gründen sehr schwierig: Man stehe unter Sanktionen, verfüge kaum noch über Personal, und Gelder seien eingefroren. In Lubmin, wo die Pipeline in Deutschland anlandet, sei kein Personal der Nord Stream 2 AG, sagte Lissek. Man könne auch keine Aufträge erteilen, da man diese nicht bezahlen könne, und müsse schauen, woher man nun Informationen erhalte.

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Nord Stream 2 war trotz erheblicher Kritik insbesondere aus östlichen EU-Staaten und den USA über 1230 Kilometer parallel zur Leitung Nord Stream 1 durch die Ostsee verlegt worden und sollte den Gasfluss von Russland nach Deutschland erheblich erhöhen. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine entschied die Bundesregierung, die Pipeline nicht in Betrieb zu nehmen. Dem Nord-Stream-Sprecher zufolge war die Leitung zur Vorbereitung auf die Inbetriebnahme dennoch bereits mit Gas gefüllt worden.

Durch die Nord-Stream-1-Pipeline fließt mittlerweile ebenfalls kein Gas mehr, was Russland auf technische Probleme zurückführt. Die russische Seite sprach sich stattdessen dafür aus, die neue Leitung in Betrieb zu nehmen. Die Bundesregierung weist die Argumentation zurück. Moskau setze vielmehr Gas als außenpolitisches Druckmittel ein.

rai/dpa/AFP
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