Nordkorea Krebs-weg-Laser aus Kim Jong Ils Internet-Shop

Nordkorea entdeckt den E-Commerce: Ein skurriler Online-Shop verkauft Geländejeeps, Granitklötze und befremdliches Medizinzubehör. Die Webseite gleicht allerdings der nordkoreanischen Wirtschaft - sie funktioniert nicht so recht. Ein Testprotokoll von Stefan Schultz

Hamburg - Der Jonchak-26 ist ein toller Bohrer. Man kann mit ihm Sprenglöcher in Granitbrocken wühlen. Man kann mit ihm Erz in Minen abtragen. Das tollste am Jonchak aber ist: Man kann ihn neuerdings weltweit kaufen - und einen passenden Granitklotz zum drin Herumbohren gleich dazu. Bestellen kann man beides auf der Internetseite Chollima , dem ersten offiziellen Shopping-Portal der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea.

Die Steinzeitkommunisten entdecken den E-Commerce. Ein Land, das bisher vor allem für Planwirtschaft und nukleares Säbelrasseln berüchtigt war, verkauft plötzlich Geländejeeps, Taekwondo-Anzüge und Potenzpillen über das World Wide Web.

Verkauft? Na ja, fast. Im Moment zumindest verhält sich die Seite eher wie die nordkoreanische Wirtschaft im Allgemeinen: Sie funktioniert nicht so recht.

Ich habe den Jonchak-26 ausgewählt, klicke auf den Warenkorb-Button - doch nichts passiert. Ich öffne eine obskure Eingabemaske, trage meinen Namen, meine Telefon- und Faxnummer, meine E-Mail-Adresse und mein Heimatland ein und drücke auf "Senden". Das Fenster schließt sich, öffnet sich wenige Sekunden später wieder und ist leer.

"Ein interner Fehler ist aufgetreten", steht dort. "Bitte versuchen Sie es später noch einmal."

Ich klicke auf ein Bild des Jonchak und erfahre, dass der Bohrer vor allem für Minen geeignet ist, die "frei von Gas, Kohlestaub und Explosionsgefahr" sind. Wie viel mich der Bohrer kostet, erfahre ich nicht. Dafür weist ein Banner darauf hin, dass auf Chollima mit Kreditkarte bezahlt werden kann.

Ob diese Kinderkrankheiten noch behoben werden, wie sicher die Kreditkartenzahlung wirklich ist - das ist kaum zu klären. Der Administrator der Webseite sitzt laut der Nachrichtenagentur AP in einem Büro in der nordostchinesischen Stadt Shenyang. Dort geht aber nur irgendein Mann ans Telefon, der sagt, seine Vorgesetzten seien nicht da. "Die Seite ist nur versuchsweise eingerichtet", weiß er zu berichten. "Sie wird aber sehr bald ganz zur Verfügung stehen."

Bis dahin macht zumindest der Name des Online-Auftritts schon mal Eindruck. Chollima - so heißt in der chinesischen Mythologie ein geflügeltes Pferd, das zu geschwind ist, als dass ein Erdenbürger es je reiten kann. In Nordkorea ist das Pegasus-Pendant ein Symbol für die vermeintliche Stärke der Nation. In der Hauptstadt Pjöngjang gibt es mehrere Chollima-Statuen, sogar das nationale Fußballteam heißt mit Spitznamen so.

Ein Mitarbeiter des südkoreanischen Ministeriums für die Wiedervereinigung nennt die Seite daher einen "PR-Auftritt der Volksrepublik Nordkorea". Das Portal solle zeigen, was das Land so alles zu bieten habe.

Tatsächlich liefert Chollima ein Abbild der Lage der Nation. Auf der Seite finden sich mehr oder weniger aktuelle Nordkorea-News. Zum Beispiel die Meldung, dass die Poeten des Zentralkomitees koreanischer Schriftsteller "viele Gedichte" veröffentlicht haben. Eines davon sei besonders positiv aufgefallen, steht in der Meldung, sein Titel: "Möge die See der zielstrebigen Einheit mäandern".

Der Shopping-Bereich ist nicht minder patriotisch: Die Sektion, in der es Sonderbriefmarken zu kaufen gibt, ist mit Abstand die größte der Seite. Sie quillt über von Bildern von geballten Fäusten, Militäraufmärschen und Siegesfeiern. Viele Motive sind Oden ans eigene Größenselbst und gegen das gefühlte Joch imperialistischer Kapitalisten.

Auch der Musikbereich enthält allerlei Lobeshymnen an Kim Il Sung, Kim Jong Il, die kommunistische Partei und die nationale Volksarmee. Die Songs lassen sich per Mausklick kostenlos herunterladen. Der Button, mit dem man sie kaufen kann, funktioniert hingegen nicht.

Noch absurder ist die Sektion "Medizin und Technik". Dort finden sich allerlei Quacksalberutensilien, die bei kranken Menschen falsche Hoffnungen wecken sollen. Zum Beispiel Pillen, die angeblich Hepatitis heilen, oder ein aus Pilzen gefertigter Tee, der Menschen "laut klinischen Daten binnen sechs Monaten von Diabetes und Bluthochdruck heilt".

Besonders skurril mutet ein tragbarer Laser an, der nach Angaben des Herstellers zur Behandlung von Krebs eingesetzt wird. Laut Anleitung steckt man sich das Gerät in ein Nasenloch und lasert sich 15 Minuten lang in den Kopf hinein. Dann wäscht man sich das Nasenloch mit 70-prozentigem Alkohol aus.

Angesichts solcher Gerätschaften ist es wohl ganz gut, dass man auf Chollima noch nichts bestellen kann.

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