Norwegen Arbeitskampf auf Bohrinseln treibt Ölpreis hoch

Der Streik auf norwegischen Bohrinseln eskaliert, Aussperrungen drohen. Die Angst vor einem Ausfall der gesamten Erdölproduktion des weltweit drittgrößten Exporteurs hat die Barrel-Preise am Montag auf Rekordstände getrieben.


Norwegische Bohrinsel: Ölförderung vor dem Stillstand
DPA

Norwegische Bohrinsel: Ölförderung vor dem Stillstand

New York/Oslo - In New York verteuerte sich Rohöl zu Auslieferung im Dezember um 0,63 Prozent auf 55,52 Dollar pro Barrel. Der Preis für Nordsee-Öl der Marke Brent erreichte mit einem Anstieg von 1,3 Prozent auf 51,90 Dollar ebenfalls eine Rekordmarke. Experten halten einen Preis von 60 Dollar für möglich, falls der Arbeitskampf auf norwegischen Bohrinseln tatsächlich die gesamte Ölförderung des Landes blockieren sollte.

Norwegens Ölproduktion ist durch einen Konflikt auf den Bohrplattformen in der Nordsee bedroht. Der Reedereiverband in Oslo kündigte am Montag die Aussperrung von 2500 Beschäftigten in der Offshore-Industrie als Antwort auf einen seit vier Wochen andauernden Streik einiger hundert Mitglieder der Gewerkschaft OFS an. Die streikenden Arbeiter wollen mit ihrer Aktion eine Bestandsgarantie gegen die Verlagerung ihrer Arbeitsverträge zu ausländischen Unternehmen durchsetzten.

Friedenspflicht endet am 9. November

Die Aussperrung nach Ablauf der Friedenspflicht am 9. November würde die gesamte Förderung beim weltweit drittgrößten Ölexporteur betreffen. Norwegen bringt pro Tag 3,3 Millionen Barrel Öl auf den Markt.

Ein Ausfall der norwegischen Ölförderung wäre schwer auszugleichen, zitierte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg einen Marktexperten. Allerdings werde es für wenig wahrscheinlich gehalten, dass es tatsächlich zu einem flächendeckenden Streik kommen wird.

Die Regierung in Oslo will den Streik unterdessen durch eine Zwangsschlichtung beenden. Dies teilte sie am Montagnachmittag in Oslo mit. Damit wolle sie die angedrohte Flächenaussperrung verhindern, hieß es.

Weitere preistreibende Faktoren waren am Montag einmal mehr die Angst vor neuen Terroranschlägen auf Ölleitungen im Irak, die hohe chinesische Ölnachfrage, die unzureichenden amerikanischen Heizölreserven und die andauernden Produktionsausfälle im Golf von Mexiko.



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