Energiesicherheit Norwegen will Stromexporte nach Europa notfalls zurückfahren

Dank seiner Wasserkraftwerke kann Norwegen an viele Nachbarländer Strom liefern – auch nach Deutschland. Doch in den Stauseen sinken die Pegel.
Industriearbeitermuseum auf dem Gelände des Wasserkraftwerks Vemork in Norwegen: Das Land hat mit Niederschlagsschwankungen zu kämpfen

Industriearbeitermuseum auf dem Gelände des Wasserkraftwerks Vemork in Norwegen: Das Land hat mit Niederschlagsschwankungen zu kämpfen

Foto: Metodi Popow / IMAGO

Wenn die Wasserstände in den Stauseen weiter niedrig bleiben, könnte Norwegen seine Stromexporte nach Europa drosseln. Das geht aus einer Erklärung des norwegischen Öl- und Energieministers Terje Aasland hervor, über die etwa die »Financal Times« berichtet. Norwegen wolle deshalb »der Befüllung unserer Wasserkraftreservoirs und der Versorgungssicherheit mit Strom Vorrang einräumen und die Exporte begrenzen, wenn der Wasserstand in den Reservoirs auf sehr niedrige Niveaus sinkt«, so Aasland.

Dem Bericht zufolge haben einige Politiker in Norwegen bemängelt, dass die Stromkosten für heimische Verbraucher hoch seien, während der Staat hohe Summen mit dem Export einnehme. So sei der Vorschlag laut geworden, die Stromausfuhr zu stoppen, bis die Energiekrise beendet sei. Doch Norwegen ist Teil des europäischen Binnenmarktes, auch wenn das Land selbst nicht Mitglied der EU ist. Exporte könnten daher nicht einfach gestoppt werden.

Für Großbritannien, das im Zuge des Brexits aus dem Binnenmarkt ausgetreten ist, könnte die Situation allerdings zum Problem werden. Im vergangenen Jahr sei ein Unterwasser-Stromkabel zwischen dem Vereinigten Königreich und Norwegen in Betrieb genommen worden – die mögliche Exportkapazität entspreche etwa 2 bis 3 Prozent der erwarteten Nachfrage Großbritanniens im kommenden Winter, schreibt die Financial Times. Experten zufolge könnten damit auf britische Kunden höhere Stromrechnungen zukommen  – dass die Stromversorgung zusammenbricht, sei aber »unwahrscheinlich«.

Auch Deutschland bezieht über das Unterseekabel »Nordlink« seit dem vergangenen Jahr norwegischen Strom. Das 623 Kilometer lange Kabel kann hierzulande bis zu 3,6 Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

Trockenheit macht Probleme

Norwegen machen nicht nur die hohen Energiepreise zu schaffen, sondern auch die niedrigen Wasserstände – denn Frühjahr und Sommer waren bislang ungewöhnlich trocken. Weil das Land bei der Stromerzeugung fast vollständig auf Wasserkraft setzt, ist die Energieversorgung letztlich größtenteils vom Wetter abhängig. Durch den Klimawandel und seine Folgen müsse das Land sich auch weiterhin auf extreme Niederschlagsschwankungen einstellen, heißt es in einer Mitteilung des Energieministeriums. Daher sei es selbstverständlich, dass das Land notwendige Anpassungen vornimmt, damit das »Wasserkraftsystem auch in unruhigen Zeiten ein Garant für eine gute Stromversorgung der norwegischen Haushalte und Unternehmen« bleibe.

Nun soll ein obligatorisches Meldesystem einen besseren Überblick schaffen – und die Regierung will neue Leitlinien dafür erarbeiten, wer bei einer Wasserknappheit mit Strom versorgt wird. So sollen vorrangig die Stauseen aufgefüllt werden, wenn der Wasserstand unter dem für die Jahreszeit üblichen Durchschnittswert liege – Stromexporte könnten dann also eingeschränkt werden, damit Norwegen weiter mit Strom versorgt werden kann. »Dies ist eine Arbeit, die wir gemeinsam mit der Behörde für Wasserressourcen und Energie durchführen werden«, heißt es in der Mitteilung des Energieministers.

ani
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