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08. Oktober 2008, 20:32 Uhr

Notenbank-Aktion

Dax stürzt trotz Zinssenkung um fast sechs Prozent ab

Die Kurse an der deutschen Börse fallen und fallen. Nur kurzfristig sorgte die Leitzinssenkung der Notenbanken für Entspannung. Am Abend schloss der Dax mit einem satten Minus - auf dem tiefsten Stand seit November 2005. Auch der Dow Jones sackte ab.

Frankfurt am Main - Die Freude währte nur kurz: Vorübergehend bot die Leitzinssenkung der sechs Notenbanken dem Kurssturz am deutschen Aktienmarkt Einhalt. Nach einer Berg- und Talfahrt schloss der Leitindex Dax dann aber mit einem Minus von 5,9 Prozent und notierte bei 5013 Punkten.

Plastikbulle am Strick: Der Dax setzt seine Talfahrt fort
DDP

Plastikbulle am Strick: Der Dax setzt seine Talfahrt fort

Am Vormittag war der Index um bis zu 8,6 Prozent in die Tiefe gerauscht, fast so viel wie am Tag der Anschläge vom 11. September 2001. Nach der Leitzinsentscheidung stabilisierten sich die Kurse jedoch wieder. Am Nachmittag gab es erneut ein Minus von rund sechs Prozent. Das Vorgehen der Notenbanken sei zwar ein positiver Schritt, sagte ein Kapitalmarktexperte. Allerdings überwiege derzeit die Angst und der Vertrauensverlust sei so groß, dass auch mit konzertierten Aktionen keine schnelle Stimmungsänderung am Markt erreicht werden könne.

Auch bei den Finanzwerten währte der Aufschwung nach der Zinssenkung nur kurz. Die Aktien der Deutschen Bank waren mit einem Minus von 10,7 Prozent auf 38,935 Euro das Schlusslicht im Dax. Der EuroStoxx50 der größten Börsengesellschaften Westeuropas büßte 6,7 Prozent auf 2358 Zähler ein.

An der New Yorker Börse sorgte die Zinsentscheidung ebenfalls nur kurzfristig für gute Stimmung: Der Dow Jones startete im Minus, legte dann aber zu. Allerdings überwogen die Rezessionsängste der Anleger und die Furcht vor anhaltend eingefrorenen Kreditmärkten: Wenig später drehten die Kurse wieder ins Minus.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel um 2,3 Prozent auf 9230 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 notierte 2,3 Prozent tiefer bei 973 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 2,3 Prozent auf 1714 Stellen. Zu den Verlierern gehörten abermals Finanztitel. "Es gibt immer noch Leute, die sehr nervös sind", sagte Cleveland Rueckert, Analyst bei Birinyi Associates. Am Nachmittag lag der Dow Jones dann wieder leicht im Plus.

Analysten werteten die Zinssenkungen zwar als wichtiges Signal, um Vertrauen zu schaffen. Ob damit die quasi zum Erliegen gekommene Kreditvergabe der Banken untereinander aber wieder in Gang komme, ist aber ungewiss. Rick Meckler, Präsident der Investmentfirma LibertyView Capital Management, sagte, am Markt sei mit den Zinssenkungen schon länger gerechnet worden. "Dieser Zinsschritt ist reine Psychologie." Wie in jeder Krise dieser Größenordnung brauche es eine Änderung der Stimmung, erläuterte er. "Das ist ein langsamer Prozess."

Am Dienstag war bereits der Effekt von ungewöhnlichen Finanzhilfen der US-Notenbank Fed und ein Signal von Fed-Chef Ben Bernanke für eine Zinssenkung an der Wall Street verpufft. Am Mittwoch bündelten dann die wichtigsten internationalen Zentralbanken wie Fed und Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Finanzkrise ihre Kräfte und senkten ihre Leitzinsen um bis zu 50 Basispunkte. Sie wollen damit der Finanzwirtschaft Luft verschaffen und den Banken die Refinanzierung erleichtern.

cvk/Reuters/AP/dpa

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