Urteil gegen Anbindehaltung Landwirt muss Rindern im Sommer Auslauf gewähren

Ein Landwirt in Borken in NRW hatte seinen Rindern vorgeschriebenen Auslauf im Sommer verwehren wollen: Ein Außenstall reiche völlig aus, argumentierte er. Ein Gericht sah das anders.
Kühe auf der Weide (in Niedersachsen): Permanente Anbindung »mit erheblichem Leiden verbunden«

Kühe auf der Weide (in Niedersachsen): Permanente Anbindung »mit erheblichem Leiden verbunden«

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Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Ein Landwirt aus dem nordrhein-westfälischen Kreis Borken muss seinen Rindern in Anbindehaltung zumindest im Sommer Auslauf gewähren. Obwohl diese Art der Haltung nicht grundsätzlich verboten ist, führt sie über das ganze Jahr zu einer »deutlichen Einschränkung artgerechter Verhaltensweisen der Rinder«, erklärte das Verwaltungsgericht Münster am Montag . Es sei davon auszugehen, dass die Anbindehaltung, bei der die Tiere immer am selben Platz festgemacht sind, mit »erheblichem Leiden« verbunden sei.

Mit seiner Klage hatte sich der Landwirt gegen eine Anordnung des Veterinäramts gewehrt. Die Behörde hatte ihm vorgeschrieben, den Tieren zumindest von Anfang Juni bis Ende September täglich zwei Stunden freien Auslauf auf einer Weide, einem Paddock oder einem Laufhof zu gewähren. Der Landwirt war jedoch der Meinung, sein Außenstall reiche aus und zog vor Gericht.

Die Tiere angebunden zu halten, sei nur als Übergangslösung zu tolerieren, erklärte das Gericht. Ausnahmen würden etwa bei einer »beengten Dorflage« oder »extremen Witterungsbedingungen« erteilt. Beides treffe im Fall des Landwirts aus Borken jedoch nicht zu. Zwar verweise dieser auf Stellungnahmen süddeutscher Bauernverbände zur ganzjährigen Anbindehaltung – aber bei diesen handele es sich um solche von Interessenvertretungen. Schon deshalb seien sie nicht aussagekräftig.

Gegen das Urteil kann Berufung am nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht eingelegt werden.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Sommer ist die Anbindehaltung von Rindern seit 2010 stark um 62 Prozent zurückgegangen. Noch auf etwa jedem zehnten Haltungsplatz – 1,1 Millionen von 11,5 Millionen – sind die Tiere angebunden, sodass sie sich kaum bewegen können.

sol/dpa
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