Nummer eins bei "Forbes" Buffett - eine Legende profitiert von ihrem Ruf

Ausgerechnet nach dem Krisenjahr 2007 ist Warren Buffett als reichster Mann an Software-Zar Bill Gates vorbeigezogen. Grund sind die steigenden Aktienkurse seiner Firma Berkshire Hathaway - und das Vertrauen der Finanzmärkte, dass allein Buffett in der Krise die Deals gelingen.

Hamburg - Er hasst es, wenn jemand aus purem Glück reich und mächtig wird. Das jedenfalls erklärte Multimilliardär Warren Buffett kürzlich, als er sich im amerikanischen Kongress gegen die Abschaffung der Erbschaftsteuer aussprach. "Vermögensdynastien, die Feinde einer Meritokratie, sind im Kommen", sagte der Mann, der einen Großteil seines Vermögens der wohltätigen Stiftung von Bill und Melinda Gates schenken will. Er warnte vor wachsender Ungleichheit in der US-Gesellschaft.

Das dürfte erklären, warum der Börsenstar keinen Kommentar dazu abgeben will, dass die Zeitschrift "Forbes" ihn in ihrem alljährlichen Ranking nun an der Spitze sieht - vor Freund Gates, der 13 Jahre lang als Reichster der Reichen galt, und vor dem mexikanischen Telekom-Monopolisten Carlos Slim Helú, dessen Vermögen ebenfalls extrem stieg.

Dabei verdankt auch Buffett den Weg an die Spitze nicht nur der eigenen Leistung. "Forbes" schätzt das Vermögen der Superreichen jedes Jahr anhand der aktuellen Börsenkurse ihrer Beteiligungen. Den Wert von Buffetts Besitz macht vor allem sein Anteil an seiner Finanzholding Berkshire Hathaway   aus - der allerdings mit der Spende an die Gates-Stiftung jeden Juli um fünf Prozent abnimmt. Daher ist absehbar, dass sein Aufstieg zum reichsten Mann der Welt nur ein kurzer Ausflug bleibt.

Zum Stichtag im Februar kostete die Berkshire-Hathaway-Aktie knapp 140.000 Dollar, 30.000 mehr als vor einem Jahr. Für Buffetts persönliches Vermögen bedeutete das Kursplus nach der "Forbes"-Schätzung einen Sprung von 52 Milliarden auf 62 Milliarden Dollar. Als der Kurs im Dezember den Rekord von 150.000 Dollar erreichte, hätte der Anlageguru es sogar auf 65 Milliarden gebracht.

Wie abhängig die Rangfolge der Superreichen vom Wohl und Wehe der Börse ist, zeigt die Position des auf Platz drei abgestürzten Gates. Der Microsoft-Gründer hätte seinen Titel verteidigen können, räumt "Forbes" ein, wenn das Magazin den Termin für das Ranking nur zwei Wochen früher angesetzt hätte. "Er wäre vielleicht reicher als Buffett, hätte Microsoft nicht Anfang Februar ein unaufgefordertes Gebot für Yahoo   abgegeben", erklärt "Forbes"-Autor Matthew Miller. Die Microsoft-Aktie   stürzte bis zur Schätzung der Vermögen um 15 Prozent ab.

"Buffett liebt Krisen"

Aber selbst wenn eine Menge Glück im Spiel war, um Warren Buffett auf Platz eins zu heben - es fällt auf, dass die Berkshire-Hathaway-Aktie in den vergangenen Monaten konstant stark geblieben ist. Im Juli, als die Finanzkrise die Märkte weltweit erfasste, stieg sie sogar stark an.

Denn Buffetts Jünger haben vollstes Vertrauen, dass ihr Guru gerade in schwierigen Marktlagen die richtigen Entscheidungen trifft. "Buffett liebt Krisen", erklärte jüngst der Frankfurter Fondsmanager und Berkshire-Hathaway-Aktionär Hendrik Leber gegenüber manager-magazin.de.

Das liegt auch daran, dass Buffett ein Schüler der Investment-Legende Benjamin Graham ist. Von ihm übernahm er den Value-Ansatz, in Firmen zu investieren, die an der Börse im Vergleich zu ihrer Ertragskraft und Kapitalausstattung unterbewertet sind. Wenn die Masse der Anleger in Panik gerät und die Kurse fallen, kommt die Stunde der Value-Investoren.

Zunächst schien Buffett keine günstige Anlagechance zu sehen. Stattdessen verkaufte er ein großes Aktienpaket der chinesischen Ölfirma Petrochina  , die zwischenzeitlich nach Börsenwert zur größten Aktiengesellschaft der Welt aufgestiegen war - gerade rechtzeitig vor dem Absturz. Lange hielt Berkshire Hathaway rund 50 Milliarden Dollar Cash auf der hohen Kante. Das könnte man als klares Zeichen deuten, dass selbst Buffett die Hoffnung auf steigende Kurse aufgibt. Schließlich gehört er zu denjenigen, die die USA bereits in einer Rezession sehen.

Inzwischen hat Buffett aber Wege gefunden, wenigstens einen Teil der überschüssigen Milliarden sinnvoll anzulegen. Ende Dezember kaufte Berkshire Hathaway der Milliardärsfamilie Pritzker für 4,5 Milliarden Dollar die Mehrheit des Infrastrukturkonzerns Marmon ab.

Kurz darauf nahm die Firma dem niederländischen Finanzkonzern ING die Rückversicherung NRG ab. Im Januar schließlich erhöhte die Berkshire-Hathaway-Tochter Columbia ihren Anteil an der angeschlagenen Swiss Re   für rund 850 Millionen Schweizer Franken auf drei Prozent.

Das Kerngeschäft der Berkshire Hathaway, die Buffett vor mehr als 40 Jahren als Textilkonzern übernahm, bilden Versicherungen mit der 1970 übernommenen Government Employees Insurance Company (Geico) und der Rückversicherung General Re, zu der auch die Hannover Rück   gehört.

Retter der Märkte

Im Februar wurde Buffett dann sogar als Retter der Märkte gefeiert. Sein Angebot, bei den größten Anleihenversicherern MBIA  , Ambac   und FGIC einzusteigen, hob Anfang Februar die US-Börsen aus ihrem Stimmungstief. Analysten und Anleger hofften, Buffetts guter Name würde die sogenannten Monoliner aus ihrer Krise erlösen.

Die Monoliner, deren Kerngeschäft darin besteht, kommunale Anleihen gegen einen Ausfall zu versichern, hatten sich mit Hypothekenkrediten verspekuliert und Milliardenverluste erlitten. Seit Januar bezweifeln die Ratingagenturen, dass die Monoliner noch in der Lage sind, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Einige kleinere Anbieter verloren schon ihre gute Bonitätsnote und damit die Geschäftsgrundlage.

Kein Wunder also, dass die Märkte so sensibel auf jede Nachricht zu den Monolinern reagieren. Buffetts Vorschlag bestand darin, für die kommunalen Anleihen, nicht aber für die faulen Hypothekenkredite der Monoliner einzuspringen. Das hätte den Markt beruhigt und Buffett sichere Gewinne gebracht - aber gleichzeitig die Abschreibung der faulen Papiere und damit den Kollaps der Monoliner bedeutet. Die zeigten sich deshalb wenig angetan von der Idee.

Buffett hat sein Angebot am Montag zurückgezogen, seine Ziele in der Branche könnte er aber auch so erreichen. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte er bereits einen eigenen Monoliner namens Berkshire Hathaway Assurance (BHA) ins Leben gerufen. Das war der erste Erfolg, den der New Yorker Versicherungsaufseher Eric Dinallo in seinem Bemühen um eine Rettung der Branche verkünden konnte. BHA beginnt nun darin, das Neugeschäft der Versicherung kommunaler Anleihen zu übernehmen. Die Monoliner bekommen keinen Teil vom Kuchen mehr ab.

Gänzlich unberührt von der Krise blieb aber auch Berkshire Hathaway nicht: Am vergangenen Freitag verkündete Buffett, der Gewinn sei im abgelaufenen Quartal um 18 Prozent zurückgegangen, vor allem wegen des schwachen Versicherungsgeschäfts. Bei einem Gewinn von knapp drei Milliarden Dollar allerdings eine zu vernachlässigende Größe.

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