Baumarktkette Obi gibt Filialen in Russland umsonst an Investor ab

27 Baumärkte hatte Obi in Russland – vorbei. Die Tengelmann-Tochter hat sich in rekordverdächtiger Zeit komplett vom russischen Markt zurückgezogen und für seine Läden nicht einmal Geld bekommen.
Soll bald abmontiert werden: Der neue Eigner der russischen Obi-Märkte darf die Marke nicht mehr nutzen

Soll bald abmontiert werden: Der neue Eigner der russischen Obi-Märkte darf die Marke nicht mehr nutzen

Foto: Yegor Aleyev / ITAR-TASS / IMAGO

Die Marke Obi ist auf dem russischen Markt Geschichte: Alle juristischen Einheiten in Russland seien »ohne Kaufpreiszahlung an einen Investor übertragen« worden, teilt die Baumarktkette mit.

Damit bestätigte Obi russische Medienberichte vom Dienstag, allerdings war da von einem Verkauf die Rede, nicht von einer Abgabe der Filialen ohne jeden Kaufpreis. Der Name des Investors wurde nicht genannt.

Obi habe »den letzten Schritt vollzogen, um den russischen Markt endgültig zu verlassen«, teilte die Kette nun in Wermelskirchen mit. Schon Mitte März waren alle Märkte in Russland wegen des Ukrainekriegs geschlossen worden, nun sei die Obi-Gruppe nach der jüngsten Transaktion »weder direkt noch indirekt in Russland tätig«.

Der Abgabe der Märkte müssen noch die zuständigen Behörden zustimmen. Sie steht zudem unter der Bedingung, dass die Marke künftig in Russland nicht mehr verwendet wird.

Obi gehört zur Tengelmann-Gruppe und hat weltweit rund 48.000 Beschäftigte. Zuletzt betrieb die Baumarktkette nach eigenen Angaben 27 Baumärkte in Russland. Das entsprach nach Unternehmensangaben etwa fünf Prozent des Gesamtumsatzes von Obi. Laut dem Onlineportal »Baumarktmanager« gehörte Obi nach der Kette Leroy Merlin des französischen Mutterkonzerns Adeo zu den größten Baumarktbetreibern in Russland.

Einer Enteignung zuvorgekommen

Inhaber Christian Haub hatte in einem Interview mit dem manager magazin  im März auf ein russisches Gesetz verwiesen, wonach der Staat das Recht auf Enteignung  jener Firmen erhält, deren Heimatländer sich an den Sanktionen wegen des Ukrainekriegs beteiligen. So oder so hätte das Unternehmen die Russland-Märkte abschreiben müssen.

Nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine konnte sich Haub »einfach aus moralischen Gründen nicht vorstellen, weiterhin Geschäfte in Russland zu betreiben und damit indirekt das dortige Regime finanziell zu unterstützen«, sagte er in dem Interview.

mamk/AFP
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