Gesenkte OECD-Konjunkturprognose Eurozone und USA stocken, China und Indien bleiben stark

Die Industrieländergruppe OECD blickt zunehmend skeptisch auf die Wirtschaft in der Eurozone. Die Organisation senkt auch ihre Prognose für Deutschland und fordert die EZB auf, noch stärker einzugreifen.
VW-Werk in der chinesischen Stadt Foshan: Rasantes Wirtschaftswachstum

VW-Werk in der chinesischen Stadt Foshan: Rasantes Wirtschaftswachstum

Foto: DPA

Paris/Frankfurt am Main - Es ist ein Rundumschlag: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht von einem schwächeren Wachstum in fast allen Mitgliedsländern aus. Die Industriestaaten-Gruppe reduzierte in ihrem aktualisierten Bericht ihre Konjunkturprognosen, mit wenigen Ausnahmen: besonders China und Indien zeigen Stärke.

Die OECD sieht vor allem für die Eurozone das Risiko einer anhaltenden Stagnation, falls die Nachfrage nicht angekurbelt werde. Die Erholung sei "enttäuschend geblieben, vor allem in den größten Ländern Deutschland, Frankreich und Italien". Als Hauptrisiko benennt die Organisation die niedrige Inflation.

"Eine Inflation nahe null erhöht auch klar das Risiko, in eine Deflation zu fallen", schreibt die OECD . Dies könnte die Stagnation verfestigen und die Schuldenlast erhöhen. Besonders deutlich wurden die Wachstumserwartungen für Italien gesenkt: Die Prognose fällt von 0,5 Prozent auf minus 0,4 Prozent.

Die Wirtschaft in Deutschland werde 2014 und 2015 nur noch um 1,5 Prozent zulegen. Bisher hatte die OECD einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,9 Prozent in diesem Jahr und von 2,1 Prozent im kommenden Jahr veranschlagt.

Für die Eurozone sagen die Experten voraus, dass die Konjunktur nur noch um 0,8 Prozent anzieht, bislang gingen sie von 1,2 Prozent aus. 2015 dürfte es mit 1,1 Prozent (bisher 1,7 Prozent) im Vergleich zu diesem Jahr wieder etwas stärker bergauf gehen.

Aufgrund dieser Entwicklungen nimmt die OECD die Europäische Zentralbank (EZB) in die Pflicht. Die Zentralbank sollte die Konjunktur im Euroraum noch stärker anschieben, fordert die Organisation. Die EZB müsse weitere Maßnahmen jenseits des niedrigen Leitzinses einleiten, zu denen etwa der Kauf von Wertpapieren im großen Stil gehören könnte.

Zu große Gelassenheit an den Finanzmärkten

Auch die Entwicklung der US-Wirtschaft sieht die OECD mit Skepsis. Die Wachstumsprognose für die Vereinigten Staaten wurde für 2014 von 2,6 Prozent auf 2,1 Prozent gesenkt. Für 2015 von 3,5 Prozent auf 3,1 Prozent.

Außer den Gefahren aus dem Euroraum benennt die OECD zusätzliche Wachstumsrisiken. Verwiesen wird auf geopolitische Krisenherde wie die Konflikte in der Ukraine oder im Mittleren Osten. Auch das am Donnerstag stattfindende Unabhängigkeitsreferendum in Schottland wird genannt. Darüber hinaus sieht die Organisation Risiken in den Schwellenländern, etwa in der hohen Verschuldung dortiger Unternehmen.

An den Finanzmärkten sieht die OECD die Gefahr einer zu großen Gelassenheit: "Die Robustheit der Finanzmärkte scheint im Widerspruch zu stehen zur Verschärfung vieler erheblicher Risiken."

Für die globale Wirtschaft erwartet die OECD trotz der gesenkten Prognosen eine leichte Erholung. Wachstumsmotoren liegen allerdings fernab von Europa und den USA. Für China rechnet die OECD zwar mit einer etwas schwächeren Konjunktur, das Wachstum bleibt aber stabil auf den gleichen, hohen Werten wie zur letzten Schätzung im Mai: mit 7,3 Prozent für 2014 und 7,4 Prozent für 2015. Auch der Ausblick für Indien bleibt stark: Hier sieht die Statistik in diesem Jahr ein Plus von 5,7 Prozent vor, 2015 sollen es 5,9 Prozent werden.

bos/dpa/Reuters
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