OECD-Studie Ölpreis bremst Wachstum

Die hohen Ölpreise haben der Konjunktur in den OECD-Ländern einen unerwartet starken Dämpfer verpasst. Trotzdem sinkt die Zahl der Arbeitslosen.


DPA

Paris - Als Folge der hohen Ölpreise wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um etwa 0,5 Prozent deutlich geringer ausfallen, als ursprünglich erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer am Montag veröffentlichten halbjährlichen Konjunkturstudie. Danach dürfte das BIP in den 30 OECD-Staaten von 4,3 Prozent im Jahr 2000 auf 3,3 in 2001 und 3,1 Prozent in 2002 sinken.

Zu den Gewinnern der hohen Ölpreise zählt sie Förderländer wie Indonesien oder Russland, das mit sechs Prozent in diesem Jahr das stärkste Wachstum seit dem Zusammenbruch der Zentralverwaltung erwartet.

Gleichwohl dürfte in Deutschland wie auch im gesamten Euro-Raum die Zahl der Arbeitssuchenden auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren sinken. Nachdem sie sieben Jahre lang über der Zehn-Prozent-Marke lag, könnte die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf neun und in den Folgejahren auf 8,3 beziehungsweise 7,7 Prozent sinken. Dieser Trend gilt auch für die übrigen OECD-Länder, in denen die Quote von 6,2 Prozent in diesem Jahr auf 5,9 Prozent in 2002 sinken dürfte. Beim Wirtschaftswachstum liegt Deutschland mit drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes unter dem Wert der Euro-Zone (3,5 Prozent).

Negativ überraschte die OECD-Experten vor allem der unerwartet hohe Schrumpfungsprozess in Deutschlands Baubranche. In diesem Jahr dürften die Investitionen in die Bauaktivitäten um 2,5 Prozent sinken. Nach einem Nullwachstum im kommenden Jahr wird erst 2002 mit einem moderaten Anstieg von 0,5 Prozent gerechnet.

Auch beim privaten Konsum fiel das Wachstum auf Grund des Ölpreisanstiegs weniger stark aus als erwartet. Positive Anreize erwartet die OECD-Studie dagegen von der Steuerreform im kommenden Jahr. Angesichts moderater Lohnabschlüsse sowie langfristiger Tarifverträge seien für 2001 insgesamt kaum Überraschungen zu erwarten.

Deutschlands Konjunktur wurde ansonsten - nicht zuletzt dank des niedrigen Euro-Kurses gegenüber dem Dollar - durch eine hohe Exportrate getrieben. Auch die Investitionen in die Ausrüstungsgüter nahmen spürbar zu. Durch die Einnahmen aus der Versteigerung der UMTS-Lizenzen dürfte der Staatshaushalt in diesem Jahr einen Überschuss ausweisen, aber schon 2001 wieder auf ein Defizit von 1,7 Prozent des BIP zurückfallen. Die OECD warnt daher vor einer Lockerung der Finanzpolitik.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.