Öffentlicher Dienst Erste Annäherung in Tarifverhandlungen

Die Verhandlungen im Tarifkonflikt des Öffentlichen Dienstes sind ergebnislos unterbrochen worden. Zuvor hatte sich nach mehr als drei Monaten Arbeitskampf allerdings durchaus eine vorsichtige Annäherung der gegnerischen Parteien angedeutet. 


Potsdam - "Im Gegensatz zu früheren Verhandlungsrunden treffen wir heute auf eine konstruktive Atmosphäre. Wir werden hart daran arbeiten, dass es zu einer Einigung kommt", sagte Ver.di-Sprecher Harald Reutter am Rande des Spitzengesprächs in Potsdam und fügte hinzu: "Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase." Nach mehr als achtstündigen Beratungen wurden die Verhandlungen dann aber auf Freitag vertagt. Über den Ergebnisstand der Verhandlungen machten beide Seiten keine Angaben.

Nach rund zehnwöchiger Unterbrechung hatten Arbeitgeber und Gewerkschaften ihre Verhandlungen am Donnerstag in Potsdam wieder aufgenommen. An dem Spitzengespräch nahmen unter anderem Verdi-Chef Frank Bsirske und der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring (CDU) teil.

Im Kern geht es bei dem Tarifstreit um Forderungen der Arbeitgeber nach einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit und nach Kürzungen von Weihnachts- und Urlaubsgeld. Der TdL-Sprecher betonte, bei der Arbeitszeit gebe es Fortschritte. So beharrten die Arbeitgeber nicht mehr auf einer 40-Stunden-Woche. Im Gegenzug hielten die Gewerkschaften nicht mehr an den bisherigen 38,5 Stunden fest.

Die Verhandlungen werden für rund 800.000 Beschäftigte in 14 Ländern geführt. Hessen und Berlin gehören der TdL nicht an. Mit der neuen Runde der Tarifverhandlungen könnte  der monatelange Streik im öffentlichen Dienst ein Ende finden. Der Vorsitzende der TdL, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring, sagte vor Beginn der Verhandlungsrunde: "Wir sind hierher gekommen, um eine Einigung zu erzielen. Wir müssen es hinkriegen, bei der Arbeitszeit und den Sonderzahlungen Regelungen zu finden, die die Meistbegünstigungsklausel nicht ziehen."

Ver.di-Chef Frank Bsirske sagte vor den Gesprächen in Anspielung auf mögliche Einigungschancen: "Sie sehen, ich habe nur eine kleine Tasche dabei. Das deutet darauf hin, dass wir bereits die eine oder andere Lösung gefunden haben." Beide Seiten müssten dazu beitragen, dass eine Einigung im Paket erreicht werde. Es sei gut, dass die Arbeitgeberseite ihre lange Denkpause beendet habe.

fok/AP/ddp



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