Öffentlicher Dienst Warnstreiks legen Kitas lahm

Erst Krankenhäuser, dann Müllbetriebe, jetzt Kindertagesstätten: Der Warnstreik im Öffentlichen Dienst wird immer härter. Am Freitag will Ver.di den öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen lahmlegen.


Berlin - Hunderte Kitas blieben heute geschlossen, Tausende Eltern mussten sich um eine alternative Betreuung für ihre Kinder bemühen. Mit bundesweiten Warnstreiks haben die Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes den Betrieb in zahlreichen Kindertagesstätten lahmgelegt.

Protest-Pfeifen: Aufschwung nicht nur für Kapitalbesitzer
AP

Protest-Pfeifen: Aufschwung nicht nur für Kapitalbesitzer

Arbeitsniederlegungen gab es auch in anderen Bereichen des Öffentlichen Diensts - und der Kampf geht weiter. An diesem Freitag wollen die Gewerkschaft Ver.di und die dbb Tarifunion sich vor allem auf den öffentlichen Nahverkehr konzentrieren.

Mit den Protestaktionen machen die Gewerkschaften Druck auf die Arbeitgeber, bei der nächsten Runde der Tarifverhandlungen am kommenden Montag in Potsdam ein neues Angebot vorzulegen. Bislang bieten Bund und Kommunen für die etwa 1,3 Millionen Tarifangestellten fünf Prozent - allerdings in drei Schritten und verteilt auf zwei Jahre. Zudem soll die Wochenarbeitszeit verlängert werden.

Ver.di und die dbb Tarifunion fordern acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat. Nach den Warnstreiks drohen sie bereits mit einem regulären Arbeitskampf.

Ver.di-Chef Frank Bsirske bezeichnete das bisherige Angebot der Arbeitgeber als "Zumutung". "Die Arbeitszeitverlängerung bei 3,4 Millionen Arbeitslosen ist der Weg in die falsche Richtung", sagte er bei einer Kundgebung in Mannheim. Der Aufschwung müsse bei den Beschäftigten ankommen und "nicht nur bei den Aktionären und Kapitalbesitzern."

Dbb-Verhandlungsführer Frank Stöhr sagte den "Stuttgarter Nachrichten", die Streikkasse sei für einen langen Arbeitskampf gefüllt. "Geldmangel wird uns nicht zum Einknicken zwingen."

Am Donnerstag waren unter anderem Kitas in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Niedersachsen von den Protesten betroffen. Nach Gewerkschaftsangaben nahmen mehrere tausend Erzieherinnen und Erzieher an den Aktionen teil. Allein in Köln blieben nach Angaben eines Ver.di-Sprechers mehr als 200 Kitas zu.

Erstmals wurden auch Berlin und Sachsen in die Warnstreiks einbezogen. Betroffen neben Kindertagesstätten auch Entsorgungsbetriebe, Stadt- und Kreisverwaltungen sowie Bürger- und Ordnungsämter. In Chemnitz wurden zeitweise keine Strafzettel an Verkehrssünder verteilt.

Am Freitag wollen die Gewerkschaften bereits am Morgen den öffentlichen Nahverkehr im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen lahmlegen. Auch in anderen Ländern soll es wieder Proteste geben.

wal/dpa/Reuters



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