Ökofonds Der grüne Schein

Mit gutem Gewissen Geld verdienen - das ist die Strategie von Ökofonds. Doch viele Produkte setzen nicht nur auf die Umwelt, sie betonen auch soziale oder ethische Aspekte. Die Folge: Selbst Konzerne wie Lufthansa oder Toyota schaffen es ins Portfolio.


Es klingt absurd: Ökofonds, die Autokonzerne und Luftfahrtunternehmen unterstützen. Doch genau das ist möglich, wie die Zeitschrift FINANZtest festgestellt hat. Die Experten haben 62 Anlagekonzepte von internationalen Ökofonds untersucht - mit erstaunlichen Resultaten.

Wind- und Wasserkraft oder Solarenergie - die meisten Anleger vermuten vor allem Unternehmen aus dieser Branche in einem Ökofonds. Doch damit liegen sie nicht immer richtig. Denn Ökofonds haben ganz unterschiedliche Anlageziele. So landen auch Papiere von Unternehmen im Portfolio, die Wert auf ethische Prinzipien legen oder sozial verantwortlich handeln. Für Anleger ist es daher wichtig, sich vor einem Kauf genau über das Konzept des Fonds zu informieren.

FINANZtest hat die Anlageziele von 62 Aktienfonds untersucht, die auch ethische, soziale oder ökologische Anlagegrundsätze berücksichtigen. Der Testkompass zeigt die Top Ten dieser Fonds mit der FINANZtest-Bewertung.

In den meisten grünen Fonds haben Atomkraft und Gentechnologie in der Landwirtschaft nichts zu suchen. Doch bei anderen Branchen sind die Fondsmanager nicht so streng. Aktien aus der Automobilindustrie und der Luftfahrt finden sich in vielen Ökofonds.

Dazu gehören beispielsweise die Dow Jones Sustainabilitiy Indizes (DJSI) der SAM Group aus Zürich. Sie wählt für ihre Nachhaltigkeitsindizes Unternehmen, die in ihrer Branche eine Vorreiterrolle spielen. So laste die Lufthansa ihre Maschinen besser aus als andere Fluggesellschaften und Toyota habe das erste serienmäßig verkaufte Hybridauto auf den Markt gebracht.

Selbst der französische Ölkonzern Total ist im Portfolio. Laut SAM entwickelt der Konzern saubere Treibstoffe, fördert neue Energien und nimmt eine Vorreiterrolle ein, was die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz angeht.

Keine Waffen, keine Zigaretten, keine Kinderarbeit

Viele Anleger wünschen sich aber eine härtere Auslese. Das zeigt auch das Ergebnis einer Online-Umfrage von FINANZtest aus dem vergangenen Sommer: Von 1632 Befragten waren 64 Prozent der Meinung, dass Firmen der Öl- und Autobranche nicht in einen Ökofonds gehören - selbst wenn sie vergleichsweise sauber arbeiten. Auch Firmen, die ihr Geld mit der Produktion von Waffen oder Zigaretten verdienen oder Kinderarbeit zulassen, haben nach Ansicht vieler Ökoanleger nichts in derartigen Fonds zu suchen. Hier zeigt sich: Öko ist eigentlich nicht der richtige Begriff, vielmehr handelt es sich in diesen Fällen um ethische Ausschlussgründe.

Neben Aktien und Fonds gibt es auch einige Ökoindizes. Sie geben eine Aktienauswahl vor, auf die sich Fonds und Zertifikate stützen. Zu diesen gehören:

  • Dow Jones Sustainability World Index (DJSI). Die ausgewählten Firmen müssen in ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht eine Vorreiterrolle spielen.
  • Naturaktienindex (NAI). Ein Anlageausschuss wählt Firmen aus, die in ökologischer, sozialer oder ethischer Hinsicht herausragen.
  • ÖkoDax. Der ÖkoDax von der Deutschen Börse umfasst zehn Werte der Branchen Sonnen-, Wind- und Bioenergie.
  • PPVX. Der Solaraktienindex PPVX ist ein Gemeinschaftsprodukt der Zeitschriften Öko-Invest (Wien), herausgegeben von Max Deml, und Photon (Aachen). Der Index umfasst die 30 größten Solarwerte der Welt.

Mit einer FINANZtest-Bewertung von 77,1 Punkten ist der Pioneer Global Ecology ein "stark überdurchschnittlicher" Fonds. Er führt die Top Ten der untersuchten Fonds an. Für Manager Zimmermann sind Anlagen in Alkohol, Glücksspiel, Tabak und Rüstung tabu. Die Auto- oder Flugzeugindustrie sind aber erlaubt, ebenso wie Aktien von Firmen, die mit Atomkraft ihr Geld verdienen.

Trotzdem ist die Bezeichnung "Ecology" nach Ansicht der zugehörigen Fondsgesellschaft Pioneer berechtigt. Laut Verkaufsprospekt soll der Fonds für mindestens zwei Drittel seines Vermögens Aktien von Unternehmen kaufen, die umweltfreundliche Produkte oder Technologien herstellen oder dazu beitragen, dass die Umwelt sauberer und gesünder wird. Das seien Anforderungen, wie sie im Kriterienkatalog für Ökofonds zu finden sind. Sie gelten aber nicht für alle Papiere, die der Fonds kauft.

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