Ökonomen über G-20-Beschlüsse "Klares Bekenntnis zur Regulierung der Finanzmärkte"

Die Ergebnisse des Londoner G-20-Gipfels haben weltweit ein positives Echo hervorgerufen. Doch reichen die Beschlüsse wirklich aus, um die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen? Neun führende deutsche Ökonomen antworten auf SPIEGEL ONLINE.

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Berlin - Die Liste der Ziele, die sich die Regierungschefs der G-20-Staaten in London gesteckt hatten, war lang: eine internationale Aufsichtsbehörde für die Akteure auf den Finanzmärkten, ein TÜV für Derivate und andere undurchsichtige Finanzprodukte, Kampf gegen die Steuerparadiese - außerdem eine konzertierte Aktion gegen die weltweite Rezession. Tatsächlich gelang der Konsens.

G-20-Gruppenfoto: "Das kann sehr wohl ein Wendepunkt werden"
DPA

G-20-Gruppenfoto: "Das kann sehr wohl ein Wendepunkt werden"

Der spektakulärste Punkt des in London vereinbarten Kommuniqués ist zweifelsohne die Finanzspritze für die Weltwirtschaft. Mit insgesamt 1000 Milliarden Dollar wollen die G-20-Staaten die von der Krise betroffenen Staaten stützen und dem Welthandel neue Impulse geben.

Das schärfere Regelwerk für die Finanzmärkte stellt nicht zuletzt Hedgefonds unter Kuratel. Sie müssen sich in Zukunft bei nationalen Aufsichtsbehörden registrieren lassen und offenlegen, in welchem Ausmaß sie Investitionen mit Krediten finanzieren. Auch Rating-Agenturen müssen strengeren Auflagen folgen.

Nach dem G-20-Gipfel sparten die Teilnehmer denn auch nicht mit Lob. Das Treffen habe den Durchbruch gebracht für eine lückenlose Regulierung und Kontrolle der Finanzmärkte, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Freitag vor dem Treffen der Euro-Gruppe in Prag. "Ich bin sehr zufrieden, dass die USA sehr hilfreich waren, weitere Regulierung umzusetzen."

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde sagte, die Maßnahmen würden vor allem den besonders hart von der Krise getroffenen Schwellenländern helfen. "Was erreicht wurde gestern Abend war sehr, sehr gut, weil es ein Zeichen der Einigkeit war." Jetzt sei die Grundlage geschaffen, um das Finanzsystem zu stabilisieren.

Kritiker wie der Chefvolkswirt der SEB-Bank wenden jedoch ein, dass das Kommuniqué die Gefahr berge, dass ein Regulierungsgefälle zwischen den Finanzplätzen entstehe. "Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden". Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin hält die Regelung dagegen für "viel zu milde".

Der stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, bemängelt, dass die Probleme, die die Krise für den Arbeitsmarkt nach sich zieht, in keiner Weise berücksichtigt seien. "Das ist keine angemessene Reaktion auf die Beschäftigungskrise."

Lob kam wiederum vom Großinvestor George Soros "Das kann sehr wohl ein Wendepunkt werden, denn die Regierungen haben sich zusammengeschlossen und handeln gemeinsam", sagte Soros in Interviews mit dem Fernsehsender BBC und dem US-Sender CNBC. Die Staaten hätten eine weitere Verschärfung der Krise verhindert, wie sie vor allem für Osteuropa zu befürchten gewesen sei, betonte der Multimilliardär. "Sie haben mehr zustande bekommen, als ich erwartet habe. Es ist ihnen tatsächlich gelungen, ein paar Hasen aus dem Hut zu zaubern, und nach meinem Dafürhalten ist die Abschlusserklärung sehr beeindruckend."

Doch wie bewertet die deutsche Forscherelite die Ergebnisse? In einer Umfrage hat SPIEGEL ONLINE die führenden Experten befragt.



insgesamt 18 Beiträge
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Noodles, 03.04.2009
1. Dieselben Gesichter dieselben Leute
Zitat von sysopDie Ergebnisse des Londoner G-20-Gipfels haben weltweit ein positives Echo hervorgerufen. Doch reichen die Beschlüsse wirklich aus, um die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen? Neun führende deutsche Ökonomen antworten auf SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,617228,00.html
die jahrelang auf die freien Kräfte des freien Marktes ohne strörende Staatsregulierung gesetzt, und die jegliche staatliche Einflussnahme als kommunistsiches Teufelszeug propagiert haben,wissen es jetzt mit derselben Unverschämtheit und Dreistigkeit genau anders herum. Diese Nichstkönner sollten mal einiger Jahre für Ihre fürstlichen Gehälter richtig arbeiten müssen. Als Oskar Lafontaine vor über 10 Jahren auf die Gefahr dessen hingewiesen hat,was derzeit passiert, wird seit Jahren mit einher regelrechten Progromhetze der gleichgeschalteten Gazetten überzogen. Einfach nur noch widerlich das Ganze. Man kann gar nicht soviel fressen.......
nil75 03.04.2009
2. eine frage des standpunkts
Zitat von sysopDie Ergebnisse des Londoner G-20-Gipfels haben weltweit ein positives Echo hervorgerufen. Doch reichen die Beschlüsse wirklich aus, um die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen? Neun führende deutsche Ökonomen antworten auf SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,617228,00.html
sagen wir es doch präziser: "Die Ergebnisse des Londoner G-20-Gipfels haben in den Ländern der G20 positive Reaktionen hervorgerufen."
PML, 03.04.2009
3. Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren - wie gehabt.
Zitat von Noodlesdie jahrelang auf die freien Kräfte des freien Marktes ohne strörende Staatsregulierung gesetzt, und die jegliche staatliche Einflussnahme als kommunistsiches Teufelszeug propagiert haben,wissen es jetzt mit derselben Unverschämtheit und Dreistigkeit genau anders herum. Diese Nichstkönner sollten mal einiger Jahre für Ihre fürstlichen Gehälter richtig arbeiten müssen. Als Oskar Lafontaine vor über 10 Jahren auf die Gefahr dessen hingewiesen hat,was derzeit passiert, wird seit Jahren mit einher regelrechten Progromhetze der gleichgeschalteten Gazetten überzogen. Einfach nur noch widerlich das Ganze. Man kann gar nicht soviel fressen.......
Das ist aus deren Sicht auch in sich schlüssig. Als "der Staat" dabei hinderte, Marktmachtstrukturen aufzubauen, war er denen eben im Weg. - Nun hat sich herausgestellt, dass "der Markt" heiße Luft war. Also brauchen die den Staat, sprich Subventions-Moneten aus unseren Steuergeldern, um weiter auf großem Fuß leben zu können. Um den Preis gigantischer Verbrauchssteuererhebungen werden jetzt unter dem Label "Arbeitsplätze" diejenigen Unternehmen gestützt, die am Markt scheiterten - als sie zu laut danach riefen. Klassische Negativ-Auslese zur Eliterekrutierung - wie in Deutschland seit alters her üblich. Kotzen, meinten Sie? Ja, auch da ist leider viel dran.
guckmal 03.04.2009
4. werder manager noch ökonomen schuld
Zitat von Noodlesdie jahrelang auf die freien Kräfte des freien Marktes ohne strörende Staatsregulierung gesetzt, und die jegliche staatliche Einflussnahme als kommunistsiches Teufelszeug propagiert haben,wissen es jetzt mit derselben Unverschämtheit und Dreistigkeit genau anders herum. Diese Nichstkönner sollten mal einiger Jahre für Ihre fürstlichen Gehälter richtig arbeiten müssen. Als Oskar Lafontaine vor über 10 Jahren auf die Gefahr dessen hingewiesen hat,was derzeit passiert, wird seit Jahren mit einher regelrechten Progromhetze der gleichgeschalteten Gazetten überzogen. Einfach nur noch widerlich das Ganze. Man kann gar nicht soviel fressen.......
sollen damit die ökonomen gemeint sein?? viele von denen haben schon vor jahren vor zu laschen regelungen gewarnt. nur zuhören wollte niemand.
lotse2 03.04.2009
5. Freiheit u. Zivilisation am Abgrund
Freiheit u. Zivilisation am Abgrund Wahre Ursache allen Elends sind, wie 1929, die Zentralbanken (Inflationsmaschinen), vorrangig USA, die gemeinsam mit naiven, unfähigen u./od. verantwortungslosen Politikern, Bankern u. Ökonomen durch astronomische Geldmengenvermehrung (Ursache der Inflation) u. perfide Zins- und Kreditmanipulation systematisch die Bürger ausplündern – natürlich "legal". Der riesige, deckungslose Falschgeldgeldsumpf (fiat money) wird uns ersticken. Dieselben Brandstifter spielen sich jetzt als Retter auf und gießen weiter Benzin ins Feuer! Für die Folgen werden wir alle bitter bezahlen - wirtschaftl. u. politische Erschütterungen sowie weitere Staatsbankrotte nicht ausgeschlossen! Wo sind die Ökonomen u. Journalisten, die gegen solche skrupellose Räuberei das Wort erhoben/erheben?! Die gut dotierten Mainstream-Ökonomen u. Journalisten in öffentl./halböffentl. Institutionen bieten ein intellektuelles Trauerspiel! Nur wenige Fachleute warnen, gestützt auf grund-legende Erkenntnisse großer Ökonomen wie Mises u. Hayek, schon lange fundiert, ungeschminkt u. eindringlich vor den tiefgreifenden Folgen marktfremder Eingriffe auf Freiheit u. Zivilisation, insbes. Roland Baader (Hayek-Schüler) in seinem Buch: "Geld, Gold u. Gottspieler – Am Vorabend der näch-sten Weltwirtschaftskrise"/2004. Man hat aus 1929 nichts gelernt! The game is over.
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