Ökonomen-Vorschlag Kinderlose sollen mit Rentenhalbierung bestraft werden

Die Rente für Kinderlose sollte nach Ansicht von ifo-Chef Hans-Werner Sinn halbiert werden. Nur so könne die Überalterung der deutschen Bevölkerung gestoppt und das Rentensystem sinnvoll reformiert werden, schreibt der Wirtschaftsforscher in einer Studie.


Hans-Werner Sinn: Wer nicht wirft, soll zahlen
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Hans-Werner Sinn: Wer nicht wirft, soll zahlen

München - "Heute entsteht aus der Kinderlosigkeit ein massiver materieller Vorteil, den immer mehr Menschen für sich reklamieren." Die Umlagerente und die kapitalgedeckte Vorsorge, die so genannte "Riester-Rente", müssten nach der Kinderzahl gestaffelt werden, forderte Sinn.

"Wer keine Kinder hat, kann sparen, weil er keine Ausgaben für die Kindererziehung leisten muss", erklärte der Chef des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Nur wer mindestens drei Kinder großziehe und durchschnittliche Beiträge zahle, könne die umlagefinanzierte Rente im bisherigen Umfang erhalten. Mit nur einem oder zwei Kindern könne eine anteilige Rentenkürzung zugemutet werden.

Kinderlose müssten ihre Altersvorsorge mit sechs bis acht Prozent ihres Bruttoeinkommens gemäß des Konzepts der "Riester-Rente" vorfinanzieren. Dann würden auch Kinder in der Lebensplanung wieder ein stärkeres Gewicht erhalten, schreibt Sinn. Dabei gehe es nicht darum, dem Staat Eingriff in die Familienplanung zu ermöglichen. Im Gegenteil, mit diesem Entwurf würde sich der Staat wieder aus den Lebensplanungen der Menschen zurückziehen.

Nach Meinung Sinns bietet das derzeitige Rentensystem viel zu große Anreize kinderlos zu bleiben, da die Versorgung im Alter auch ohne Kinder gewährleistet sei. "Früher erwuchs aus der Kinderlosigkeit eine Bedrohung für das eigene Leben, die es unter allen Umständen zu vermeiden galt", so Sinn. Zudem müsse sich der Staat in Deutschland stärker an den Kosten für Kindererziehung beteiligen und Kinder steuerlich stärker berücksichtigen.

Die deutsche Bevölkerung altere schneller als fast alle anderen Länder der Welt. Mit einer Veränderung des Rentensystems ließen sich diese demographischen Veränderungen hin zu einer überalterten Gesellschaft langfristig abwenden, prognostizierte Sinn. Könne dieses Ziel nicht erreicht werden, erwartet er einen Kollaps des Systems der Umlagerente und das weitere Erlahmen der wirtschaftlichen Dynamik in Deutschland.



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