Öl-Dynastie Rockefellers wollen Exxon umkrempeln

Die Rockefellers wollen dem Treiben nicht länger zusehen: Die wenig umweltfreundliche Strategie des Ölkonzerns Exxon Mobil geht dem Clan zunehmend gegen den Strich. Jetzt sollen die Machtverhältnisse neu geordnet werden.


Houston - "Teile und herrsche" - nach diesem Prinzip will der Großaktionär seinen Einfluss im größten und profitabelsten Ölkonzern der Welt neu definieren. Künftig, so sagte ein Sprecher der Familie Rockefeller der "Financial Times", solle die Position des Chairman und die des CEO von zwei verschiedenen Personen ausgefüllt werden. Auch der Verwaltungsrat soll zusätzliche Entscheidungskompetenzen bekommen. "Ein Großteil der Familie ist besorgt über den Kurs, den der Konzern eingeschlagen hat. Wir glauben, dass eine neue Machtstruktur notwendig ist", sagte der Sprecher.

Exxon-Mobil-Tankstelle: Das Wort der Familie hat Gewicht
AP

Exxon-Mobil-Tankstelle: Das Wort der Familie hat Gewicht

Sollten die Rockefellers mit ihrem Antrag auf der kommenden Hauptversammlung am 28. Mai Erfolg haben, dann würde dies für Exxon gleich in mehrfacher Hinsicht eine Zeitenwende bedeuten.

Die Augenfälligste wäre der wiedererwachte Wunsch der Familie, ihren Einfluss als Großaktionär auch öffentlich sichtbar geltend zu machen. Denn seit dem Rückzug John D. Rockefellers aus dem Tagesgeschäft hatte sich die Familie immer weiter aus dem Unternehmen zurückgezogen. Inzwischen wissen nur noch Eingeweihte, wie groß der Anteil ist, über den die Nachkommen des Standard-Oil-Gründers an dem Nachfolgeunternehmen Exxon Mobil verfügen. Trotzdem ist man in Analystenkreisen überzeugt, dass ihr Wort Gewicht hat. In letzter Zeit hatten sich einzelne Mitglieder der Familie immer deutlicher zu Wort gemeldet - jetzt, so scheint es, macht der Clan ernst.

So hatte US-Senator Jay Rockefeller speziell die Umweltpolitik von Exxon Mobil beklagt. Trotz exorbitanter Gewinne in Höhe von fast 40 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr habe Exxon Mobil keinerlei Engagement für den Kampf gegen den Klimawandel gezeigt. Zu diesem Thema wolle die Familie jetzt auf der Hauptversammlung einige Vorschläge zur Diskussion stellen.

Die Kritik des US-Senators fiel dabei noch zurückhaltend aus. Nach Erkenntnissen der britischen Forschungsgesellschaft Royal Society sorgte Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson im Jahr 2005 sogar mit 2,9 Millionen Dollar dafür, dass etliche Gruppen irreführende Informationen über den Klimawandel verbreiteten. Die Tageszeitung "New York Times" hatte den Ölkonzern daraufhin zum "Feind des Planeten" erklärt.

Dass Tillerson sich dem neuen Kurs der Familie wird beugen müssen, davon sind nicht wenige Experten überzeugt. Nicht zuletzt, weil ihm in den vergangenen Monaten auch die notwendige Fortune fehlte, um unangefochten dazustehen.

So kassierte Exxon Mobil jüngst eine denkbar herbe Schlappe im Zusammenhang mit der Erschließung des riesigen Point-Thomson-Ölfelds in Alaska. Der Natural Resources Commissioner von Alaska, Tom Irwin, hatte den 1,3 Milliarden Dollar schweren Vorschlag kurzer Hand verworfen. Die Behörden werfen den Energiekonzernen vor, die Erschließung des Feldes absichtlich zu verzögern - letztendlich könnte das Exxon Mobil die Lizenz kosten. Auch in anderen Staaten stößt der Konzern zunehmend auf Widerstand bei der Erschließung neuer Felder.

mik



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.