Öl-für-Lebensmittel im Irak Deutsche Firmen in Schmiergeldskandal verwickelt

2000 Firmen haben im Rahmen des Öl-Für-Lebensmittel-Programms an den Irak Schmiergelder gezahlt. Ex-Diktator Saddam Hussein konnte so 1,8 Milliarden Dollar beiseite schaffen, heißt es in einem Untersuchungs-Bericht. Auch Deutsche Firmen waren in den Korruptions-Skandal verwickelt.


New York - Neben US-Firmen werden auch zahlreiche europäische Großunternehmen in dem Bericht aufgezählt, der die Effekte des Öl-für-Lebensmittel-Programms untersuchte. Darunter sind DaimlerChrysler, Siemens, BNP Paribas, Weir Group und Volvo. Jedoch hätten nicht alle genannten Firmen bewusst unerlaubte Zahlungen geleistet, betonte Paul Volcker, der Leiter der zuständigen Untersuchungskommission. Viele hätten auch Vertreter im Irak eingesetzt gehabt, die die Machthaber eigenmächtig bestochen hätten, so der ehemalige US-Notenbank-Chef.

Kommissionsleiter Volcker: Nicht alle Firmen wussten von den Zahlungen
AFP

Kommissionsleiter Volcker: Nicht alle Firmen wussten von den Zahlungen

Saddam Hussein habe durch die Schmiergeldzahlungen insgesamt rund 1,8 Milliarden Dollar für eigene Zwecke auf die Seite geschafft, erklärte Volcker weiter. Insgesamt zählt der Bericht 2000 Firmen und Institutionen auf, die in Schmiergeldzahlungen im Rahmen des UN-Programms verwickelt waren. Die Unternehmen hätten Husseins Regierung bestochen, um an Aufträge zu kommen, heißt es.

Das 64 Milliarden Dollar umfassende Öl-für-Lebensmittel-Programm erlaubte dem Irak von 1996 bis 2003, eine bestimmte Menge Erdöl zu verkaufen. Die Einnahmen sollten genutzt werden, um Lebensmittel und Medikamente für die Bevölkerung zu bezahlen. So sollten die Folgen der Wirtschaftssanktionen, die nach dem Einmarsch des Iraks in Kuwait verhängt worden waren, abgemildert werden. Die Kommission hatte in Zwischenberichten bereits die mangelnde Kontrolle des Programms kritisiert. Insbesondere gegen dessen damaligen Leiter Benon Sevan wurden schwere Korruptionsvorwürfe erhoben.



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