Öl-Rally Barrel-Preis überspringt die 63-Dollar-Marke

Mögliche Engpässe in den USA und Terrorfurcht im Förderland Saudi-Arabien haben den Ölpreis über die Rekordmarke von 63 Dollar getrieben. Die teure Energie wird jetzt auch Thema im Wahlkampf. Bundeskanzler Gerhard Schröder will "weg vom Öl".


Ölförderung in Saudi-Arabien: Terrorfurcht belastet die Märkte
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Ölförderung in Saudi-Arabien: Terrorfurcht belastet die Märkte

New York/London - Die Notierung für die Referenzmarke Light Sweet Crude kletterte heute kurz nach Handelseröffnung in New York auf das Allzeithoch von 63,60 Dollar. In London zog der Preis für das Barrel der Nordseemarke Brent nach und notierte am Nachmittag erstmals bei 62,30 Dollar. Im weiteren Handelsverlauf peilte der Kurs an den Märkten die Marke von 64 Dollar an.

Händler nannten als einen der Gründe für die Rekordpreise die Nachricht von einer Sicherheitswarnung in Saudi-Arabien und der anschließenden Schließung der US-Botschaft in der Hauptstadt Riad sowie zweier Konsulate. Die Vertretungen sollen erst am Mittwoch wieder geöffnet werden. Konkrete Angaben über die Art der Gefahr machten die USA nicht. Der Wüstenstaat ist der weltweit größte Ölexporteur mit einer täglichen Förderquote von derzeit rund 9,5 Millionen Barrel.

Darüber hinaus treibt die Händler die Sorge um die Kapazitäten der Raffinerien im größten Ölverbraucherland USA um. Aktueller Anlass war die Raffinerie von ExxonMobile in Joliet im Bundesstaat Illinois mit einer Kapazität von 245.000 Barrel pro Tag. Wegen technischer Probleme ist die Anlage bereits seit einer Woche außer Betrieb. Ihr Wiederanfahren verzögert sich weiter.

Weil die Raffinerien bereits seit Wochen unter Volllast laufen, erhöht sich die Gefahr von Pannen. Zugleich müssen sich die USA und andere Länder der Nordhalbkugel nun aber für die bevorstehende Heizperiode im Winter bevorraten.

Schröder will "weg vom Öl"

Unterdessen avancieren die hohen Energiekosten zu einem Thema im laufenden Bundestagswahlkampf. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich für eine effektivere Nutzung erneuerbarer Energieträger ausgesprochen.

"Wir brauchen eine politische Strategie des weg vom Öl", sagte der Kanzler bei einem Firmenbesuch im sauerländischen Plettenberg. Angesichts des derzeitigen Rohölpreises müsse die Bundesrepublik unabhängiger vom Öl werden. Die aktuelle Entwicklung in Iran lasse keine sicheren Prognosen zu, wie sich der Preis weiter entwickeln werde.

Iran hat heute ungeachtet internationaler Warnungen seine Atomanlage in Isfahan wieder in Betrieb genommen. Damit riskiert die Islamische Republik, dass der Streit um ihr Atomprogramm vor dem Weltsicherheitsrat landet, der Sanktionen verhängen könnte. Die Uno-Atomenergiebehörde IAEA berät am Dienstag über den Atomstreit und könnte den Sicherheitsrat anrufen.

Die Ölpreise liegen derzeit rund 40 Prozent über denen vor einem Jahr. Wird die Inflation allerdings herausgerechnet, ist das Preisniveau immer noch bedeutend niedriger als nach der Revolution in Iran 1979. Auf die heutige Situation umgerechnet kostete der Barrel damals 80 Dollar.



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