Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea hält an Beteiligungen in Russland fest

Gestiegene Öl- und Gaspreise haben Wintershall Dea einen Gewinnsprung eingebracht. Trotz des Ukrainekriegs will der Konzern seine Kooperation mit Gazprom fortführen – andernfalls würde man Moskau »ein großes Geschenk machen«.
Zentrale der Wintershall-Holding in Kassel (Archivbild): »Unsere Meinung über das Russlandgeschäft hat sich nicht geändert«

Zentrale der Wintershall-Holding in Kassel (Archivbild): »Unsere Meinung über das Russlandgeschäft hat sich nicht geändert«

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Uwe Zucchi/ dpa

Der Öl- und Gasförderer Wintershall Dea möchte trotz des Kriegs in der Ukraine nicht aus seinen Beteiligungen in Russland aussteigen. »Unsere Meinung über das Russlandgeschäft hat sich nicht geändert«, sagte Vorstandschef Mario Mehren am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Wintershall Dea werde seine Gemeinschaftsunternehmen in Russland mit dem russischen Gaskonzern Gazprom fortsetzen. Der Vorstand sei verpflichtet, die Vermögenswerte von Wintershall Dea in dem Land und die Mitarbeiter dort zu schützen, betonte Mehren.

»Russland einfach zu verlassen, würde bedeuten, der russischen Regierung ein großes Geschenk zu machen, und ich sehe keinen Grund dafür.« Bei einem Rückzug würden laut Mehren Milliardenwerte an den russischen Staat fallen.

Etwa die Hälfte der Öl- und Gasproduktion des Konzerns stammt aus Russland. Mehren betonte, man habe die Zahlungen nach Russland eingestellt und mit einem klaren Nein auf neue Projekte in Russland sowie mit russischen Partnern außerhalb Russlands reagiert. Die Beteiligung an bestehenden Projekten in Russland erhalte man allerdings aufrecht. Es fließe durch sie aber kein frisches Geld nach Russland.

An Wintershall Dea hält der Chemiekonzern BASF derzeit 72,7 Prozent und die Investorengruppe Letter One des russischen Milliardärs Michail Fridman 27,3 Prozent. Im zweiten Quartal hat Wintershall Dea dank kräftig gestiegener Öl- und Gaspreise deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Zudem profitierte der Konzern von höheren Produktionsmengen und niedrigeren Investitionen. Unter dem Strich erhöhte sich der Gewinn von 62 auf 668 Millionen Euro.

Wintershall Dea ist in Russland an drei Förderprojekten am Erdgasfeld Juschno Russkoje sowie der Achimov-Formation des Urengoi-Felds in Sibirien beteiligt. Das Unternehmen ist mit einem Anteil von 15,5 Prozent zudem Miteigentümer der Nord Stream AG, der die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 gehört.

Kein Verkauf von Nord-Stream-1-Anteilen geplant

Der Gazprom-Konzern, der eine Mehrheit von 51 Prozent an dem Pipelineprojekt hält, hatte am Montag eine Halbierung der Gasliefermenge angekündigt – nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostseepipeline. Mehren sagte, er spekuliere nicht über die Gründe für die Reduzierung der Liefermengen. »Ich habe keine Einsicht, selbst als Aktionär der Nord Stream AG, was die wirklichen Gründe für diese Reduzierung sind.« Wintershall Dea plane, keine Anteile an dem Pipelineprojekt zu verkaufen, auch wenn Gazprom das Vertrauen in Russland als zuverlässigen Lieferanten für Europa zerstört habe.

Wenn Europa seine Abhängigkeit von Importen verringern wolle, sei die Produktion innerhalb der EU ein Muss, sagte Mehren. »Wir brauchen wieder mehr heimische Förderung.« Wintershall Dea prüfe daher alle Optionen, um die Produktion aus seinen deutschen Feldern so schnell wie möglich zu steigern. Derzeit fördert das Unternehmen hierzulande aus 16 Öl- und rund 40 Gasfeldern. Der Konzern hatte zuletzt angekündigt, seine umstrittene Förderung im Wattenmeer  ausbauen zu wollen.

Wintershall will sein Geschäft auch in anderen Ländern ausweiten. Alle Optionen für zusätzliche Gasmengen und eine zusätzliche Energieversorgung würden geprüft, hieß es. Dazu gehörten die Großprojekte Nova, Njord und Dvalin in Norwegen, die Ende des Jahres die Produktion aufnehmen sollen. Zudem prüfe Wintershall Dea Möglichkeiten in Ländern, in denen das Unternehmen bereits aktiv sei, wie etwa Algerien. Zudem will der Konzern geplante Investitionen in den Bereichen Carbon Management und Wasserstoff vorantreiben.

sol/Reuters/dpa
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