Ölhandel Opec kürzt Fördermenge - Benzinpreis auf Jahreshoch

Die Organisation Erdöl exportierender Länder wird die Ölproduktion von Donnerstag an um täglich eine Million Barrel zurückfahren. Damit haben sich die Aussichten auf sinkende Benzinpreise in Deutschland verringert.


Benzin-Zapfhahn: "Die aktuellen Preise haben mit Ostern nichts zu tun"
AP

Benzin-Zapfhahn: "Die aktuellen Preise haben mit Ostern nichts zu tun"

Wien/Hamburg - Die Minister der Opec haben sich auf ihrer Sitzung in Wien darauf verständigt, von diesem Donnerstag an täglich nur noch 23,5 Millionen Barrel zu fördern. Die Organisation, die etwa ein Drittel des weltweiten Öl-Ausstoßes kontrolliert, bestätigte damit ihre bereits im Februar getroffene Entscheidung.

Angesichts der hohen Rohölpreise, die in den vergangenen Tagen auf ein 13-Jahres-Hoch geklettert waren, hatten einige Mitgliedstaaten eine Verschiebung dieser Maßnahme vorgeschlagen. Sie fürchteten, dass diese Rekordwerte die Konjunktur in den Industrieländern und damit langfristig die Nachfrage nach Rohöl dämpfen könnte.

Für die hohen Preise könne die Opec nicht verantwortlich gemacht werden, hieß es nun in der Abschlusserklärung der Minister. Es sei nach wie vor das Ziel, den Opec-Korbpreis ins vereinbarte Preisband von 22 bis 28 Dollar je Barrel zurückzuführen. Die 28-Dollar-Marke ist in diesem Jahr allerdings noch nie unterschritten worden. Opec-Öl kostete noch am Dienstag 31,70 Dollar je Barrel.

US-Präsident George W. Bush hat die OPEC-Entscheidung kritisiert. "Der Präsident ist enttäuscht. Die Produzenten sollten keine Schritte unternehmen, die den amerikanischen Verbrauchern oder unserer Wirtschaft schaden", sagte sein Sprecher Scott McClellan. Die US-Regierung sei in Kontakt mit den Ölförderländern innerhalb und außerhalb der OPEC, um ihre Haltung deutlich zu machen.

Sollten die Opec-Mitglieder die Disziplin besitzen, ihre tatsächliche Produktion zu drosseln, könnten die Preise für Rohöl sich der 40-Dollar-Marke nähern, sagte Leo Drollas, Chefökonom des in London ansässigen Center for Global Energy Studies. Ein Barrel Öl der Sorte Light Sweet Crude hatte am 17. März mit 38,35 Dollar den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht. Am Mittwoch fiel in New York der Preis für Mai-Kontrakte dieser Sorte um 11 Cents auf 36,14 Dollar je Barrel; in London legten dagegen die Mai-Kontrakte der Nordseesorte Brent um 19 Cent auf 32,64 Dollar je Barrel zu.

In Deutschland haben die Benzinpreise mittlerweile den höchsten Stand des Jahres erreicht. Ein Liter Normalbenzin kostete am Mittwoch im Durchschnitt 1,11 Euro, die meistgetankte Benzinsorte Super 1,13 Euro. Das sind fünf bis sechs Cent mehr als zu Beginn des Jahres, aber drei Cent weniger als vor dem Beginn des Irak-Krieges 2003. Diesel kostet 91 Cent je Liter.

Während der ADAC den Ölkonzernen Preistreiberei vorwarf und vor weiteren Preisanhebungen warnte, verwiesen die Ölfirmen auf die historische Höchststände. "Die aktuellen Preise haben mit Ostern nichts zu tun, wohl aber mit unseren Einkaufspreisen am europäischen Ölmarkt in Rotterdam", sagte Karl-Heinz Schult-Bornemann von ExxonMobil (Esso). Dort koste eine Tonne Benzin mit 374 Dollar so viel wie noch nie. Zu Jahresbeginn waren es 298 Dollar je Tonne.

"Wenn der Euro nicht relativ stark wäre, müssten die Autofahrer noch mehr für das Benzin bezahlen", sagte er.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.