Ölkonferenz in Saudi-Arabien Scheichs lullen den Westen ein

100, 120, 140 Dollar - der Ölpreis springt von Rekord zu Rekord. Saudi-Arabien lädt jetzt zum Krisengipfel, und der Westen nimmt dankend an. Doch die bittere Wahrheit ist: Kein Land der Welt kann die Förderung nennenswert erhöhen, das Angebot bleibt knapp. Experten wetten auf neue Preisschübe.

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Hamburg - Es wird ein Gipfel der besonderen Art. König Abdullah von Saudi-Arabien, der "Hüter der zwei heiligen Moscheen", ruft die Welt an diesem Wochenende nach Dschiddah. Minister, Regierungschefs und Präsidenten nehmen die Einladung dankend an - auch wenn sie recht kurzfristig ausgesprochen wurde: Die Idee zu der Konferenz hatte Abdullah erst vor zehn Tagen.

Das Thema ist einfach zu wichtig, um den Ruf des Königs zu ignorieren. Aus allen Kontinenten werden sie deshalb nach Dschiddah strömen, um die Botschaft der Saudis zu vernehmen: Öl ist nicht knapp, macht euch keine Sorgen, die Preise werden wieder sinken.

Ölraffinerie in Saudi-Arabien: "Psychologischer Effekt"
DPA

Ölraffinerie in Saudi-Arabien: "Psychologischer Effekt"

Der Krisengipfel wurde nötig, weil der Ölpreis auf immer neue Rekorde klettert. Zuletzt sprang er auf rund 140 Dollar pro Fass - doppelt so viel wie vor zehn Monaten. Die Welt stellt sich nun die bange Frage: Geht das ewig so weiter? Oder lässt sich der Preis irgendwie drücken?

Genau das wollen die Gipfelteilnehmer in Dschiddah erörtern. Im Kern geht es darum, neue Ölquellen zu erschließen, vorhandene Felder besser auszubeuten und die Förderkapazitäten voll auszulasten. Mit anderen Worten: das Angebot zu erhöhen, damit der Preis wieder sinkt.

Weltweit werden derzeit 81,5 Millionen Barrel am Tag gefördert. Auf der Konferenz in Dschiddah soll nun beschlossen werden, die Produktion um 200.000 bis 300.000 Barrel auszuweiten. Das ist zumindest der Wunsch der Saudis. Doch Fachleute sind skeptisch. "Die Menge ist eigentlich nichts", sagt Eugen Weinberg, Ölexperte bei der Commerzbank. "Es geht eher um den psychologischen Effekt."

An den Rohstoffmärkten ist denn auch keine große Reaktion zu erwarten. "Die höhere Förderung ist schon eingepreist", sagt Weinberg. Mit anderen Worten: Der aktuelle Ölpreis spiegelt die Ergebnisse der Konferenz bereits wider.

Schlimmstenfalls könnte der Ölpreis am Montag nach der Konferenz sogar steigen, schätzt Weinberg. "Spekulanten werden dann Gewissheit haben: Das weltweite Ölangebot erhöht sich nur unwesentlich."

Gut Wetter mit den Amerikanern

Dabei besteht noch eine weitere Gefahr. Denn wenn Saudi-Arabien seine Produktion um die besagten 200.000 bis 300.000 Barrel erhöht, dann hat das einen entscheidenden Nebeneffekt: Die Reserven des Landes werden schneller aufgebraucht als bisher. "Das könnte die Märkte nervös machen", sagt Manfred Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Im Ergebnis würde der Ölpreis steigen."

Ähnlich sieht das Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln: "Das ist ein Doppelspiel. Einerseits fahren die Saudis die Produktion ein wenig hoch. Andererseits äußern sie Bedenken, dass die Versorgungssicherheit langfristig in Gefahr ist - und treiben damit den Preis nach oben."

Immerhin: Einen gewissen Handlungsbedarf sehen die Scheichs durchaus - sonst hätten sie nicht zur Krisenkonferenz geladen. Für Bardt vom IW war das vor allem eine politische Entscheidung: "Es geht um gut Wetter mit den Amerikanern."

Andererseits gibt es aus saudischer Sicht auch realwirtschaftliche Gründe, die für die Konferenz sprechen. Denn wenn der Ölpreis weiter steigt, stürzen die Industrieländer zwangsläufig in eine Wirtschaftskrise. Das jedoch könnte die Ölnachfrage mittelfristig drücken. "Saudi-Arabien sieht diese Gefahr und will jetzt reagieren", sagt Horn vom DIW.

Knappe Kapazitäten - Ölförderung in der Opec *

Förderung
im April 2008
vorhandene
Kapazitäten
Algerien 1,38 1,40
Indonesien 0,86 0,88
Iran 3,93 4,02
Kuweit 2,59 2,62
Libyen 1,76 1,80
Nigeria 1,86 2,47
Katar 0,83 0,90
Saudi Arabien 9,05 10,90
Ver. Arab. Emirate 2,65 2,88
Venezuela 2,32 2,50
Angola 1,82 1,82
Ecuador 0,50 0,50
Irak 2,34 2,45

* in Millionen Barrel pro Tag
Quelle: Internationale Energieagentur

Das Problem ist nur: Andere Opec-Länder wollen nicht mitziehen - oder sie können nicht. Die meisten Mitglieder des Kartells produzieren schon jetzt am Maximum ihrer Kapazitäten (siehe Tabelle). "Iran zum Beispiel kann seine Ölexporte nicht erhöhen", erklärt Horn. "Die haben einen extrem hohen Eigenbedarf."

Nennenswerte Kapazitäten sind nur in Saudi-Arabien selbst vorhanden. "Theoretisch hätte das Land Spielraum, die Förderung stärker auszuweiten als angekündigt", sagt Horn. "Aber warum sollten sie - bei den Preisen."

BP meldet weltweit sinkende Ölproduktion

Entsprechend groß ist die Sorge in der Ölindustrie. Der französische Total-Konzern geht mittlerweile davon aus, dass sich die weltweite Ölförderung nicht mehr wesentlich steigern lässt. Bei 100 Millionen Barrel am Tag sei Schluss, sagte kürzlich Unternehmenschef Chistophe de Margerie. Kritisch äußerte sich auch BP: In einer aktuellen Studie stellt das Unternehmen fest, dass die weltweite Ölproduktion im vergangenen Jahr rückläufig war.

Nur mittel- und langfristig könnte mehr Öl auf den Markt gelangen: Je höher der Preis, desto mehr investieren die Firmen in die Förderung. Ein Beispiel ist Brasilien, wo nun neue Felder erschlossen werden. Auch in der Tiefsee und am Nordpol könnte sich die Ölförderung demnächst lohnen - zumindest wenn die Preise weiter steigen wie bisher.

Theoretisch haben auch der Irak und Nigeria großes Potential - dort macht aber die politische Lage eine Förderung im großen Stil unmöglich. "In Nigeria stoppen Rebellen gerade die Produktion von 250.000 Barrel täglich", erklärt Weinberg von der Commerzbank. Das heißt: Die zusätzliche Förderung aus Saudi-Arabien hilft gerade einmal, um diese Lücke zu füllen.

"Irgendwann knallt es"

Kapazitäten hätten außerdem noch Länder wie Russland oder Venezuela. Allerdings wird es dort immer schwieriger, Öl und Gas zu fördern. Denn die Regierungen wollen das Energieangebot bewusst knapp halten - und verweisen ausländische Firmen des Landes.

"Auf der Angebotsseite tut sich nicht viel", fasst Horn zusammen. Stattdessen erwartet der DIW-Experte eine Reaktion der Nachfrageseite. Soll heißen: Der hohe Ölpreis wird die Verbraucher veranlassen, weniger Öl zu kaufen. "Ich gehe davon aus, dass es irgendwann knallt", sagt Horn. In manchen Ländern wie Thailand machen die Energieimporte bereits zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. "Das kann nicht ewig gutgehen."

Bisher haben vor allem Industrieländer wie Deutschland und die USA ihren Ölverbrauch gesenkt. Künftig dürften aber auch Entwicklungsländer folgen. "Die Weltwirtschaft wird sich deutlich abkühlen", erklärt Horn. In der Folge dürfte die Nachfrage nach Öl zurückgehen - und damit der Preis.



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Hercules Rockefeller, 23.05.2008
1. Keine Panik
Als Expertenexperte der Bundesregierung ehrenhalber sage ich Ihnen, nix davon, was im Artikel steht wird so eintreten. Was die Möchtegernexperten nämlich völlig ausser Acht lassen ist, dass es durchaus nicht beim Status Quo bleiben muss und die ein oder andere bahnbrechende Efindung im Energiegewinnungsbereich anfallen könnte. Die Solartechbranche ist doch nur eine Bastelgruppe für Ökogören, keine relevante Energietechnik. Da werden noch andere Dinge hinzukommen. Auch das Auto wird sich noch auf Jahrzehnte jeder leisten können, és wird nur weniger gefahren. Ganz aufgegeben werden muss da garnix, alleine weil bei sehr vielen der Arbeitgeber zuschießen wird-andernfalls fahren die Arbeitskräfte eben bei der Konkurrenz auf den Hof. Alle können nicht in der Stadt wohnen. Mieten werden steigen, aber nicht explodieren. Der Markt macht den Preis. Und da die Leute nicht mehr verdienen, kann man sich dann als Vermieter aussuchen, ob man die Immobilie leer haben will oder wenigstens so vermietet, das man nahe Null bei den Kosten wieder rauskommt. Immobilien taugen schon heute nicht mehr als Anlage, das wird sich nicht mehr ändern und hat mit der Energieproblematik so garnix zu tun. Wärmepumpenpreise werden auch nicht explodieren. Glauben die Experten wirklich, ein ganzes Volk würde lieber erfrieren, als einfach ein Patent zu brechen? Selber machen geht immer und das wird auch passieren. Bis zu einem gewissen Grad kann man den Preis hochdrehen, danach wird man selber höher gehängt! Und so weiter... Im Gegenteil, es wird schön werden. Regionale Wirtschaft wird aufblühen, Verkehr wird zurückgehen und damit die Ruhe und Entspannung, es wird mehr miteinander geben und das Wetter wird endlich auch wärmer in Deutschland. Wir gewinnen auf der ganzen Linie!
apira 23.05.2008
2.
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt und steigt, und trotz wachsender Nachfrage kommen die Konzerne bei der Förderung nicht hinterher. Geht das fossile Zeitalter zu Ende? Und wenn ja: Was heißt das für Deutschland?
Es ist toll. Ökonomen und pragmatische Umweltpolitiker erzählen das seit 20 Jahren, aber auf einmal ists für alle ne große Überraschung. Wurden Befürworter einer Ökosteuer einst verlacht, dringt die Erkenntnis heute in den letzten Winkel vor, dass ein vernünftiges Modell einer solchen Abgabe die Zukunft sichert, während ich die großen Verschwender untergehen sehe. Klar, über kurz oder lang wird der Markt sich auf die veränderte Situation einstellen, und sich anpassen. Gewinnen werden aber diejenigen, die heute die Rahmenbedingungen des Marktes vorausschauend setzen. Entsprechend halte ich Ideen, gerade jetzt mit einer staatlichen Senkung der Energiepreise zu reagieren für den ganz falschen Ansatz. In diesen sauren Apfel werden wir beissen müssen, wenn unsere Gesellschaft verhältnismäßig weich landen will.
Eiermann 23.05.2008
3. Steigende Ölnachfrage aus Schwellenländern
Zwischen beidem muß kein Gegensatz bestehen. Die Unterschiede der Schwellenländer zu den etablierten Industrieländern sind natürlich insgesamt nach wie vor gewaltig. Was daran liegt, dass der beschleunigte Aufstieg dieser Länder gerade erst ein, zwei Jahrzehnte währt. Sie heißen schließlich nicht umsonst Schwellenländer. Was China angeht, habe ich neulich glaube ich sogar in einer Fernsehsendung von einem Rückgang oder gar Umkehr dieses Auswanderungsdrangs von Studenten gehört. Also dass chinesische Studenten, die im Ausland studieren, bereits viel weniger als früher im Ausland bleiben wollen, sondern viel bereitwilliger wieder nach China zurückkehren. Die nach wie vor bestehenden großen Unterschiede zwischen Schwellen- und Indusstrieländern ändern nichts daran, dass mit der Globalisierung neue große ökonomische Player auf den Weltmarkt getreten sind, die mit China, Indien und weiteren asiatischen Ländern bereits ganze Industrien aus den bisherigen Industrieländern abziehen und als zusätzliche ökonomische Akteure und Konsumenten entsprechend mehr Energie, darunter Öl verbrauchen. Ein zur Neige gehender Rohstoff führt zum Ausschluß von immer mehr Konsum und Konsumenten dieses Rohstoffs über steigende Preise. Um so mehr, wenn keine gleichwertigen Alternativen bereitstehen. Die millionenfach steigende Nachfrage aus den Schwellenländern stößt hier schlicht an physische Grenzen eines nur begrenzt vorhandenen Rohstoffs. Weil das Öl von immer mehr Produzenten und Konsumenten nachgefragt wird, wird diese Nachfrage logisch einer immer größer werdenden Zahl dieser Nachfrager über steigende Preise verwehrt. Naheliegend auch, dass das die Konsumenten mit geringeren Einkommen in eben jenen Schwellenländern zuerst trifft. Die Globaliserung mit Hunderten Millionen neuen Produzenten und Konsumenten stößt hier auf den Flaschenhals einer nur begrenzt vorhandenen und förderbaren Energieflüssigkeit und deshalb steigen die Preise entsprechend. Es kommt halt nur raus aus der Pulle, was drin ist und durch kommt. Was soll sich denn bei der stetig steigenden Nachfrage nach einem zu Ende gehenden Rohstoff zum Besseren ändern? Das finde ich lustig, wenn ich Öl- und Wirtschaftsexperten nur von Gefahren für die Konjunktur reden höre, sollte der Ölpreis länger als ein halbes Jahr so hoch bleibt wie jetzt. Ich fürchte, in einem halben Jahr ist er angesichts dieser Konstellationen noch viel höher als jetzt. Beunruhigend finde ich zumindest, dass diese reale Möglichkeit von den Experten noch kaum ins Auge gefasst wird.
Triakel 23.05.2008
4.
Ja, die Verfügbarkeit von Öl auf dem Weltmarkt wird jedes Jahr deutlich zurückgehen, mit steigenden Rückgangsraten. Währenddessen gilt für ein paar Förderländer noch business as usual, denn die haben noch für wenige Jahrzehnte genug Öl zum Verschwenden. Wir als eines der vielen Habenichts-Länder werden vermutlich 2030 kaum noch Öl importieren können. Etwas zeitversetzt wird dann auch der Import von Erdgas einbrechen, beginnend mit dem Ende der nächsten Dekade. In der Folge wird auch die Kohle sich stark verteuern. Folgen: geschlossene Theater, die die Heizkosten nicht mehr bezahlen können, kalte Wohnungen von Menschen bis in den Normalverdiener-Bereich hinein, drastisch zurückgehende Mobilität, Zusammenbruch vieler industrieller Wertschöpfungsketten, die besonders stark auf Öl basieren, drastischer Rückgang des Tourismus mit Insolvenz vieler Tourismus-Einrichtungen, erheblicher Rückgang des Steueraufkommens, was praktisch einem Staatsbankrott gleichkommt. Das wiederum bewirkt einen Niedergang der staatlich finanzierten Infrastruktur, der sozialen Transferleistungen (z.B. Renten) usw. Nun ja, ich möchte keinen Roman schreiben. Die detail-Auswirkungen soll sich jeder selbst ausmalen. Aber vielleicht naht von irgendwoher die Rettung und irgendjemand stellt uns in 10 Jahren eine kompltte Solar-Infrastruktur hin, die wir eigentlich in den letzten 40 Jahren hätten errichten müssen. Inklusive der Lösung des Speicherungsproblems für Solarstrom. Dann sind wir fein raus...
slugs, 23.05.2008
5.
Zitat von sysopDer Ölpreis steigt und steigt, und trotz wachsender Nachfrage kommen die Konzerne bei der Förderung nicht hinterher. Geht das fossile Zeitalter zu Ende? Und wenn ja: Was heißt das für Deutschland?
Ist doch toll. Not macht erfinderisch. Das hat für uns Menschen schon immer gegolten. Also soll die Panikmache ruhig weiter ausgebaut werden, dann werden wir auch schneller innovativ :)
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