Ölpreis Kostspielige Pokerpartie

Der Ölpreis ist auf ein Zweijahrestief gefallen. Der Streit zwischen der Opec und Russland, welcher für den Preisverfall verantwortlich ist, spitzt sich unterdessen weiter zu.


Rohöl: Kostspieliger Poker zwischen der Opec und den anderen Ölproduzenten
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Rohöl: Kostspieliger Poker zwischen der Opec und den anderen Ölproduzenten

Wien - Angesichts vorerst ausbleibender Fördersenkungen ist der Preis für Opec-Öl dramatisch gefallen. Wie das Opec-Sekretariat am Freitag in Wien mitteilte, wurden für Donnerstag nur noch 16,19 Dollar pro Barrel errechnet. Das sind fast zwei Dollar weniger als am Mittwoch, als die Opec-Staaten sich am Abend nicht auf eine sofortige Absenkung ihrer Produktion einigen konnten. Der Preis für Opec-Öl ergibt sich aus den Kosten für sieben verschiedene Öl-Sorten, die an den internationalen Märkten gehandelt werden.

Die Opec-Staaten hatten sich angesichts des seit Wochen anhaltenden Preisverfalls am Mittwochabend zwar grundsätzlich auf eine Drosselung ihrer Produktion um 1,5 Millionen Barrel pro Tag verständigt. Bedingung ist aber, dass Nicht-Opec-Staaten wie Norwegen, Mexiko und Russland ihre Produktion gleichfalls um insgesamt 500.000 Barrel täglich herunterfahren.

Während Mexiko zu einem Beitrag bereit ist und Norwegen zumindest ansatzweise Entgegenkommen signalisiert hat, lehnt Russland als größter Exporteur außerhalb der Opec eine deutliche Fördersenkung aber kategorisch ab.

Opec benutzt sinkende Preise als Druckmittel

Die Opec-Staaten spekulieren darauf, dass Russland und andere Länder einlenken werden, wenn der Ölpreis noch weiter fällt. Der kuweitische Ölminister Adel Chalid al-Sabeeh sagte dem "Wall Street Journal": "Es würde mich nicht wundern, wenn der Barrel auf zehn Dollar fällt." Der Preisverfall kann nach Ansicht al-Sabeehs nur gestoppt werden, wenn alle Ölproduzenten ihren Ausstoß reduzieren.

Bis dahin will die Opec die Preise bewusst purzeln lassen. "Wir sind bereit, die Konsequenzen zu tragen", so Ali Rodriguez, der Generalsekretär der Opec, "Wir für uns gibt es nach unten kein Limit."



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