Ölpreis-Krisengipfel Saudischer König will Milliardenhilfe für arme Länder

Saudi-Arabiens König Abdullah will den ärmsten Ländern der Welt helfen. Wegen der explodierenden Energiekosten regt er die Schaffung eines Opec-Fonds über eine Milliarde Dollar an. In Dschidda verhandeln Öl- und Industriestaaten derzeit über den hohen Ölpreis.


Dschidda - Saudi-Arabiens König Abdullah schlug vor, die Opec-Staaten sollten einen Sonderfonds auflegen, um Entwicklungsländern zu helfen, die am stärksten unter dem rasant gestiegenen Ölpreis zu leiden haben. Die Opec-Staaten sollten eine Milliarde Dollar zur Verfügung stellen, so Abdullah, sein eigenes Land werde weitere 500 Millionen Dollar in Form günstiger Kredite zuschießen. Er forderte die Weltbank auf, ein Treffen zu organisieren, um seine Initiative zu diskutieren. "Wir sind um die Verbraucher in allen Ländern sehr besorgt", sagte Abdullah.

Saudischer König Abdullah: Geld für die ärmsten Staaten?
DPA

Saudischer König Abdullah: Geld für die ärmsten Staaten?

Der Preis für Rohöl hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Das Sondertreffen der Opec-Staaten in Dschidda hatte Saudi-Arabien einberufen, nachdem der Ölpreis am 6. Juni innerhalb eines einzigen Tages um elf Dollar gestiegen war. Zwischenzeitlich stieg der Preis bis auf 140 Dollar je Barrel, am Freitag schlossen US-amerikanische Rohöl-Futures bei 134,62 Dollar.

Am heutigen Sonntag beraten die größten Ölförderländer und die wichtigsten Erdölimporteure deshalb über Maßnahmen gegen den hohen Ölpreis. Neben den Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) nehmen auch große Förderländer außerhalb der Opec, Importstaaten, Ölkonzerne und Vertreter großer Investmentbanken teil. Vertreter von 36 Staaten und 22 Ölkonzernen verhandeln in Dschidda. Deutschland wird von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vertreten. Er will sich gemeinsam mit anderen Großabnehmern wie Großbritannien bei der Opec für eine Erhöhung der Fördermenge einsetzen.

"Wir werden die Nachfrage befriedigen"

Die westlichen Industrienationen, die durch den hohen Ölpreis die Weltwirtschaft in Gefahr sehen, haben in der Vergangenheit starken Druck auf Saudi-Arabien ausgeübt, die Ölfördermenge zu steigern. König Abdullah sagte am Sonntag bei dem Treffen, sein Land sei bereit, "alle notwendigen zusätzlichen Öllieferungen" zur Verfügung zu stellen. Für den hohen Preis machte er Spekulation und Steuern verantwortlich. Abdullah sprach aber nicht von konkreten Erhöhungen der Fördermenge über die 9,7 Millionen Barrel pro Tag, die Saudi-Arabien bereits angekündigt hat. Der stellvertretende Ölminister Abdelasis bin Salman hatte schon am am Samstag versprochen: "Wir werden die Nachfrage befriedigen. Wenn die Nachfrage nach mehr Öl da ist, werden wir mehr verkaufen."

Saudi-Arabien hat die Ölfördermenge zuletzt im Mai um täglich 300.000 Barrel angehoben, für Juli bestätigte Ölminister Ali al-Naimi am Samstag eine geplante Steigerung um weitere 200.000 Barrel täglich. Am Sonntag sagte Naimi, man habe Kapazitäten für weitere 2,5 Millionen Barrel pro Tag ausgemacht, die erschlossen werden könnten, wenn die Nachfrage dies verlange.

"Unrealistische Bewertungen des Ölpreises"

Kritik an Saudi-Arabien übte Opec-Chef Tschakib Chelil. Eine Erhöhung der weltweiten Ölförderung lehnte er ab. Die auf den Märkten gezahlten Preise hätten absolut nichts mit dem Angebot und der Nachfrage zu tun, sagte er vor Beginn der Ölpreiskonferenz in Dschidda: "Wir glauben, dass der Markt im Gleichgewicht ist. Es ist kein Problem des Angebots." Ein eigenes Sondertreffen der Opec-Staaten lehnte Chelil, der auch algerischer Ölminister ist, ab. Das nächste reguläre Treffen finde im September statt, erst dann solle erneut über die Fördermenge des Erdölkartells beraten werden, forderte er.

Die Delegationen in Dschidda verhandeln derzeit vor allem über die Rolle von Spekulanten bei der Ölpreisentwicklung und über die Rolle, die Bio-Kraftstoffe künftig im globalen Energiemix spielen sollen. Laut Algeriens Nachrichtenagentur APS enthält ein Entwurf für eine Abschlusserklärung die Empfehlung "die Transparenz der Finanzmärkte hinsichtlich ihres Einflusses auf die Welt-Ölmärkte zu stärken". Über Spekulanten und "unrealistische Bewertungen des Preises für ein Barrel Öl und die Zukunft des Ölmarkts" sollten zusätzliche Informationen gesammelt werden.

Die meisten Experten rechnen in absehbarer Zeit mit einer Erhöhung des Ölpreises auf über 180 Dollar. Vor zehn Jahren kostete das Barrel Öl noch rund zehn Dollar.

cis/Reuters/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.