Ölpreiseffekt Steigende Nebenkosten, teures Benzin

Mieter müssen dieses Jahr mit saftigen Nachzahlungen bei der Nebenkostenabrechnung rechnen. Wegen des rasant ansteigenden Ölpreises schnellen auch Heiz- und Benzinkosten immer weiter nach oben. Ein Ende ist nicht in Sicht.


Teures Benzin: Ölpreisschock an der Tankstelle
DDP

Teures Benzin: Ölpreisschock an der Tankstelle

Hamburg - Während die Kaltmieten kaum steigen, entwickeln sich die Nebenkosten wegen der steigenden Heizölpreise allmählich zur "zweiten Miete", bemängelt der Deutsche Mieterbund in der "Bild"-Zeitung. Dieses Jahr würden sie schon rund 38 Prozent der Gesamtmiete ausmachen. 2003 waren es nur 34 Prozent. "Viele Vermieter werden saftige Nachzahlungen verlangen", kündigt Mieterbund-Chef Franz-Georg Rips an. Für eine 70 Quadratmeterwohnung müssten rund 170 Euro an Mehrkosten eingerechnet werden. Eine 100 Quadratmeterwohnung koste voraussichtlich rund 240 Euro mehr.

Trotzdem lohne es sich für Hausbesitzer nicht, von Öl auf Gas zu wechseln. "Allein die Öltank-Entsorgung und die neuen Gasleitungen kosten bis zu 3000 Euro", sagt Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Wer Kosten sparen will, sollte das Geld in die Wärmedämmung stecken."

Nicht nur bei den Nebenkosten macht sich der hohe Rohölpreis bemerkbar, auch das Autofahren wird schon bald teurer werden. Nach Einschätzungen des Autoklubs ADAC werden spätestens Ende dieser Woche Tankstellen die Benzinpreise erhöhen, wenn wegen des Endes der Schulferien in Bayern und Baden-Württemberg die große Rückreisewelle über die Autobahnen schwappt. "Ich rechne damit, dass wir dann wieder in den Bereich der jüngsten Rekordpreise kommen, vielleicht sogar darüber", sagte ADAC-Benzinmarktexperte Jürgen Albrecht der "Berliner Zeitung". Der bisherige Höchstpreis für Superbenzin - der am meisten getankte Kraftstoff - lag bei 1,28 Euro pro Liter.

Dass sich die Lage auf dem Benzin- und Heizölmarkt wieder entspannt, ist wohl so bald nicht zu erwarten. Denn voraussichtlich werden die Rohölpreise weiter anziehen. Aufgrund der rasant steigenden Nachfrage werde der Rohstoff auch in den kommenden Jahren immer teurer werden, berichtet das "Handelsblatt". Führende Branchenexperten sprechen demnach schon von einem Superzyklus, der vor vier Jahren begonnen hat. Ein Barrel Rohöl, das inzwischen an der Rohstoffbörse Nymex schon rund 64 Dollar kostet, wird nach Prognosen des Goldman-Sachs-Analysten Jeff Curie erst bei 100 Dollar den Höchstpreis erreicht haben.



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