Ölstreit Russland sucht nach Bypass für Druschba-Pipeline

Der Bruderstreit mit Weißrussland hatte die Lieferung des wichtigsten Rohstoffes nach Europa zum Erliegen gebracht. Nun sucht Russland fieberhaft nach Alternativen für den Öltransport. Eine Möglichkeit ist der Schiffsverkehr über die Ostsee.


Berlin - Nach dem Ölstreit plant Russland, große Teile des für Westeuropa bestimmten Rohstoffs künftig nicht mehr durch die Druschba-Trasse zu leiten. Die russische Regierung habe "intensive Konsultationen mit Transneft darüber eingeleitet", sagte der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Andrej Scharonow der "Berliner Zeitung". Das Staatsmonopol Transneft ist der Betreiber des Druschba-Pipelinenetzes, das von Russland nach Westen führt.

Druschba-Pipeline: "Umleitung des Öls"
DPA

Druschba-Pipeline: "Umleitung des Öls"

Die Diversifizierung der Transportwege für Öl sei aus russischer Sicht die "wichtigste, schwierigste und teuerste Maßnahme", um die Interessen seiner westeuropäischen Kunden zu wahren, betonte Scharonow. "In erster Linie steht eine Umleitung des Öls in den russischen Ostseehafen Primorsk zur Debatte", erläuterte Scharonow.

"Diese Möglichkeit gibt es." Dafür solle die Umschlags-Kapazität des nördlich von St. Petersburg am Finnischen Meerbusen gelegenen Hafens um 45 Millionen Tonnen auf 120 Millionen Tonnen jährlich ausgebaut werden. Das sei die Hälfte der durch Weißrussland laufenden Transitmenge, sagte der Minister.

Der US-Ölpreis hat heute im asiatischen Handel erneut unter 53 US-Dollar notiert. Ein Barrel der US-Sorte WTI zur Auslieferung im Februar wurde mit 52,44 US-Dollar gehandelt. Das waren 55 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Händler und Analysten begründeten die Kursverluste mit weiterhin mildem Winterwetter, insbesondere im Nordosten der USA. Dies reduziere die Ölnachfrage und belaste mithin den Ölpreis. Mit Blick auf weitere Produktionskürzungen seitens der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zeigten sich Analysten zunehmend skeptisch.

Um den Ölpreis nachhaltig zu stabilisieren, seien Taten und nicht nur Ankündigungen seitens der OPEC notwendig, hieß es. Am Wochenende hatten sich die OPEC-Staaten Iran und Venezuela angesichts des jüngsten Öl-Preisverfalls für ein Sondertreffen des Ölkartells ausgesprochen, um gegebenenfalls weitere Förderkürzungen zu Stützung des Ölpreises zu beschließen.

Der Umweltverband WWF hat die russischen Pläne zum Ausbau der Öl-Transporte per Schiff über die Ostsee scharf kritisiert. "Wir sehen diese Pläne mit großer Sorge", sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. Er warnte insbesondere vor Kollisionen auf der Ostsee. "Derzeit fahren bereits rund 750 Öl-Tanker pro Jahr allein vom russischen Hafen Primorsk durch die Kadetrinne, künftig sollen es 1200 Tanker pro Jahr sein." Problematisch sei die fehlende Lotsenpflicht. Außerdem dürften russische Tanker noch immer ohne Doppelhülle fahren, wenn sie keinen EU-Hafen anliefen, sagte Lamp.

tim/dpa-AFX/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.